Umwelt

Warum umweltfreundliches Einkaufen in Haldensleben so schwierig ist

. In Haldensleben scheint es nahezu unmöglich, ökologisch einzukaufen. Zwei Haldensleber berichten, welche Wege sie gefunden haben.

Von Lena Bellon
Claudia Hoffmeister deckt sich auf dem Wochenmarkt mit regionalem und saisonalem Gemüse aus eigenem Anbau ein.
Claudia Hoffmeister deckt sich auf dem Wochenmarkt mit regionalem und saisonalem Gemüse aus eigenem Anbau ein. Foto: Lena Bellon

Haldensleben - Avocados in Pappkarton mit Folie verpackt oder Himbeeren in Plastikschalen sind kein seltener Anblick– immer mehr Lebensmittel werden unnötig mehrfach verpackt. Dabei kann jeder etwas zu einer verpackungsärmeren Welt beitragen, ist sich Claudia Hoffmeister sicher: „Ich glaube an die Kraft des Einzelnen. Es sind oft die kleinen Dinge, die, wenn man sie konsequent und über lange Zeit durchzieht, Veränderungen bringen können.“ Die Haldensleberin hat sich dem umweltbewussten Lebensstil verschrieben. So fährt sie beispielsweise Rad statt Auto und kauft nur regionale und saisonale Bio-Produkte – idealerweise ohne Verpackung. „In Magdeburg gibt es diverse Möglichkeiten, unverpackt einzukaufen, aber hier in Haldensleben würde ich mir leichtere Möglichkeiten wünschen“, sagt Hoffmeister.

Sie hat schon als Jugendliche von ihrer Mutter einen umweltbewussten Lebensstil abgeschaut und befasst sich seit vielen Jahren damit. Deswegen weiß sie genau, worauf man achten muss, um auch in Haldensleben ökologisch einzukaufen. „Auf dem Wochenmarkt frage ich immer, woher das Gemüse kommt und kaufe nur ein, was in Deutschland gerade Saison hat“, verrät sie. Damit könne man vermeiden, dass Lebensmittel für den eigenen Verzehr um die halbe Welt transportiert werden. Im Supermarkt finde man oft auch unverpacktes Bio-Gemüse und Obst statt nur in Folie geschweißte Äpfel. Außerdem könne man bei verpackten Lebensmitteln wie Reis oder Nudeln darauf achten, immer die größte Packung zu kaufen, denn damit spare man langfristig an Müll. Einige Lebensmittel wie zum Beispiel Haferflocken sind auch in Papierverpackungen erhältlich – das sei immerhin besser als Plastikverpackungen.

Immer mehr Verpackungsmüll

Im Jahr 2019 wurden bei den privaten Endverbrauchern in Deutschland pro Kopf 72 Kilogramm Verpackungsmüll eingesammelt. Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes stieg das gesamte Aufkommen an Verpackungsmüll, im Vergleich zum Vorjahr, pro Person um vier Kilogramm an. Pro Kopf werden in Deutschland jährlich 38 Kilogramm Plastikmüll angehäuft, die meisten EU-Nachbarländer liegen bei nur knapp 25 Kilogramm Plastikmüll pro Kopf – die Deutschen scheinen in Sachen Umweltbewusstsein also noch in den Kinderschuhen zu stecken.

Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, auch in Haldensleben umweltbewusster einzukaufen. Im Edeka-Center am Gänseanger sei Nachhaltigkeit seit vielen Jahren ein großes Thema, betont die Leiterin Heidemarie Maaß. Vor einem Jahr wurden die Plastiktüten an der Gemüsetheke verbannt, dafür hielten Papiertüten Einzug. Auch an der Kasse werden nur wiederverwendbare Einkaufstaschen angeboten. Maaß legt besonderen Wert auf die Zusammenarbeit mit regionalen Bauern: „Wir haben Kartoffeln, Fleisch, Eier, Blumen und Gemüse direkt aus der Region. Die Qualität ist einfach gut und die Wege sind kurz.“ In Haldensleben fehle für weitere nachhaltige Angebote jedoch das passende Publikum. „Das Umdenken hat in vielen Köpfen noch nicht stattgefunden“, bedauert Maaß. „Die Kunden sind einfach noch nicht so weit.“ Das erklärt auch, warum es in Haldensleben keine Geschäfte gibt, die unverpacktes Einkaufen leicht machen.

„An den Frischetheke konnten die Kunden ihre eigenen Gefäße mitbringen, an der Bäckertheke den eigenen Kaffeebecher“, erklärt die Leiterin des Edeka-Centers. In die eigenen Gefäße wird dann Wurst, Fisch oder Käse gelegt, die handelsübliche Verpackung  fällt damit weg. „Durch die Corona-Beschränkungen und die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen wurde das jedoch wieder verboten“, sagt die Leiterin. Durch die Krise sei das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit wieder verdrängt worden und die Menschen hätten andere Sorgen. Dabei gebe es ihrer Meinung nach noch viele Optionen, um das Einkaufen nachhaltiger zu gestalten. „Wir versuchen alles. Schließlich geht es um die eigene Gesundheit, wenn wir das Plastik, das im Meer landet, durch den Fisch beim Mittagessen wieder zu uns nehmen“, betont Maaß.

Ernährung hat sich drastisch verändert

In den vergangenen 50 Jahren habe sich die Ernährung der Menschen so schnell und drastisch verändert, wie nie zuvor – das hat Marcel Bornkampf beobachtet. Der Haldensleber weiß, wie wichtig es ist, seinen ökologischen Fußabdruck auf der Erde so gering wie möglich zu halten. Er baut eigenes Gemüse an, stellt viele Lebensmittel wie vegetarische Burger-Bratlinge oder Kräutertee selbst her und achtet in allen Lebensbereichen darauf, kein Plastik zu nutzen. „Wir Menschen müssen von dem Konsumgedanken wegkommen. Klamotten, Haushaltsartikel und verschiedene Geräte müssen nicht immer nagelneu sein“, erklärt Bornkampf. So könne man beispielsweise Geräte oder Kleidung auch im Bekanntenkreis austauschen – das ginge überall, egal welche Möglichkeiten der Ort bietet.

Bornkampf glaubt, dass es nicht hilft, andere Menschen belehren: „Für mich gibt es kein richtig oder falsch. Mir wäre wichtig, dass mehr Menschen Spaß dabei haben, auf die Umwelt zu achten und wieder bewusster mit Lebensmitteln oder dem Wasserverbrauch umzugehen.“ Auf die Ernährung und die Umwelt zu achten, sei ihm auch für seine persönliche Gesundheit wichtig: „Für die Autos kaufen die Menschen das teuerste Öl, aber zum Kochen und für den Salat kaufen alle das günstige Öl – unser Motor muss ja auch gut laufen.“

Auch wenn generell das Angebot an ökologischen Einkaufsmöglichkeiten in Haldensleben nicht besonders vielseitig ist, gibt es einige Hofläden, die regionale Produkte anbieten. Auf dem Wochenmarkt verkaufen mehrere regionale Händler ihre Waren, aber auch der Hofladen auf Gut Glüsig verkauft Bio-Lebensmittel. Das Unternehmen „Süplinger Bauernkäse“ bietet verschiedene Käsesorten aus der hofeigenen Milchproduktion. Diese können auch im Online-Shop bestellt werden. Wer eher einen süßen Zahn hat, der kann bei der Imkerei Trautvetter in Wedringen regionalen handgemachten Honig erhalten. Und auch, wenn das nur vereinzelte Möglichkeiten sind – regionale Produkte gibt es bei genauerem Hinschauen doch.