Haldensleben l Die erste Zeitung ist dünn. Vier Seiten nur, die sind schnell durchgeblättert. Die Titelseite: Top aktuell ist der Aufmacher auf Seite eins nicht, eher ein Nachdenktext, wie schon die Überschrift verrät. Es geht um „Denkwürdigkeiten“ zur „Schlacht bei Hillersleben“, gekämpft im Jahr 1550, vom Herzog Georg von Mecklenburg gewonnen, von Magdeburger Bürgern verloren.

Ein Mal umgeblättert, die Seiten zwei und drei. Ein Text zur Kultur. Besprochen wird eine Aufführung in Magdeburg. Außerdem ist ein Mensch in einer Lehmkuhle bei Hötensleben verschüttet worden. Es war Marck Wort, hinterlässt eine Frau und vier Kinder. Letzte Seite: Eine „Bekanntmachung“. Der Sattlermeister August Naumann aus der Hagenstraße „empfiehlt sich“. Werbung also. Darunter gleich noch eine Anzeige, noch Mal August Naumann, der sich nun als „musikalischer Instrumentenhändler“ vorstellt. Er stehe für gute Instrumente und „die billigsten Preise.“ Zum Schluss: die aktuellen Getreidepreise. Der Weizen steht bei einem Reichstaler und 16 oder 17 Groschen. Ende.

Wie viele Haldensleber diese Zeitung kauften, mit welcher Auflage sie erschien, das ist nicht überliefert. Offenbar lohnte sich der Verkauf aber für den Herausgeber Carl August Eyraud. Der Magdeburger hatte sich erst kurz zuvor selbständig gemacht, nachdem er beim Haldensleber Kaufmann und Großgrundbesitzer Johann Gottlob Nathusius das Drucken erlernte. Sein Geschäft wuchs schnell. Bald schon richtete Eyraud zusätzlich eine Leihbibliothek für seine Druckerzeugnisse ein, später kam eine Buchhandlung dazu.

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Zeit des Aufbruchs

Es ist eine Zeit des Aufbruchs in Haldensleben. Napoleons Truppen sind schon längst geschlagen, der Krieg vorbei, die Einwohnerzahl wächst rasant, im Jahr 1820 liegt sie bei 3800. In der Stadt habe es zu jener Zeit eine kleine vernetzte Elite von Bildungsbürgern gegeben, sagt Judith Vater, die Leiterin des Haldensleber Museums. Vorgelesen hätten sich die Bürger aus den Zeitungen damals auch in Salons. Viele Menschen waren des Lesens nicht mächtig.

Das Wochenblatt bleibt viele Jahrzehnte ein wichtiges Medium der Stadt. Eyraud zieht mit seiner Firma mehrfach um, ab 1864 sitzt die Redaktion im Haus mit der Nummer 10 an der Magdeburger Straße, dem heutigen Pressehaus, in dem auch die Volksstimme ihre Redaktionsräume hat.

Im Kreisarchiv sind alle erschienenen Haldensleber Zeitungsausgaben gesammelt. Ab 1885 kommen neben dem Wochenblatt die Ausgaben des Stadt- und Landboten dazu, berichtet Archivleiterin Sandra Luthe, nach dem Zweiten Weltkrieg dann die Haldensleben-Ausgaben der Volksstimme. Die letzte Ausgabe des Wochenblatts ging laut Luthe im Jahr 1942 in den Druck.