Haldensleben l 1800 Quadtratmeter groß ist das Grundstück am Pfändegraben, welches der Verein Khepera zukünftig gerne als Gemeinschaftsgarten nutzen möchte. Bei der Präsentation des Projektes zum Auftakt des Altstadtfestes am Donnerstagabend verkündete Vereinsmitglied Christian Feißel, für den Pachtvertrag sei mündlich alles abgeklärt worden, nur die Unterschrift fehle noch.

Daraufhin äußerten Anwohner und Stadtratsmitglieder Kritik an dem Vorhaben. In erster Linie bemängelten die Besucher der Veranstaltung, bisher nur unzulänglich informiert worden zu sein.

Kritik an der Stadtverwaltung

„Bisher gab es keine Informationsveranstaltung und jetzt erfahren wir, dass alles schon in Sack und Tüten ist“, beschwerte sich eine Anwohnerin der Gartenstraße. Ein anderer erzählte, er hätte sich umgehört und kaum jemand hätte von dem Projekt gewusst. „Wir fühlen uns von der Stadt sehr hintergangen, das ist eine Sauerei“, sagte er unter Beifall aus dem Publikum.

Auch der Stadtratsvorsitzende Guido Henke zeigte sich enttäuscht: „Die Stadt hat meiner Meinung nach grenzenlos versagt. Sie bezieht die Bürger nicht ein.“ Als Mitglied des Bauausschusses sei er bereits im Februar von dem geplanten Gemeinschaftsgarten informiert worden, danach sei das Projekt aber kein Thema mehr gewesen. „Es wäre besser gewesen, wenn das Bauamt die Anwohner und Stadträte auf dem Laufenden gehalten hätte“, sagte er.

Stadtrat Ralf Neuzerling bemängelte ebenfalls die fehlende Bürgerbeteiligung. „Die Stadt lässt die Bürger immer außen vor“, war er verärgert.

Parkplätze sind Mangelware

Ein weiterer Kritikpunkt der Anwohner waren die fehlenden Parkmöglichkeiten. „Es gibt nur drei bis vier Parkplätze. Mein Zaun ist jetzt schon eingefahren. Ich erwarte, dass die Stadt den Sachverhalt klärt“, forderte eine Bewohnerin der Gartenstraße. Ein anderer Anwohner ergänzte: „Morgens, wenn die Schule los geht, ist hier extrem viel los. Dann wird überall wild geparkt und die Stadt unternimmt nichts dagegen.“

„Eventuell können wir weitere Stellplätze auf dem Grundstück einrichten“, überlegte Vereinsmitglied Christian Feißel. Seine Schwester Karin Feißel führte aus, dass der Verein nicht geplant habe, mit vielen Autos anzureisen. Statt dessen sollen Fahrräder und öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden.

Weitere Bedenken der anwesenden Anwohner bezogen sich auf eine mögliche Lärmbelästigung und die Ansammlung von Müll auf dem Grundstück. „Wie soll der Müll entsorgt werden, wie soll die Müllabfuhr da ran kommen? Das Bauamt sollte sich den Bürgern stellen und erklären, wie es sich das vorstellt“, sagte ein Anwohner.

Klärendes Gespräch vorgeschlagen

Nach Aussage von Stadtsprecher Lutz Zimmermann könne der Stadt kein Versäumnis vorgeworfen werden. „Es handelt sich hier um ein normales Verfahren, welches im Bauausschuss vorgestellt und von diesem befürwortet wurde. Aus Sicht der Verwaltung ist das völlig ausreichend“, erläuterte er. Das Grundstück sei vor der Jahrtausendwende noch von der Grundschule Otto Boye als Schulgarten genutzt worden.

„Es ist natürlich für den Pächter sinnvoll, bei den Anwohnern für Akzeptanz zu sorgen. Eine formale Verpflichtung hierzu gibt es jedoch nicht.“ Holger Waldmann ergänzte: „Bei der Vorstellung des Projektes im Bauausschuss wurde durch Khepera signalisiert, dass man sich schon mit den Nachbarn abgestimmt habe und das auch weiterhin tun wolle.“

Bezüglich der befürchteten Lärm- und Müllbelästigung, sowie der Parkplatzsituation sah der Pressesprecher keinen Handlungsbedarf. „Alles, was hier ins Feld geführt wurde, ist reine Spekulation. Wenn gegen die Stadtordnung verstoßen wird, wird dagegen vorgegangen werden. Wer öffentliche Grünflächen zustellt, bekommt ein Knöllchen.“ Um die Wogen zu glätten, erklärte sich Bauamtsleiter Holger Waldmann bereit, in den nächsten 14 Tagen Anwohner und Verein zu einem klärenden Gespräch einzuladen.