Haldensleben l Arbeiten mit dem Computer von zu Hause aus, Einkaufen im Internet, Kommunikation über soziale Netzwerke – all das funktioniert nur mit schnellen Datenverbindungen. Deshalb ist ein flächendeckender Breitbandausbau im Landkreis wichtig. Inzwischen haben nahezu alle Gemeinden der Börde den Spatenstich für das Highspeed-Netz gemacht.

Dabei sind zwei Gebiete bereits mit dem schnellen Glasfasernetz versorgt: die Kreisstadt Haldensleben sowie die Verbandsgemeinde Obere Aller. Die Einwohner von Oebisfelde-Weferlingen werden voraussichtlich noch in diesem Jahr angeschlossen, ein Großteil der Börde im Jahr 2020. Wanzleben hat erste Planungen beauftragt, die Bautätigkeit aber noch nicht gestartet, die Gemeinde Barleben hat weder Planungen noch eine Baufreigabe beauftragt.

Von Fördergeldern profitieren

„Die begonnenen Bautätigkeiten gehen sehr dynamisch voran, teils hundert und mehr Hausanschlüsse pro Woche“, sagte Holger Haupt von der Stabsstelle Breitband des Landkreises Börde. Er betont, wer die Gunst der Bundesmittel nicht nutze und den Glasfaserausbau bis ins Haus nicht umsetzt, wird beim Breitbandausbau auf der Strecke bleiben. Bis zum Jahr 2025 müssen laut EU-Verordnung alle Altnetze durch Glasfasernetze ersetzt werden.

Das Land Sachsen-Anhalt hat Fördergelder augeschüttet, von denen viele Gemeinden der Börde jetzt profitieren. Die neue Förderperiode greift in den Jahren 2021/22. „Die Gemeinde Sülzetal und die Stadt Wolmirstedt sind 2017 aus der Bundesförderung ausgestiegen und haben Millionen an Förderbescheiden zurückgegeben“, sagt Holger Haupt. Dabei dauere der Ausbau mitsamt Vorbereitung etwa fünf bis sieben Jahre, wenn man gleich das schnelle Glaserfasernetz ausbaue und nicht nur die bereits bestehenden Altnetze verstärke.

Schnelles Internet bis 2020

Rund 6800 Kilometer Glasfaserkabel sollen im Landkreis Börde in den nächsten zwei Jahren unter die Erde gebracht werden. Dabei haben sich mehrere Gemeinden zur Arbeitsgemeinschaft Breitband zusammengetan. Darin haben sich neben dem Landkreis Börde die Gemeinden Niedere Börde, Barleben, Stadt Oebisfelde-Weferlingen, Oschersleben, Wanzleben sowie die Verbandsgemeinden Flechtingen, Elbe-Heide und Westliche Börde zusammengeschlossen.

Dabei handelt es sich um eines der größten Glasfaserprojekte zur Errichtung eines Breitband-Giga-Netzes in Sachsen-Anhalt. Der Spatenstich wurde 2018 in Barleben gesetzt – dem Ort, der in Sachen Breitband hinterherhinkt. Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es, das Glasfasernetz im Bördekreis bis 2020 auszubauen.

Ausbau nach Betreibermodell

In der Börde läuft der Ausbau nach dem sogenannten Betreibermodell. Das bedeutet, dass die Kommune das kommunale Breitbandnetz mit Fördermitteln selbst ausbaut. Nach Fertigstellung übernimmt ein Netzbetreiber die Obhut und zahlt eine Pacht an die Gemeinde. So refinanziert sich das Modell. Betreiber können die Firmen Telekom, Vodafone, MDCC, MDSSL, DNS:Net, aber auch andere sein. „Es gibt etwa 200 Netzbetreiber, aus denen die Kommunen wählen können“, sagt Holger Haupt.

Entscheidend für den Ausbau ist die Zustimmung der Anwohner. Stimmen 60 Prozent der Haushalte eines Ortes zu, kann das Breitbandnetz ausgebaut werden. Bei dieser Quote ist der Ausbau für die Gemeinde wirtschaftlich. „Die Zustimmung ist groß und die Quoten der Vorverträge erreichen in den jeweiligen Baugebieten der Arge Breitband Quoten von 80 Prozent“, so Holger Haupt.

Gegenwehr zum Giganetz

Doch es gibt auch Gebiete, in denen das schnelle Glasfasernetz nicht gut angenommen, geradezu abgelehnt wird. Ein Beispiel dafür ist die Gemeinde Niedere Börde. Diese hat nach langem Hin und Her den Spatenstich in diesem Jahr gewagt, jedoch nur in vier von neun Ortschaften. In diesen Orten waren die Quoten am höchsten, jedoch weit entfernt von den geforderten 60 Prozent. Der künftige Netzbetreiber DNS:Net hat selten eine solche Gegenwehr erlebt.

Bei zahlreichen Veranstaltungen warben die sogenannten Breitbandengel für das Glasfasernetz, doch sie wurden oft mit Sorgen empfangen. Viele Anwohner monierten, sich bräuchten kein schnelles Internet – sie hätten doch welches. Dass jedoch die Immobilien an Wert verlieren, wenn kein schnelles Netz anliegt, war vielen nicht bewusst. Die erhöhten monatlichen Preise nach dem Ausbau schreckte ebenfalls viele ab.

Keine Alternative zu Breitband

Dabei hat die ländliche Struktur der Börde keinen Nachteil für den Ausbau in Sachen Breitband. „In der Regel gibt es kaum einen Unterschied zwischen dem Ausbau von Stadt und Land“, so Holger Haupt. Es gäbe auch einige Städte, die beim Internet nur Minimalversorgung haben. Grundsätzlich sei der Ausbau in Städten lukrativer als im ländlichen Raum.

Die Kosten eines flächendeckenden Glasfaserausbaus hängen wesentlich von den Entfernungen zwischen den Haushalten ab. Die Baukosten für einen Anschluss liegen zwischen 5500 und 10.000 Euro. „Eine Alternative zum Breitbandausbau gibt es jedoch nicht. Außer man fängt endlich an“, verdeutlicht Holger Haupt.