Satuelle l Es ist Tag vier nach der Tat. Das Telefon des Tierheims steht nicht mehr still – Medien aus ganz Deutschland wollen den Mann sprechen, der die Tat gesehen hat. Dabei konnte Tierheim-Mitarbeiter Dirk Lehmann nicht eingreifen, er konnte nur tatenlos zusehen. Noch immer schwirrt ihm der Moment durch den Kopf, als der Mann ein schwarzes Bündel aus dem Auto holte und es wie einen Müllsack über den Zaun des Tierheims warf.

„Sie wollten die Hündin entsorgen“, ist sich der Tierheim-Mitarbeiter sicher. Seit zehn Jahren engagiert er sich in der Einrichtung im Haldensleber Ortsteil Satuelle, aber so etwas habe er noch nicht erlebt. Er ist schockiert über die Art und Weise, wie sich die Unbekannten des Tieres entledigen wollten. Dabei begann die Geschichte zweier Unbekannter, die vor dem Tor des Tierheims stehen wie viele andere.

Dirk Lehmann hatte am Donnerstag Bereitschaftsdienst. Gibt es außerhalb der Öffnungszeiten Bewegungen vor den Toren der Einrichtung, erhält der Mitarbeiter eine Nachricht auf sein Telefon. 21.43 Uhr war das, das weiß Dirk Lehmann noch genau. Über die Überwachungskamera erkannte er ein Auto, dann eine Frau. „Ich dachte, die Personen hätten ein Fundtier“, erinnert er sich. „Bevor ich mich versah, tauchte ein Mann auf, mit einem Tier auf dem Arm. Er warf es über den Zaun.“

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Mitarbeiter sieht alles im Video

Normalerweise könne er zu den Besuchern vorm Tor per Telefon sprechen, aber er sei sprachlos gewesen. An der Klingel ist die Nummer des Tierheims vermerkt, sie hätten sich also bemerkbar machen können, aber sie haben einen anderen Weg gewählt. „Die Täter haben in Kauf genommen, dass das Tier verletzt wird“, ist er überzeugt.

Nachdem er Zeuge der schrecklichen Tat wurde, informierte Dirk Lehmann die Tierheimleiterin Kathrin Behrends und fuhr nach Satuelle, um nach dem Tier zu sehen. „Ich konnte die Hündin nicht berühren, sie war völlig verängstigt“, beschreibt er die Situation. Das Tier ließ sich nicht einfangen. Der Mitarbeiter öffnete die Werkstatt, damit die Hündin über Nacht einen warmen Unterschlupf findet. „Ich habe von weitem gesehen, dass der Hund äußerlich nicht verletzt ist“, sagt er. „Und dass sie jung ist.“

Erst am nächsten Tag schwoll die linke Seite der Schnauze an – eine Prellung. Wahrscheinlich kommt die Verletzung von dem Sturz. Auch vier Tage nach der Tat ist die Hündin verstört. Nur Mitarbeiterin Susanne Roland lässt sie an sich heran. Bei jedem Geräusch zuckt die Hündin, sieht sich panisch um, ist immer auf dem Sprung. „Es wird noch lange dauern, bis sie sich von diesem Schock erholt“, mutmaßt Dirk Lehmann.

Erkannt hat er die Täter trotz Live-Übertragung nicht. Nun fahndet die Polizei nach ihnen. „Es handelt sich bei der Tat um den Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“, sagt Matthias Lütkemüller, Sprecher des Polizeireviers Börde. Dort ist unter anderem festgehalten, dass es verboten ist, ein „Tier auszusetzen oder es zurückzulassen“. Das Tierheim hat Anzeige erstattet.

Nun gilt es, die Hündin wieder aufzupäppeln – abseits von Facebook-Debatten und dem Medienrummel.