Klinze l Rund zehn Jahre ist es her, dass die Klinzer sich ihren geselligen Dorfmittelpunkt wieder hergerichtet haben. Im Jahr 2008 begannen die Mitglieder des Klinzer Alpen-Vereins mit der Sanierung des Dorfteiches in Klinze. Im Zuge dieser Bauarbeiten entstand in Absprache mit der Gemeinde auch ein Kinderspielplatz. Die Kosten lagen beim Verein, die Helfer leisteten unentgeltlich fast 2500 Arbeitsstunden.

Auch als Festplatz genutzt

Zum Pfingstfest 2009 konnte die Einweihung des schmuck hergerichteten Areals im Rahmen eines Dorffestes begangen werden. Seither tummelte sich der Nachwuchs an diesem friedlich gelegenen Örtchen, bei Festen wurden Zelte und Sitzgelegenheiten aufgebaut, um das fröhliche Treiben im Dorf zu unterstützen.

Es gab viele Gelegenheiten, sich zu treffen und ausgelassen beisammenzusein, der Spielplatz bot den Jüngsten stets Abwechslung, sei es im Alltag oder auch bei den Festen.

Kein Platz mehr für große Aufbauten

Doch vor zwei Jahren - 2017 - wurde die Klinzer Idylle erstmals getrübt. Im Ortschaftsrat von Siestedt ging es plötzlich darum, dass der Spielplatz im Ortsteil Klinze eingezäunt werden müsse.

Der Platz für Spiel, Spaß, Freude und Erholung würde damit seinen Charakter verlieren und zusätzliche Aufbauten zu Dorffesten aus Platzgründen unmöglich machen. Die Playback-Show beim Teichfest müsste in einem Zwinger stattfinden.

Zaun für die Gefahrenabwehr

Mit einem Mal sollte der Spielplatz einen Gefahrenpunkt darstellen. Die Argumente: Die Kinder könnten in den Dorfteich fallen oder auf der unmittelbar am Spielplatz vorbeiführenden Spielstraße von einem Verkehrsrowdy überfahren werden. Ein neu durch die Stadt Oebisfelde-Weferlingen beauftragter Gutachter hatte diese Argumente ins Feld geführt.

Vor fast zehn Jahren hatte es in Klinze jedoch eine ordnungsgemäße Abnahme ohne Beanstandungen durch sämtliche Behörden gegeben. Ein Zaun in der ruhigen Zone von Klinze bildete damals gar keinen Diskussionsgegenstand. Auch die jährlichen Überprüfungen durch den TÜV blieben ohne Beanstandungen.

Abnahme ordnungsgemäß erfolgt

„Nun, nach dem Wechsel des Gutachterunternehmens soll alles anders sein“, fragen die Klinzer und verstehen die Welt nicht mehr. Plötzlich muss ein Zaun her, sonst sei der kleine, aber feine Spielplatz Geschichte. Die Verantwortung liege schließlich bei der Stadt, so die Verantwortlichen. Typisch deutsch, so die Klinzer Einwohner.

Genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister, denn die Klinzer sehen sich selbst in der Pflicht, nämlich in der Aufsichtspflicht für ihre eigenen Kinder. Die Eltern wägen sehr wohl genau ab, ob und wann ihr Nachwuchs den Spielplatz nutzen darf - mit oder ohne Beaufsichtigung. Auch mit einem Zaun um den Spielplatz herum wäre im Falle eines Falles die Aufsichtspflicht der Eltern ein Thema, nicht die der Gemeinde, sehen die Klinzer die Schuldfrage ohnehin immer wieder im eigenen Dorf - gesetzliche Vorgaben hin oder her. Und so ein Zaun kann schließlich auch und gerade die Abenteuerlust hervorlocken. Ob das dann gefahrloser ist?

Es gibt übrigens in der Region mehrere Spielplätze ohne Zäune und ohne Unfälle. Müssen die dann alle einen Zaun verpasst bekommen? Der Klinzer Alpen-Verein jedenfalls scheint nicht bereit, für solch einen bürokratischen Unsinn herzuhalten.