Sportler widmen sich ihrer Geschichte

Seine 140-jährige Vereinsgeschichte ist geprägt von sportlichen Höhepunkten und Erfolgen. Der MTV Weferlingen vereint unter seinem Dach zehn verschiedene Sektionen und ein reges Vereinsleben. An das Gründungsjubiläum wurde mit einem Festakt für geladene Gäste erinnert.

Von Carina Bosse
Kirschkönigin Astrid (mitte) machte den Jubilaren vom Sportverein Nicole Heider-Kloß, Marco Radl und Maik Hackert sowie dem Bürgervereinsvorsitzendem Heiko Kloß (v. r.) seine Aufwartung.
Kirschkönigin Astrid (mitte) machte den Jubilaren vom Sportverein Nicole Heider-Kloß, Marco Radl und Maik Hackert sowie dem Bürgervereinsvorsitzendem Heiko Kloß (v. r.) seine Aufwartung. Foto: Carina Bosse

Weferlingen - Mit seinen gut 400 Mitgliedern blickt der Sportverein MTV Weferlingen von 1881 auf eine ebenso stolze wie wechselhafte 140-jährige Geschichte. Da sportliche Aktivitäten coronabedingt in diesem Jahr bislang auf sich warten lassen mussten und keiner weiß, wie sich die Lage noch entwickeln wird, haben die Sportler ihr geplantes Turnier mit Fußballgrößen aus Wolfsburg und Hamburg auf das kommende Jahr verschoben. Dem Jubiläum sollte jedoch dennoch Rechnung getragen werden. Darum lud Vereinsvorsitzender Marco Radl vor der Ausstellungseröffnung anlässlich des 140-jährigen Gründungsjubiläums im Heimat- und Apothekenmuseum Sportler, Helfer und Weggefährten zu einer kleinen Feierstunde auf den Gutshof ein. Schon das war gar nicht so einfach, da lediglich rund 30 Personen eingeladen werden sollten. Maik Hackert, stellvertretender Vereinsvorsitzender, übernahm die Festrede. Er blickte auf die 140-jährige Vereinsgeschichte, was natürlich angesichts des doch umfangreichen Geschehens nur auszugsweise geschehen konnte. Die Vorbereitung auf Aufbereitung des Ausstellungsmaterial kam ihm dabei zugute, denn viele Dokumente der Vereinsgeschichte waren dabei zusammengetragen worden.

Sport mit großer Beliebtheit

Als Männerturnverein wird der Verein am 15. Juli 1881 aus der Taufe gehoben. Er zitierte aus der Satzung aus dem Jahr 1886, nach dem „jede rechtschaffende Person die Möglichkeit hat, in den Verein aufgenommen zu werden“. Dabei ist von einem Eintrittsgeld von 1,50 Mark und  einem monatlichen Mitgliedsbeitrag von 25 Pfennig die Rede. Drei Vorstandsmitglieder würden Verein führen, jährlich seien drei Bälle als Festlichkeiten zu organisieren, und um den Verein aufzulösen, müsste eine 5/6-Mehrheit dafür plädieren. Dazu war es allerdings bis heute nicht gekommen, auch wenn sich zahlreiche weitere Vereine gründeten und der Name seither mehrfach wechselte.

Zwei Jahre nach seiner Gründung fand das erste Turnfest im September 1883 statt. In seinem Rahmen erfolgte die Fahnenweihe, nachdem Gastgeber und rund zehn Gastvereine mit Musikkapelle und einem Trommler- und Pfeifenkorps in einem Umzug aus dem Ort zur Wettkampfstätte gezogen waren. Zu den Traditionen gehörten jährliche Vereinsfahrten am zweiten Osterfeiertag und an Himmelfahrt. Oft führen diese Ausflüge zu benachbarten Turnvereinen, wo der Tag in geselliger Runde ausklingen konnte.

Unter dem Motto „Frisch, fromm, fröhlich, frei“ von Friedlich-Ludwig Jahn wurde am 17. August 1888 der Turnverein Jahn in Weferlingen gegründet. Schon im darauffolgenden Jahr wurde erfolgreich ein Schauturnen abgehalten, berichtete Maik Hackert.

Weitere Vereine etablierten in den Folgejahren ihre Sportarten in Weferlingen: der Kegelclub Athene, die Radfahrvereine Wanderlust und Gerade durch, der Ballsportverein Preußen, der Fußballklub Weferlingen, der bald darauf zum Sportklub Weferlingen umbenannt wurde, um auch der Leichtathletik ein Podium zu bieten, und schließlich auch der Fußballklub Viktoria. Zu dieser Zeit wurde auf dem Höhberg und am Wasserturm auf provisorischen Fußballplätzen gespielt, ab 1913 dann auch im Riesen. Ein genaues Gründungsdatum könnten die Handballer nicht vorweisen, sagte Maik Hackert. Doch bereits aus den 1910er Jahren ist bekannt, dass die Roten Teufel in Weferlingen auf Torejagd gegangen waren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, der das sportliche Leben in den Vereinen nahezu gänzlich zum Erliegen brachte, kam das gesellschaftliche Leben nur sehr langsam wieder in Gange. Doch 1945 begann eine Jugendmannschaft mit dem Fußballspielen, ein Jahr später gab es auch wieder eine Herren-Elf. Turnbegeisterte Weferlinger fanden sich ab 1947 wieder zusammen.

Der Feldhandball erlebte im selben Jahr einen Aufschwung, selbst die Frauen beteiligten sich am Spielgeschehen.Nach dem 1915 eingeweihten Turnhallen-Neubau konnte 1954 das neue Stadion in Riesen unter dem Vereinsnamen 1. Betriebssportgemeinschaft (BSG) Traktor eingeweiht werden. Die Fußball-Männer erkämpften sich 1958 einen Platz in der Bezirksklasse und krönten ihre Spielzeiten 1965 mit dem Gewinn es Goldenen Traktors.

Wende brachte viel Neues

Einen kräftigen Umbruch brachte die politische Wende 1990. Bei der damaligen BSG Empor Weferlingen begann eine neue Zeitrechnung. Die Sportler besannen sich auf den Ursprungsnamen MTV 1881 zurück, und aus dem Stadion des Friedens wurde eine attraktive Wettkampfstätte, an der in en kommenden Jahre noch gebaut werden soll.

Um im Landkreis Helmstedt mitspielen zu können, gründete sich 1998 der Handballclub (HC) Weferlingen. Zeitweise gab es 13 Mannschaften im Spielbetrieb. Im selben Jahr wurde die Allertalhalle eingeweiht, die seither alle Sportarten für sich nutzen können. Nach zehn Jahren kehrten die Handballer zum MTV zurück, nur zwei Jahre später stiegen die Männer in die Verbandsliga, die zweithöchste Spielklasse Sachsen-Anhalts, auf.

Die Fußballer waren nicht weniger erfolgreich, schafften mit der ersten Herren-Elf im Jahr 2009 völlig überraschend den Kreispokalsieg. Legendär blieb die Siegersause bis heute vielen in Erinnerung.

„Es ist nicht selbstverständlich, im Wir zu denken“, sagte Maik Hackert. Doch der Weferlinger Sport, ehrenamtliche und engagierte Sportler, Trainer und auch alle Helfer, hätte es stets verstanden, sich beliebt zu machen und zu bleiben. Daran wollen sie nach den Corona-Einschränkungen auf jeden Fall im Fußball, Handball, Volleyball, im Kegeln, Tischtennis und Badminton, in der Gymnastik, im Kinderturnen sowie Tanzen wieder anknüpfen.