Haldensleben l Nebelung oder Nebelmond haben unsere Vorfahren den Monat November auch genannt und damit überliefert, wie dieser Monat eigentlich sein sollte. Viele Nebeltage hatte der November 2018 allerdings nicht und fiel damit wie auch die Monate vorher aus der Rolle, besser gesagt – er entsprach nicht der Statistik.

Die Redensart „Das wächst wie Kraut und Rüben“ geht auch auf den November zurück, denn in diesem Monat werden Kraut und Rüben gemeinsam geerntet, genauso wie die Saat gemeinsam in den Boden gebracht wurde. Wenn Kraut und Rüben unter Dach und Fach sind, kann der Winter kommen. So haben auch Rübenberge am Feldrand und Rübentransporte auf den Straßen den Monat gekennzeichnet. Allerdings fiel auch hier wie bei anderen Feldfrüchten die Ernte geringer aus.

Dürre besonders in der Altmark

Landwirt Christian Lübke aus Weferlingen ist mit dem Zuckerrübenertrag auf seinen Feldern angesichts der extremen Trockenheit in diesem Jahr dennoch zufrieden: „Es hat sich bewährt, dass wir sehr früh gedrillt haben, bevor die große Trockenheit begann.“ Und auch der Zwischenfruchtanbau mit Senf-Phacelia-Gemisch habe sicher dazu beigetragen, dass der Zuckerrübenertrag einigermaßen ausgefallen sei. Bei den meisten Landwirten fehle zwar die Rübenmasse, doch der Zuckergehalt sei sehr gut.

Über stark verschmutzte und vom Regen dann rutschig gewordene Straßen mussten sich die Kraftfahrer in diesem Jahr aber kaum ärgern. In so manchem Jahr sah das in der Zeit der Rübenernte anders aus. Auch im November blieben die von vielen erhofften, stärkeren und flächendeckenden Niederschläge aus, konstatiert der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Rückblick für Deutschland. Mit gut 20 Litern pro Quadratmeter fiel nur ein Drittel des üblichen Solls von 66 Litern. Damit war der November bereits der zehnte zu trockene Monat in Folge. Die Dürre habe sich besonders in der Altmark im Norden Sachsen-Anhalts verschärft, heißt es. Sachsen-Anhalt war nach Sachsen (10 Liter pro Quadratmeter) mit 15 Litern pro Quadratmeter das zweittrockenste Bundesland. Der Durchschnitt liegt bei 43 Litern.

In unserer Region sah es noch schlimmer aus. An der Messstelle in Döhren wurden nur 8,1 Liter registriert. Noch trockener war in diesem Jahr nur der Februar mit 3,9 Litern. Allerdings war der November 2018 nicht der trockenste in dieser Dekade. 2014 fielen nur 6,7 Liter und 2011 sogar nur 0,8 Liter pro Quadratmeter. Am meisten regnete es im November 2015, nämlich 71,1 Liter pro Quadratmeter. Um die 60 Liter wurden 2012 und 2017 gemessen.

Starke Temperaturunterschiede

Die Durchschnittstemperatur für den Monat gab der DWD für Sachsen-Anhalt mit 5,4 Grad bei einem Jahresmittelwert von 4,5 Grad an. In Gardelegen herrschten am 7. November für die Jahreszeit sehr große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Nach einem Minimum von 0,6 Grad stieg die Temperatur bis zum Nachmittag auf 17,7 Grad. Gardelegen belegte im November deutschlandweit aber auch den 1. Platz als trockenster Ort. Hier fielen nur 2,3 Liter Regen pro Quadratmeter, gerade einmal 5 Prozent des Solls.

In Haldensleben lag der Temperaturunterschied an diesem Tag immerhin zwischen 3 und 18 Grad. Insgesamt wurden in Haldensleben im November 16 Tage mit Temperaturen über 10 Grad Celsius registriert. 6 Tage davon zeigte das Thermometer 15 Grad Celsius und mehr. Meteorologen sprechen bei diesem Wetterbild vom „Martinssommer“. Auch 2017 sei die Wetterlage ähnlich gewesen, frühlingshafte Temperaturen in der ersten Novemberhälfte.

Die erste Monatshälfte präsentierte sich damit durchaus angenehm. Die Sonne schien im November in Sachsen-Anhalt etwa 75 Stunden, der Durchschnittswert liegt bei 51 Stunden. Insgesamt war der November also ein für seine Verhältnisse zu warmer Monat. Angesichts der großen Hitze in diesem Jahr kam das den meisten allerdings nicht so vor, jedenfalls nicht in der zweiten Monatshälfte. Der Übergang vom Sommer kam zu abrupt, zumal es morgens auch schon mal Minusgrade gab. In Haldensleben wurden ab 17. November an 6 Tagen morgens Temperaturen von minus 1 bis minus 5 Grad gemessen.

Warme November häufig sich

Meteorologen haben übrigens festgestellt, dass sich etwa seit 1925 die zu warmen Novembermonate ziemlich häufen. Unsere Vorfahren haben in Wetterregeln ihre Erfahrungen überliefert, welche Aussagen vom Novemberwetter auf den kommenden Winter getroffen werden können.

„Ist Martini (11. November) trüb und feucht, wird gewiss der Winter leicht“ heißt eine Bauernregel, und nach der Wetterstatistik des DWD sei in diesen Fällen tatsächlich der folgende Winter insgesamt zu mild. Am diesjährigen 11. November habe ein Tief kräftigen Wind und Regen gebracht, so könnte der Winter mit einer Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent zu mild werden. Wenn man jedoch nicht nur den Martinstag, sondern die Zeitspanne bis zum 21. November betrachten würde, dann würde laut Statistik sogar mit 75-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein zu milder Winter folgen, schreibt die DWD-Meteorologin Jacqueline Kernn. Da Deutschland in diesem Zeitraum aber meist trockenes und oft auch sonniges Wetter hatte, es kaum Nebel, Regen oder Schnee gab, könne nicht auf eine milde Witterung für den kommenden Winter geschlossen werden.

Der Meteorologe Karsten Brandt hat in seiner Auswertung der Bauernregeln auch den 25. November als Lostag untersucht. „Wie der Tag zu Kathrein, wird der nächste Fe- bruar beziehungsweise Neujahr sein“, heißt es da. Die Messungen der Regenmengen hätten ergeben, dass die Regel zumindest für den Februar mit großer Wahrscheinlichkeit zutrifft, für Ostdeutschland in acht von zehn Jahren. Am 25. November hat es nicht geregnet. In Haldensleben zeigte das Thermometer nachts 2 und am Tag 6 Grad Celsius und entsprach damit sogar dem Durchschnitt.

Januar wird eher nass

Recht sicher gelte, dass der Januar eher nass wird, wenn das erste Novemberdrittel frostig ist, haben Kumpfmüller und Steinbacher in ihrem Buch über Wetter- und Bauernregeln festgestellt. Sei es in der Monatsmitte mild, deute das auf Frost von Weihnachten bis Neujahr hin.

Nun, die Monatsmitte war zumindest mild. Die Meteorologen des DWD meinen jedoch, verlässliche Aussagen zum Weihnachtswetter seien frühestens 14 Tage vorher möglich. Untersuchungen hätten ergeben, dass klimatologisch gesehen, in den letzten Jahrzehnten warme Wetterlagen zu Weihnachten deutlich überwogen. Rechnerisch gäbe es alle 8,5 Jahre weiße Weihnachten, und 2018/19 wäre damit dran. Doch das Wetter hält sich nicht an Statistiken.