Haldensleben l Mehr als 2000 Jugendliche haben 2018 in Sachsen-Anhalt die Schule verlassen, ohne wenigstens den Hauptschulabschluss in der Tasche zu haben. Das entspricht einem Wert von 11,4 Prozent. Die Börde kann einen viel niedrigeren Wert von 7,52 Prozent vorweisen. Damit hat sich der Landkreis im Fünfjahresvergleich sogar verbessert – um 0,26 Prozent.

Seit 2012 untersucht die Caritas in einer Bildungschancen-Studie jährlich, wie viele Jugendliche die Schule ohne Hauptabschluss verlassen und richtet den Blick so auf junge Menschen, deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt gering sind.

Nachbarkreise mit hohen Quoten

Ein Blick in die Nachbarkreise zeigt, dass der Landkreis Börde die niedrigste Schulabbrecherquote in ganz Sachsen-Anhalt hat. Im Landkreis Jerichower Land liegt die Quote bei knapp 14 Prozent, in Stendal bei 10,5 Prozent, in Salzwedel bei knapp 10 Prozent. Und sogar die Landeshauptstadt Magdeburg hat eine Schulabbrecherquote von knapp 12 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt deutlich niedriger – bei 6,9 Prozent.

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Um dem Problem der Schulverweigerer Herr zu werden, wurden in mehreren Landkreisen Netzwerkstellen errichtet, die mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert werden. So wurde 2009 auch die regionale Netzwerkstelle „Schulerfolg sichern“ in Haldensleben in Trägerschaft des Awo-Kreisverbandes der Börde installiert, die landkreisweit arbeitet. Zwei Mitarbeiter bringen seither bildungsrelevante Institutionen, Ämter und Akteure aus dem schulischen und außerschulischen Bereich zusammen und begleiten Kooperationsprozesse zwischen Einrichtungen der Jugendhilfe und Schulen.

Frühzeitige Hilfe ist entscheidend

Die Gründe dafür, dass Kinder und Jugendliche die Schule verweigern, sind vielschichtig. „Meist greifen zahlreiche Faktoren ineinander“, sagt Netzwerkkoordinatorin Birka Hübener. So können Probleme in der Schule selbst auftreten, aber auch im familiären Umfeld, in der Freizeit oder anderen Institutionen. Fakt ist: Je schneller reagiert wird, desto besser kann den Jugendlichen geholfen werden.

Um eine frühzeitige Hilfe möglich zu machen, bedarf es aufmerksamen Lehrern und Schulsozialarbeitern, aber auch andere Anlaufstellen für die Schüler. „In diesem riesigen Komplex gibt es keine einfache Lösung, aber es gibt Ansätze“, sagt Birka Hübener. Wichtig ist es, gemeinsam mit den Schülern nach Ursachen zu suchen. „Haben wir einen Schüler einmal verloren, wird es schwer, ihn wieder zurückzuholen“, so Hübener. Die positive Entwicklung der Schulabbrecherquote im Landkreis zeige, dass die Schulen sich mit diesem Thema befassen.

Zuwanderung als Hauptgrund

In der Caritas-Studie wird vor allem die Zuwanderung als Hauptproblem genannt. Die Autoren vermuten als Hauptgrund mehr Kinder nichtdeutscher Herkunft in den Schulen. Für Zugewanderte sei es oft eine große Herausforderung, in kurzer Zeit eine neue Sprache zu erlenen.

Im Bördekreis sind die Zahlen der Abbrecher ausländischer Herkunft von 1,57 Prozent im Jahr 2015 auf fast das doppelte im Jahr 2017 angestiegen. Doch in der Netzwerkstelle, wo die Fäden der knapp 90 Schulen im Landkreis zusammenlaufen, hat keine entsprechenden Daten vorliegen. „Uns wurde kein Bedarf von Seiten der Schulen gemeldet“, bestätigt Birka Hübener.

Tendenziell komme es bei Schulabbrechern auch auf das Alter an. Zahlen der Netzwerkstelle zeigen, dass vor allem Jugendlichen zwischen 16 und 17 Jahren deutlich häufiger die Schule verweigern als jüngere Klassenstufen. Dabei sind die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Schulabbrechern nahezu gleich. „Für uns ist vor allem die Präventionsarbeit wichtig, damit es gar nicht erst zu diesen Situationen kommt“, fasst Birka Hübener zusammen.