Rätzlingen l Aus der Studentenbude in der Hauptstadt von Schottland zurück auf den Bauernhof der Eltern in Rätzlingen. Jonas Mago ist Student am Forschungs- und Lehrinstitut in Edinburgh und studiert jetzt coronabedingt im Homeoffice oder genauer unter den Bäumen im Garten.

„Ich bin vor einem Jahr nach Edinburgh gezogen und mache dort meinen Master in Kognitionswissenschaften“, erzählt der 24-Jährige. Die Kognitionswissenschaft ist ein relativ neues Feld, das Neurowissenschaft, Psychologie und Informatik zusammenbringt, um Kognition zu verstehen. „Kognition ist das Verhalten unseres Gehirns – also wie unser Gehirn mit der Welt zusammenarbeitet, Informationen verarbeitet und dann Entscheidungen trifft“, erklärt er.

Ursprünglich wollte der Student noch auf der Insel bleiben, weil die Menschen dort sehr nett seien und er die Stadt so schön findet. Dann habe er Mitte März auf den Internetseiten die strengen Regelungen des Vereinigten Königreichs gelesen. „Man durfte zu dieser Zeit nur eine Stunde am Tag draußen sein“, erzählt er. Seine Rückreise war schwierig. „Flüge gab es nicht mehr. Züge wurden immer mehr gestrichen. Einen der letzten Züge erwischte Mago, um noch von London durch den Ärmelkanaltunnel nach Frankreich und über Magdeburg dann nach Hause zu kommen. Er gesteht, dass er es nun mit dem Dorfleben in Rätzlingen sehr viel besser habe. Im Schatten der Bäume schreibt Mago seine Masterarbeit, die er in drei Wochen einreichen möchte.

Durch Digitalisierung öffnen sich Türen

Ihm sei bewusst, dass vielen jungen Menschen, die in der Corona-Zeit studieren, die Gemeinschaft mit anderen Menschen fehlt. „Aber durch die digitalen Möglichkeiten öffnen sich ganz viele Türen. Ich habe Kontakt mit vielen Forschern auf der Welt. Mein Feld, in dem ich studiere, ist so klein, dass die Menschen, die darin forschen zwar wenige sind, doch weit verteilt in New York und in Kalifornien, in London, in Berlin oder in Edinburgh sitzen“, beschreibt Jonas Mago. Auch die Gastvorträge seien – nach seinen Ausführungen – nun coronabedingt online. Es gebe einen sehr interessanter Pool von Menschen, die so ganz spezifisch zusammen kommen. Auch die Konferenzen, auf denen Ideen ausgetauscht werden, finden jetzt online statt. „In den nächsten Wochen werde ich auch an solchen Konferenzen teilnehmen und meine Arbeit präsentieren, in der Hoffnung, dass es jemand gibt, der meine Forschungsansätze aufgreift und weiterführt oder meine Ergebnisse veröffentlicht“, schildert Jonas Mago. So wäre die neue größere digitale Welt für ihn auch von großem Vorteil.

In den letzten vier Jahren lebte Mago in Holland, in Australien und in Schottland. „Das war sehr schön, aber in den letzten Wochen habe ich gemerkt, dass ich die deutsche Kultur sehr genieße“, gesteht er und fühlt sich sichtlich wohl in der ländlichen Idylle. „Sonst war ich immer nur eine oder zwei Wochen zu Besuch, jetzt habe ich auch mal Zeit, mit meinen Eltern über die Dinge, die einen bewegen, über Pläne und Träume, die man hat, zu sprechen“, schildert er. Schon als Kind habe er seinem Vater viel mit den Tieren auf dem Bauernhof und seiner Mutter im Garten geholfen. „Gestern haben wir Heu gemacht und morgen gehe ich mit meinem Vater raus, da wollen wir die Rinder umtreiben“, erzählt der Student. Zwischendurch arbeitet er an seinem Computer.

Weiterer Lebensweg offen

Sein Plan sei, nochmal nach Edinburgh zurück zu kehren, um den Freunden und Menschen dort „Tschüss“ zu sagen und sein Zimmer leer zu räumen. So ganz genau weiß der junge Mann noch nicht, wie er sich seine Zukunft vorstellt. „Ich denke viel darüber nach, ob ich in der Wissenschaft bleibe.“ Der nächste Schritt wäre, seinen Doktor zu machen und in die Forschung einzusteigen. Aber dies sei eben noch ungewiss. „Um vom akademischen Umfeld Abstand zu nehmen, werde ich vielleicht ein Jahr Pause einlegen“, blickte Mago voraus.

Ein anderer möglicher Weg ist für den jungen Rätzlinger, das nächste Semester Data Science (Datenwissenschaften) in Berlin zu studieren und so einen zweiten Master zu absolvieren. „Wenn ich in die Forschung gehe und meinen Doktor mache, würde ich probieren, Informatik, Philosophie, Neurowissenschaft und Buddhismus in Einklang zu bringen und zu schauen, wie wir diese buddhistische Lebensweisheit mit dieser neuen Wissenschaft verstehen“, sagt Mago.