Weferlingen l Zur Einwohnerfragestunde der Stadtratssitzung war gleich eine ganze Gruppe von Walbeckern angereist, um ihrem Ärger über die seit langem gesperrte Brauhofbrücke mitten im Ort Luft zu machen. Sie ist für die Einwohner eine wichtige Lebensader und dient auch der freiwilligen Feuerwehr als Rettungsweg, die nun bei Einsätzen relativ lange Umwege durch enge Straßen in Kauf nehmen muss.

Als Walbecker Bürger und Ortschaftsrat hatte Ekkehard Wallbaum die Frage, warum die Entscheidung des Ortschaftsrates, die Brauhofbrücke bei der baulichen Sanierung beziehungsweise einem Neubau der Gittelbrücke vorzuziehen, in der Verwaltung und im Stadtrat ignoriert wurde.

Aus Sanierung wurde Neubau

Hans-Werner Kraul (CDU), Bürgermeister der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen, entgegnete, dass der Entscheidung des Ortsrates aus objektiven Gründen nicht gefolgt wurde. Alle Gremien hätten den Entscheidungsprozess durchlaufen. Die Reparatur der Brauhofbrücke liegt im hinteren Teil der Maßnahmen hinter der Gittelbrücke.

„Wir haben uns in der Verwaltung bereits bemüht, Planungsleistungen in das Jahr 2019 vorzuziehen, aber das ist nur ein Versuch“, sagte der Verwaltungschef ohne verbindlichen Charakter. Er sehe auch die Bedeutung der Brücke für den Ort, doch bereits angeschobene Maßnahmen könnten nicht so einfach aufgehalten werden. Und auch die Gittelbrücke habe eine nicht unbedeutende Funktion für Walbeck und die Einheitsgemeinde. Immerhin erschließe sie große Wirtschaftsunternehmen. Sämtliche Versuche, andere Lösungen für die Zuwegung zu finden, seien in der Vergangenheit gescheitert.

Genau den Knackpunkt der ganzen Diskussion benannte Stadtratsvorsitzender Thomas May (Piraten), denn aus einer geplanten Instandhaltungsmaßnahme für die Brauhofbrücke wurde schließlich nach und nach ein Neubau. Aus dem Bauamt hieß es nämlich, Instandhaltungsmaßnahmen seien nicht Bestandteil der Prioritätenliste der Einheitsgemeinde, Neubaumaßnahmen aber sehr wohl.

Brücken wurden geprüft

Der Stadtrat Martin Krems-Möbbeck (SPD) sieht Widersprüche im ganzen Verfahren: „Wir haben immer betont, Mittel für eine Reparatur bereitzustellen und sind immer auf die Prioritätenliste verwiesen worden.“ Eines könne also nicht stimmen: Entweder die Reparatur ist versagt worden, oder die Weferlinger Allerbrücke ist ohne Priorität auf die Maßnahmenliste gekommen. Mittlerweile gebe es ja wohl schon drei Varianten: Eine wäre eine Reparatur der Brauhofbrücke, die beiden anderen betreffen einen Ersatzneubau.

Der Walbecker Hans-Otto Brandt verwies auf das Ergebnis einer Brückenprüfung. Demnach sei für die Brauhofbrücke der kritische Wert von 3,9 festgestellt worden, hingegen für die Allerbrücke 2,3. In Weferlingen rolle der Verkehr noch, hingegen sei das in Walbeck nicht mehr der Fall. Walbecks Ortsbürgermeister und Stadtrat Martin Herrmann (SPD) sagte, dass in diesem ganzen Prozess auf jeden Fall Fehler gemacht worden seien: „Das darf nicht noch einmal so vorkommen.“

Die Brücken sind seit Jahren in Weferlingen ein altbekanntes Thema, ergriff Stadtrat Thilo Walther (CDU) später unter dem Punkt Anfragen und Anregungen noch einmal das Wort, obwohl er eigentlich zu dem Thema an diesem Abend „nichts sagen wollte“. „Wenn wir mit der Weferlinger Allerbrücke noch länger warten, wird auch sie keine Sanierung mehr, sondern ein Neubau“, betonte der Vorsitzende des Finanzausschusses und Weferlinger Ortsrat.

Kritik an Bürokratie

Spontanen Beifall gab es für die Aussage von Manfred Wesche (CDU): „Wir sollten jetzt mal alle Kraft daran setzen, überhaupt mal eine Brücke zu machen.“ Er sei jetzt eine Legislatur Stadtrat und zuvor eine Legislatur als berufener Bürger im Ausschuss tätig gewesen, und noch immer sei nicht eine Brücke neu gemacht worden.

Dirk Kuthe (SPD) erinnerte sich zurück, dass beide Brücken (Walbeck und Weferlingen) zur Reparatur auf eine Liste kamen, die damals noch gar keine Prioritätenliste war. Die kam nämlich erst später ins Spiel. „Walbeck wurde falsch geplant, die Pfeilersanierung war eine falsche Entscheidung“, so der Stadtrat und Ortsbürgermeister von Weferlingen, denn dabei hätten sich die Schäden an der Konstruktion als viel größer als gedacht herausgestellt. Weferlingens Brückenreparatur sei hingegen weiter geplant worden und sei jetzt soweit. „Wir sind einfach nicht flexibel genug. Die vorgegebene Doppik vom Land sieht vor, Rücklagen zu bilden und wir können die Gelder nicht einsetzen“, schimpfte der Weferlinger über die Unbeweglichkeit und Bürokratie des Systems.