Haldensleben l Manchmal ist es in den wöchentlichen Schulversammlungen der Evangelischen Sekundarschule in Haldensleben gar nicht so leise. Die Jugendlichen quatschen oder albern, und dann muss sie Schulleiterin Pia Kampelmann ermahnen. Diesmal aber war es mucksmäuschenstill in der Aula der Einrichtung. Denn die „Abenteuerurlauber“ der Sekundarschule waren zurück und hatten nicht nur Fotos mitgebracht, sondern auch fantastische Erzählungen über ihre Reise nach Tansania.

Eine Partnerschaft zwischen dem afrikanischen Land und der Börde gibt es schon viele Jahre. So stellte die evangelische Kirchengemeinde in Colbitz bereits vor über 30 Jahren Kontakt zu dem Schuldorf Itamba in Tansania her, schickte bereits 1985 Schulmaterialien, um den Aufbau der Schule zu unterstützen. Durch den Colbitzer Pfarrer Dieter Kerntopf entstand eine Partnerschaft mit der „Itamba Secondary School“, die der Evangelische Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt bis heute mit großem Engagement und vielen Verbündeten fortführt.

Partnerschaft seit 2016

2016 nahm auch die Evangelische Sekundarschule Haldensleben eine Partnerschaft mit der afrikanischen Schule auf, es gründete sich eine entsprechende Arbeitsgruppe. Mit großem Eifer sammeln die deutschen Schüler für ihre Freunde in Tansania Spenden, die dort immer für neue Schulmaterialien benötigt werden, denn Unterstützung vom Staat gibt es für die dortigen Schüler nicht. Schnelle Hilfe war nötig, als 2017 ein Internatsgebäude der Itamba School abgebrannt war. Aber auch sonst besteht regelmäßiger Kontakt zu den afrikanischen Schülern.

Bilder

Zum ersten Mal fand nun aber auch ein Besuch statt. Acht Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Sekundarschule flogen mit Lehrerin Katja Schulze, Pfarrer Matthias Simon, Jugendpfarrer Robert Neumann und Beate Thiel, Mitglied des evangelischen Kirchenkreises und der Colbitzer Kirchengemeinde, nach Afrika.

Erster Besuch vor Ort

Bei ihrer Schulversammlung versuchten die Jugendlichen, in Worte zu fassen, was sie in zweieinhalb Wochen alles erlebt hatten. „Als wir am Flughafen ankamen und aus dem Flugzeug stiegen, kam gleich erstmal der Schock, denn es war wirklich total warm und schwül“, begann Maximilian Albrecht den Reisebericht. Er erzählte von gewöhnungsbedürftigen Toiletten, die nicht nach deutschem Standard gebaut waren, vom Hotel und ersten Besuchen in einem Nationalpark und einer Kirche.

Die Mitschüler, die neben Maximilian nach Tansania gereist waren – Gustav Schäpe, Christian Drüsedau, Jonas Schlächter, Aimeé Püschel, Jenni Loof, Mareike Simon und Jenni Görke – führten den Bericht fort. Sie erzählten, wie sie Canyons und Wasserfälle besucht hatten und nicht zuletzt natürlich von ihrem Kontakt zu Schülern der „Itamba Secondary School“.

Gemeinsamer Unterricht

So hatte Lehrerin Katja Schulze nicht nur in bestem Englisch eine Lehrstunde für afrikanische Schüler gegeben, in der diese viel über Deutschland lernten, sondern hatten die deutschen Gäste und ihre Gastgeber auch gemeinsam eine Unterrichtsstunde gestaltet. Dabei ging es um den Storch, der genau wie die Haldensleber Jugendlichen seine Reise nach Afrika angetreten hatte und deshalb auch an der Partnerschule bestens bekannt ist.

In einem Instrumenten-Workshop bauten die Schüler gemeinsam zwei Gitarren, die die afrikanischen Freunde behalten durften und auf denen ihnen die deutschen Gäste bereits die ersten Akkorde beibrachten.

Besuch im Nationalpark

Dass Tansania ein großes Land ist, bemerkten die Schüler bei ihren Busfahrten. Zwölf Stunden brauchten sie, bis sie im Ruaha-Nationalpark ankamen, wo sie bei einer Safari Elefanten, Giraffen, Zebras und Löwen beobachten konnten. Besonders freute sich Pfarrer Matthias Simon darüber, dass die deutsche Gruppe auch tansanische Schüler dorthin mitnehmen konnte. „Die meisten Kinder und Erwachsenen haben kein Geld, um die großen Nationalparks zu besuchen und haben deshalb noch nie Elefanten, Giraffen und so weiter gesehen“, verriet er.

Die Schüler berichteten weiter von einem Besuch auf einem großen Markt in der Megacity Dar es Salaam, auf dem die Waren anders als in Deutschland üblich in rauen Mengen unverpackt und ohne Kühlung ausgelegt waren. Gebadet wurde bei 28 Grad Celsius Wassertemperatur im Indischen Ozean. Bei ihren Ausflügen erlebten die Schüler und ihre Begleiter allerlei Abenteuer, blieben beispielsweise bei der Safari mit dem Jeep im Schlamm stecken und mussten befreit werden, oder wurden im Bus so vollgestaubt, dass sie kaum noch atmen konnten.

Dass alle Reiseteilnehmer gesund und munter wieder in Deutschland landeten, ließ vor allem Schulleiterin Pia Kampelmann einen Stein vom Herzen fallen. Sie durfte Geschenke vom Leiter der „Itamba Secondary School“ – Daudi Tukinde – in Empfang nehmen. Dazu gehörten ein Schul-Shirt und ein Briefbeschwerer in Form eines Elefanten.

Tansania-Abend am 16. April

Die Tansania-AG plant, demnächst bei öffentlichen Veranstaltungen von ihrer Abenteuerreise zu berichten. Ein öffentlicher Tansania-Abend ist für Dienstag, 16. April, um 19 Uhr in der Evangelischen Sekundarschule geplant – Interessenten sind willkommen. Wer nicht warten kann, kann auf der Internetseite der Evangelischen Sekundarschule unter www.ev-sekundarschule.de Berichte über jeden Reisetag nachlesen. Ansonsten bereitet die Arbeitsgemeinschaft sich bald schon eifrig auf das kommende Jahr vor. Dann möchten Schüler aus Afrika ihre deutschen Freunde in Haldensleben besuchen.