Lockerungen

Wegfall der Bundes-Notbremse: Haldensleber Gewerbetreibende und Sportler bereiten sich auf Öffnung vor

Durch die stabil niedrige Inzidenz unter 100 im Landkreis können in Haldensleben ab dem 20. Mai 2021 mehrere Bereiche öffnen oder sich über erleichtere Bedingungen freuen. Doch wie ist die Stimmung bei den Gewerbetreibenden in der Stadt?

Von Juliane Just und Lena Bellon
Freuen sich nach langer Zwangspause auf Gäste im Biergarten: Hotelfachfrau Daniela Nakoinz und Hotelbetreiber Roman Behrens vom Hotel Behrens in Haldensleben.
Freuen sich nach langer Zwangspause auf Gäste im Biergarten: Hotelfachfrau Daniela Nakoinz und Hotelbetreiber Roman Behrens vom Hotel Behrens in Haldensleben. Foto: Juliane Just

Haldensleben - Die Tische sind herausgeputzt, der Rasen getrimmt, polierte Gläser warten darauf, benutzt zu werden - im Garten des Hotel Behrens stehen die Zeichen auf Neuanfang. Der Außenbereich wird derzeit laut Hotelbetreiber Roman Behrens auf Vordermann gebracht. Doch einen Wermutstropfen gibt es: „Wir werden nicht zum 20. Mai öffnen, sondern erst am Dienstag nach Pfingsten.“ Traditionell habe der Hotelgarten an den Pfingsttagen nicht geöffnet, außerdem müssen noch letzte Materialien für eine geplante Grill-Ecke im Biergarten angeschafft werden. Der Hotelier schaut positiv in die Zukunft. „Die Gäste haben lange gewartet, nun wollen wir ihnen wieder unsere Dienste anbieten“, sagt er.

Verhaltener fällt die Freude im sieben Kilometer entfernten Schlossrestaurant Hundisburg aus. „Wir werden vorerst nicht öffnen. Es spricht zu viel dagegen“, sagt Nils Todtenhaupt als Betreiber. Die Wetterprognosen für Pfingsten seien schlecht. „Wenn eine Regenhusche kommt: Wo soll ich dann mit den Gästen auf offener Terrasse hin?“, fragt sich der Gastronom. „Ich habe Angst, dass wir am Montag dasitzen und traurig sind.“ Wenn er öffne, wolle er keine Miese machen - alles andere wäre nach dieser langen Zwangspause unzumutbar.

Tanzen unter freiem Himmel?

Und auch in Sachen Veranstaltungen sieht er nur wenig „Licht am Horizont“. Neben dem Schlossrestaurant ist er Inhaber zweier Eventfirmen und ist damit besonders hart von der Corona-Pandemie getroffen worden. Laut Verordnung sind ab dem 20. Mai wieder Freiluftveranstaltungen mit bis zu 100 Personen möglich. „Mit 100 Leuten brauche ich nicht anfangen“, ist sich Todtenhaupt sicher. Außerdem finde er es übertrieben, dass die Gäste selbst im Außenbereich durchgängig eine medizinische Maske tragen müssen. „Es sind immer nur kleine Bissen, die wir hingeworfen bekommen. So geht das seit November“, zeigt sich der Unternehmer unzufrieden.

Völlig aus dem Häuschen ist hingegen Steffen Schultz, einer von zwei Inhabern der Firma Arena Events. Er wusste bis zum Anruf der Volksstimme nichts von seinem Glück. „Ich werde für das Wochenende 22./23. Mai direkt eine Veranstaltung auf die Beine stellen“, sagt er prompt. „Das ist ein Mehraufwand für uns Veranstalter, aber um den Menschen das endlich wieder zu bieten, würde ich das in Kauf nehmen.“ Er hoffe, dass das Sommerwetter bald Fahrt aufnehme.

Mehr Kunden ohne Testpflicht

Während die Veranstalter noch tüfteln, klingeln beim Friseursalon Roßmüller bereits die Telefone heiß. „Das hat mit Sicherheit mit den Lockerungen zu tun. Ohne Testpflicht gehen die Kunden einfach lieber zum Friseur“, berichtet Elke Wilde, Inhaberin des Friseursalon. Zuvor hätten viele Kunden abgesagt, weil sie für ihren Friseurbesuch einen Negativtest benötigten. „Ständig hatten wir Lücken im Kalender. Für Pfingsten sieht er nach langer Zeit mal wieder voller aus“, sagt die Inhaberin freudig.

„Endlich geht es wieder los“, sagt auch die Inhaberin des Modegeschäfts „Das Kleine & Schöne für die Dame“, Dorothea Niemetz. Sie informiere ihre Kunden persönlich darüber, dass nun wieder Shopping ohne Corona-Test möglich ist. „Ich freue mich über jede Lockerung, aber der Anlauf ist sehr schwer. Die Kunden sind oft verunsichert, was erlaubt ist und was nicht“, weiß Niemetz. Die Inhaberin hofft, dass die Kunden im Sommer wieder den Stadtbummel entdecken und nicht mehr so viel online einkaufen: „Die Stadt muss wieder belebt werden.“

Auch Tatjana Neuzerling, Geschäftsführerin von Plaza Moda, wünscht sich wieder mehr Laufkundschaft. „Termine können weiterhin telefonisch oder vor Ort ausgemacht werden“, sagt sie. Auf Facebook informiere sie ihre Kunden immer über die neuesten Lockerungen und Regeln. „Dass es keine Tests mehr bedarf, macht den Kunden die Entscheidung leichter, doch mal durch die Einkaufsstraße zu gehen und hineinzukommen“, weiß die Geschäftsführerin. „Ich befürchte aber, dass sich viele auch schon in Magdeburg mit neuer Sommermode eingedeckt haben, da ist einkaufen ohne Test ja schon länger möglich.“

Startschuss für Sportarten im Freien

Und auch die Sportler rund um Haldensleben atmen auf: Ab dem 20. Mai ist Sport im Freien wieder mit bis zu 25 Personen möglich. „Wir würden uns total freuen und das Training sofort wieder starten“, sagt Tim Teßmann, stellvertretender Vereinsvorsitzender des HSV Haldensleben. Die Stadt Haldensleben gibt auf Volksstimme-Nachfrage bekannt, dass die stadteigenen Sportplätze für das Training entsprechend freigegeben werden. „Seit Oktober vergangenen Jahres ist das Training ausgefallen und wir mussten die Saison abbrechen. Nun haben die Teams einen Lichtblick“, sagt er. Für insgesamt 230 Sportler könnte es nun in Grüppchen wieder losgehen.

Gleichzeitig scharren 800 Sportler des Halsdensleber SC mit den Hufen, wie Danny Meyer als Vereinsvorsitzender weiß. „Wir hatten eine lange Durststrecke und es wird Zeit, dass die Kleinen und Großen wieder Sport machen können“, sagt er. Insgesamt zwölf Sportarten sind unter dem Dach des HSC versammelt. Doch nicht alle können von der Öffnung profitieren - Sportarten wie Rollkunstlauf oder Turnen lassen sich im Freien nicht umsetzen. „Doch wir hoffen auf eine weiter sinkende Inzidenz, damit bald alle Sportler wieder trainieren können“, so Danny Meyer. Für die Trainer seien die kleinen Grüppchen ein großer Aufwand, doch das sei es wert.