Flechtingen l Wenn Revierförster Axel Rose - fast täglich - irgendwo durch seinen großen Verantwortungsbereich streift, blickt er sich sorgenvoll um. Im Erxleber Forst sieht es nicht besser aus als anderswo. Der Wald ist krank, der Klimawandel setzt ihm arg zu. Trockenheit, Hitze, Sturm, Pilzbefall und vor allem der Borkenkäfer machen dem Wald zu schaffen - und das nun schon seit mehreren Jahren. Praktisch überall finden sich geschädigte Bäume. Dabei ist der Wald die Quelle allen Lebens und sein Erhalt überlebenswichtig für Mensch und Tier.

„Rund drei Viertel der Fichtenbestände sind zerstört durch den Borkenkäfer“, sagt Axel Rose. Über 90 Jahre alte Bestände sind kaputtgegangen. Er zeigt auf eine etwas versteckt gelegene abgeholzte Fläche zwischen Erxleben und Hörsingen, die noch beräumt werden muss, um Platz zu schaffen zur Wiederaufforstung. Auch Kiefern wurden dabei geschädigt. Die Hauptbeschäftigung der Forstleute besteht darin, kranke und tote Bäume schnellstmöglich aus den Beständen zu nehmen, um eine weitere Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern. Doch das ist leichter gesagt als getan, weiß Flechtingens Betreuungsforstamtsleiter Thomas Roßbach.

Ein Wettlauf gegen die Zeit, den der Mensch nur verlieren kann. Der Lebensraum Wald produziert aufgrund seines mehrfach empfindlich gestörten Öko-Systems einfach zu viele Baustellen auf einmal. Axel Rose muss in seinem rund 2200 Hektar großen Revier - von Everingen fast bis Oschersleben reichend - alles im Blick behalten und vieles koordinieren. Auf 5000 Hektar zeichnet er auch noch für den Waldschutz verantwortlich. Nicht nur die kranken Bestände müssen herausgenommen werden, er muss auch dafür Sorge tragen, dass zeitnah eine Aufforstung erfolgen kann. Eine schwierige Aufgabe, denn rund 190 Waldbesitzer gilt es, dafür unter einen Hut zu bringen. Längst nicht alle Eigentümer sind greifbar, etliche wohnen weiter weg und besitzen trotzdem Waldflächen im Revier von Axel Rose.

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„Wir müssen unseren Wald wieder stabil und gesund kriegen“, sagt Thomas Roßbach. Dazu würden Forstfachleute überall und flächendeckend in allen Revieren benötigt, um die Waldbesitzer bei ihren vielfältigen Aufgaben im Wald zu unterstützen. Tägliche Kontrollen seien unablässig, um weiteren Schaden vom Wald abzuwenden. Eine Mammutaufgabe für vergleichsweise wenig Personal.

Bei Bregenstedt wird aufgeforstet

Ein paar Kilometer weiter: Axel Rose zeigt eine frische Aufforstungsfläche zwischen Bregenstedt und Bartensleben. 2,5 Hektar kranker Nadelwald wurden entnommen. Als Ersatz wurden jüngst Hainbuchen, Küstentannen, Traubeneichen, Winterlinden, Bergahorn und Vogelkirsche gepflanzt, das ganze als Schonung eingezäunt, um die Jungpflanzen vor Wildverbiss zu schützen. „Wir müssen auch die unterschiedlichen Böden und ihre Verhältnisse beachten“, sagt der Revierförster. Zum Glück sei das vergangene Jahr nicht ganz so trocken gewesen wie die beiden Jahre davor.

Manchmal sei viel Überzeugungsarbeit nötig, wenn es um die Wiederaufforstung geht. Man dürfe nicht vergessen, dass geschädigte Bäume praktisch keinen Ertrag abwerfen, in Neupflanzungen trotzdem investiert werden müsse - und das nicht zu knapp. Pro Hektar stecken rund 15000 Euro in der Erde, nennt Axel Rose eine Größenordnung. Vor allem die Zaunanlagen um die wiederaufgeforsteten Flächen kosten richtig viel Geld - und sind dar-über hinaus derzeit auch noch schwer zu bekommen.

An den Rändern sind weitere kranke Bäume zu erkennen, die jedoch bereits zu einem anderen Waldbesitzer gehören. Auch dort muss demnächst Hand angelegt werden, um die kranken Bestände zu fällen. Die Harvester, die gigantischen Waldbearbeitungsmaschinen zur Beräumung, sind im Dauereinsatz, Termine für deren Einsatz oft gar nicht zeitnah zu bekommen. Kein Wunder also, dass die Giganten oft bis spät in die Nacht im Einsatz sind.

Der Winter ist auch die Zeit für den Holzeinschlag und den Holzverkauf. Doch bis auf die Eiche ist die Marktlage derzeit recht schwierig, sagt Thomas Roßbach. Die großen Holzstöße, die überall an den Waldwegen zu finden sind, rühren meist von Baumfällungen wegen Schädigungen her. Riesige Mengen, die jedoch nichts abwerfen. „Wir können froh sein, dass wir ein Zellstoffwerk in unserer Nähe haben“, meint der Forstamtsleiter. Es gebe zwar nur ein paar Cent für dieses Holz, aber es würde wenigstens genutzt und verschwinden zeitnah aus dem Wald. Andernorts sehe es ganz anders aus. Die Holzauktion läuft wie schon in den Vorjahren ausschließlich auf schriftlichem Wege. Interessenten - zumeist handelt es sich dabei um Möbelproduzenten - können Kataloge anfordern, die angebotenen Bäume begutachten und daraufhin in den Bieterprozess einsteigen.