Soziale Arbeit

Schulsozialarbeiter in der Börde konnten während der Corona-Pandemie ihr Potenzial ausschöpfen

Von Juliane Just 26.04.2021, 10:57

Haldensleben

Sie sind diejenigen, die oft aus dem Hintergrund helfen. Sie bringen Soziale Arbeit an die Brennpunkte, sie leisten Einzelfallarbeit und stehen den Kindern als Vertrauensperson zur Seite. Sie organisieren Projekte, die den Horizont erweitern sollen oder manchmal einfach nur gut tun sollen. Schulsozialarbeiter sind inzwischen an vielen Grundschulen des Landkreises integriert. Mit Beginn der Corona-Pandemie konnten sie scheinbar ihr Potenzial richtig ausschöpfen.

Das zumindest sagt Birka Hübener von der Netzwerkstelle „Schulerfolg sichern“. Als Netzwerkkoordinatorin bündelt sie viele Schulsozialarbeiter im Landkreis Börde und war erstaunt, welche Bandbreite sie trotz Corona-Pandemie abdecken konnten. Insgesamt 40 Schulsozialarbeiter sind in der Börde an Grund-, aber auch Sekundarschulen integriert. „Die Schulsozialarbeit war schon immer eine Profession. Jetzt konnten die Mitarbeiter das ausspielen und wurden auch gesehen“, ist sich Birka Hübener sicher.

Dabei arbeiten die Schulsozialarbeiter auf verschiedenen Ebenen. Beispielsweise sind sie das Bindeglied zwischen Schülern, Eltern und Lehrern. „Unsere Aufgabenfelder haben sich gewandelt“, sagt beispielsweise Fabienne Scholz. Sie ist Schulsozialarbeiterin an der Grundschule „Werner Moritz“ in Rogätz. Der Kontakt zu den Schülern und Eltern wurde anders hergestellt - per Telefon, per Mail, per Videokonferenz. Angebote, die sonst in den Räumlichkeiten der Schule stattfanden, wurden so gut es ging auf die digitale Schiene verlegt. In Rogätz gab es beispielsweise einen virtuellen Fasching. „Viele Effekte verpuffen online, aber es ist wichtig, den Kindern zu zeigen, dass wir da sind“, sagt Fabienne Scholz. Denn auch das sei nicht zu vernachlässigen: „Unsere Arbeit ist Beziehungsarbeit, die braucht Zeit und muss erarbeitet werden.“

Notbetreuung brachte neue Probleme zutage

Des Weiteren leisten Schulsozialarbeiter Einzelfallarbeit. Das können Kinder sein, die Defizite beim Lernen haben, aber auch Probleme Zuhause. Viele Schulsozialarbeiter unterstützten die Lehrer in Zeiten des Lockdowns bei der Notbetreuung jener Kinder, deren Eltern aufgrund systemrelevanter Berufe keinen Unterricht in den eigenen vier Wänden ermöglichen konnten. „Das war eine absolut andere Erfahrung“, beschreibt Annika Thal. Sie ist Schulsozialarbeiterin an der Gemeinschaftsschule in Barleben im Bereich der Sekundarschule. „Hier wurden ganz andere Problemlagen offensichtlich als im Klassenverbund“, beschreibt die 37-Jährige. Sie sieht hier einen positiven Effekt, denn so konnte sie Unterstützung geben. „Man konnte hier ganz anders wirken als Schulsozialarbeiter“, sagt sie.

Auch in Barleben habe sich die Einzelfallarbeit intensiviert, so Annika Thal. Mitunter habe sich die Problemlage im Homeschooling noch verschlimmert, weil die Schüler auf sich allein gestellt waren. Dort haben die Schulsozialarbeiter oft eingegriffen - es gab Nachhilfeunterricht in den Ferien oder auch Einzelbesuche Zuhause, wo Lernstoff gemeinsam nachgeholt wurde. „Nicht jeder Schüler kann gut alleine lernen. Es galt, hier Misserfolge zu verhindern“, sagt sie.

Die Schulsozialarbeiter sehen die Spätfolgen der Corona-Pandemie mitunter jetzt schon. „Die Situation ist schwierig für das Klassengefüge. Man merkt richtig, dass die Schüler sich erst einmal wieder sortieren müssen“, beschreibt die Barleber Schulsozialarbeiterin. Einige Kinder sind in Sachen Bildung nahezu stehengeblieben, müssen nun vieles aufholen. Und auch an einen geregelten Tagesablauf müssen sich einige wieder gewöhnen. Sie plötzlich wieder so viele Schulstunden zu konzentrieren, fällt ebenfalls einigen schwer.

Coronavirus beschäftigt Schüler

Allgemein bemerken die Schulsozialarbeiter, dass die Corona-Pandemie die Schüler sehr beschäftigt. „Das soziale Leben findet praktisch nicht mehr statt“, sagt Annika Thal. In Barleben gab es deshalb vor dem zweiten Lockdown eine enge Zusammenarbeit mit den Jugendclubs, um die Schüler untereinander zu vernetzen. Auch Fabienne Scholz sah bei den Schülern Redebedarf: „Es herrschte eine totale Unsicherheit bei den Kindern. Sie vermissen ihre Freunde, sie sind unsicher bei den Aufgaben und haben Probleme im Alltag.“ Die drängendsten Fragen der Kinder: Wie geht es jetzt weiter? Wann können wir wieder in die Schule?

Ebenfalls verändert hat sich in der ganzen Zeit die Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Schulsozialarbeitern. „Die Lehrer haben gemerkt, dass wir da sind und haben unsere Unterstützung gern in Anspruch genommen“, resümiert Anika Wilke, die als Schulsozialarbeiterin in der Grundschule „Am Heiderand“ in Samswegen tätig ist. Gerade in Sachen Elternarbeit sei die Kooperation wichtig gewesen. „Die Lehrer hatten den Kopf voll und für kleinere Dinge gar keine Zeit mehr. Hier konnten wir unterstützen“, sagt sie. Auch ihre Kollegin in Barleben sieht ein Arbeiten auf Augenhöhe. „Die Zusammenarbeit zwischen den Lehrern und mir war von Anfang an gut, hat sich aber in der Zeit noch deutlich intensiviert“, beschreibt sie. Es gebe viele Lehrerkollegen, die individuell auf die Schüler schauen - manchmal fehle aber eben die Zeit, darauf auch einzugehen. Dort kann der Schulsozialarbeiter helfen.

„Die Schulsozialarbeiter sind mit viel Kreativität an die Sache gegangen und haben die Kinder in der Not zusammengebracht“, resümiert Birka Hübener von der Netzwerkstelle. Es ginge darum, den Kindern so gut es geht den Schulerfolg zu sichern und sie aufzufangen, wenn sie Probleme haben. Die Lehrer haben ihren Mitarbeitern vertraut und auf sie zurückgegriffen. „Keiner der Schulsozialarbeiter sollte jetzt noch erklären müssen, was Schulsozialarbeit ist und wofür sie da ist“, betont Birka Hübener. Man werde erst noch sehen, was die Corona-Pandemie mit den Kindern mache - doch dann weiß sie kompetente Mitarbeiter an deren Seite.