Marienkirche

Stadtkirche öffnet sich nach Umbau

Eine offenes Haus für jedermann - als solches will sich die Haldensleber Stadtkirche St. Marien nach ihrer Sanierung präsentieren.

Von Jens Kusian

Haldensleben l Die Stadtkirche St. Marien ist eine Baustelle. Die Kirchenbänke sind ausgebaut, der Altar und die Hochkanzel verhüllt. Betonmischer, Kiesberge und Handwerker dominieren derzeit das Kirchen-innere.

Mit dem Umbau verfolgt die Kirchengemeinde St. Marien ein besonderes Ziel. „Wir wollen die Wahrnehmung der Kirche in der Öffentlichkeit verändern“, erklärt Judith Vater, stellvertretende Vorsitzende des Gemeindekirchenrats. Mit rund einer Million Euro – 90 Prozent davon sind Fördermittel – soll das Vorhaben realisiert werden.

Die St. Marien-Gemeinde hatte sich am Wettbewerb „Kirche findet Stadt“ beteiligt und dort mit ihrem neuen Nutzungskonzept gepunktet. Fördermittel für die Umsetzung des Vorhabens konnten über das europäische „Leader“-Programm aquiriert werden.

Im Mittelpunkt dabei steht ein neues Achsenkonzept für den Kirchenraum. Das Nordschiff soll ein Platz des Erinnerns und Gedenken werden. „Hier finden die Gedenktafeln und das Nagelkreuz aus dem Ersten Weltkrieg ihren festen Platz“, stellt Judith Vater die Neugestaltung vor. Kirchenbänke wird es dort nicht mehr geben, stattdessen werden Sanitäranlagen und ein Teestube entstehen. „Der ganze Bereich unter der Empore ist als neuer Kommunikationsort geplant“, so Vater weiter. Zudem wird auch der Eingangsbereich komplett saniert und barrierearm gestaltet.

Das Mittelschiff mit der Hochkanzel soll künftig die „Achse des Glaubens“ beherbergen. Hier sollen aber nicht nur die Gottesdienstbesucher Platz finden. „Wir wollen diesen Platz ebenso für kulturelle Veranstaltungen nutzen“, erzählt Judith Vater. Dafür wird dieser Bereich auch multimedial ausgestattet.

Das südliche Seitenschiff soll künftig ganz im Zeichen der Geschichte stehen. Die Historie der St. Marienkirche wird dabei eng mit der Stadtgeschichte Haldenslebens verknüpft und dementsprechend dargestellt. „Wir wollen dabei auch auf geschichtliche Orte in Haldensleben hinweisen, beispielsweise auf das Museum, auf das Haus der anderen Nachbarn oder auf die Jacobikirche“, sagt Vater.

Sie wünscht sich, dass die Haldensleber die Stadtkirche nicht als Institution Kirche, sondern als ein Stadtgebäude wahrnehmen, das allen offen steht. „Die Kirche steht nicht hinter dem Rathaus. Die Kirche steht neben dem Rathaus“, möchte sie den Blickwinkel der Menschen auf das Gotteshaus ändern. „Wir wollen auch die einladen, die mit Kirche nichts am Hut haben.“

Seit Mitte 2020 laufen die Umbauarbeiten. Zehn Lose sind dafür ausgeschrieben worden. Auch für Judith Vater eine neue Herausforderung, denn bei ihr laufen die Baustellen-Fäden zusammen. Eng arbeitet sie dabei mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle zusammen.

Alles zeitlich abzustimmen, sei keine einfache Angelegenheit, meint sie. Ursprünglich hätte die Maßnahme im Sommer 2021 abgeschlossen und abgerechnet sein sollen. „Doch das Förderprogramm wurde um ein halbes Jahr verlängert. Daher ist unser Ziel nun, bis zum Weihnachtsfest 2021 alles fertig zu haben“, plant Judith Vater.

Neben den derzeit laufenden Arbeiten sollen auch die Chorfenster erneuert werden und so für ganz neue Lichtverhältnisse im Kircheninneren sorgen. Dazu hatte der Gemeindekirchenrat einen Wettbewerb ausgelobt. „Wir wollten aber nicht allein entscheiden, sondern auch der Allgemeinheit die Möglichkeit der Mitbestimmung geben“, blickt Judith Vater zurück. So sind die Entwürfe öffentlich im Museum vorgestellt worden. „Rund 250 Besucher haben sich dafür interessiert“, erzählt sie.

Entschieden haben sich die Verantwortlichen letztlich für den Leipziger Künstler Julian Plodek. Seine Entwurf hat nicht nur die Petrus- und Paulus-Figuren erhalten, sondern auch noch die Jungfrau Maria mit eingearbeitet. Darüber hinaus hat er bei seiner Fenstergestaltung Bezug auf den Altar genommen, davon beispielsweise die salomonischen Säulen übernommen. Und er will die Fenster so gestalten, dass der Altar deutlicher in Szene gesetzt wird als bisher. „Mit den jetzigen Fenstern wird der Altar regelrecht überstrahlt. Das wollten wir so nicht mehr haben“, erklärt Judith Vater und geht davon aus, dass auch die Fenstergestaltung planmäßig im 3. Quartal 2021 abgeschlossen sein wird.