Graffiti-Projekt

Traumapädagogische Wohngruppe gestaltet ihren „sicheren Ort“ in Haldensleben bunt

Farbe sei wichtig für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, meint der Sprayer Matthias Täger. Deshalb hat er sich auch bereiterklärt, die traumapädagogische Wohngruppe „SIO“ in Haldensleben bei ihrem Graffiti-Projekt zu unterstützen.

Von Jens Kusian
Ein bisschen mehr Farbe in ihren "Sicheren Ort" haben die Bewohner und Pädagogen der traumapädagogischen Wohngruppe am Haldensleber Jungfernstieg gebracht. Initiiert hat das Graffiti-Projekt Betreuerin Paula Grunewald (hinten links), die dafür den Sprayer Matthias Täger (3.v.l.) gewinnen konnte.
Ein bisschen mehr Farbe in ihren "Sicheren Ort" haben die Bewohner und Pädagogen der traumapädagogischen Wohngruppe am Haldensleber Jungfernstieg gebracht. Initiiert hat das Graffiti-Projekt Betreuerin Paula Grunewald (hinten links), die dafür den Sprayer Matthias Täger (3.v.l.) gewinnen konnte. Jens Kusian

Haldensleben - Wie schwierig die Bewältigung des Alltags für traumatisierte Kinder und Jugendliche ist, das wissen die Betreuer der „SIO“-Wohngruppe am Haldensleber Jungfernstieg nur allzu gut. Rund um die Uhr kümmern sie sich um ihre derzeit acht Schützlinge, sorgen für einen geregelten Tagesablauf und bieten ihnen vor allem eines: Sicherheit. Denn die Abkürzung „SIO“ steht für sicherer Ort. Und den braucht es, um die verhaltensauffälligen Heranwachsenden körperlich und psychisch zu stabilisieren, versichert Einrichtungsleiterin Marei Schulz.

Mit Fördermitteln und Zustimmung des Vermieters

Als teambildende Maßnahme - in diesem Fall jedoch eher für die Bewohner als für die Betreuer der traumapädagogischen Wohngruppe - hat Paula Grunewald die Idee für ein Graffiti-Projekt gehabt. Die Betreuerin hatte mit einem Bezugskind schon an einer ähnliche Aktion teilgenommen und dabei die Erfahrung gemacht, wieviel Spaß das Sprayen doch macht. „So kam mir die Idee, dass solch ein Projekt doch auch etwas für uns wäre“, meint die Betreuerin, die mit 23 Jahren das jüngste „SIO“-Teammitglied und daher auch vom Alter her recht nah an den Jugendliche aus der Wohngruppe dran ist.

Eine passende Fläche war schnell gefunden. „Und unser Vermieter hat nichts dagegen gehabt, als wir ihn fragten, ob wir die Garage bei uns auf dem Hof besprühen dürften“, freut sich Marei Schulz. Um die Finanzierung des Projekts hat sich Paula Grunewald gekümmert und eine Förderung über den Europäischen Sozialfonds für Deutschland bekommen.

Unterstützung vom Graffiti-Künstler

Unterstützung hat die „SIO“-Gruppe auch in Matthias Täger gefunden. Der Graffiti-Künstler aus Oebisfelde gibt in seiner Freizeit Workshops für Nachwuchs-Sprayer und hat ein Faible für soziale Projekte. Den Jugendlichen in Haldensleben hat er nun die Arbeit mit der Sprühdose, das Verwenden der unterschiedlichen Sprühköpfe und die Technik vermittelt. Herausgekommen ist ein kunterbunte Wand mit Blumen-Motiven. Auch ein „SIO“-Schriftzug ziert nun die Garage, die von der Wohngruppe als Fitnessraum genutzt wird.

Täger weiß, wie wichtig Farben bei der Entwicklung von Heranwachsenden ist. Da sich Farben auf die menschliche Psyche auswirken, werden sie in der Medizin auch zu Therapiezwecken genutzt. Die Jugendlichen der Wohngruppe haben jedenfalls ihrer Kreativität freien Lauf gelassen und in satten Farben ihre Gefühlswelt dargestellt. Dass es am Ende so bunt wurde, freut auch Paula Grunewald. Denn die Farbenwelt der Heranwachsenden besteht im Alltag doch meist aus Schwarz. „Ich wünschte, ich könnte etwas anderes sagen. Doch das Schwarz dominiert bei ihnen“, meint sie.