Tabuthema Tod

Welche Bestattungen in Haldensleben möglich sind

Unter einem Baum begraben, die Asche ins Meer streuen oder eine klassische Erdbestattung? Die Möglichkeiten nehmen zu und das traditionelle Bild des Friedhofs muss langsam einem vielfältigeren weichen. Viele Arten der Bestattung sind in Haldensleben bereits möglich, aber noch nicht alle.

Von Lena Bellon
Auf dem Haldensleber Friedhof sind bestimmte Bestattungsmöglichkeiten noch nicht gegeben.
Auf dem Haldensleber Friedhof sind bestimmte Bestattungsmöglichkeiten noch nicht gegeben. Foto: Lena Bellon

Haldensleben - Das Bild des Haldensleber Friedhofs hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt: Wo früher hauptsächlich Sarggräber zu sehen waren, häufen sich die Urnengräber. Dazu kommen viele Bestattungen, dessen Grab nicht sichtbar ist: Bei einer teilanonymen Bestattung findet eine ganz normale Beisetzung statt, die Urne oder der Sarg werden aber ohne Kennzeichnung auf einer Wiese begraben. Bei einer anonymen Bestattung findet hingegen keine Beisetzung mit Angehörigen statt. Anonyme See-Bestattungen an der Nord- oder Ostsee sind für Haldensleber sogar auch möglich. Die Nachfrage nach Baumbestattungen oder einem heimischen Friedwald wächst, ist bisher aber in Haldensleben nicht erlaubt. Woher kommt der Wandel und die wachsende Vielfalt der Bestattungsmöglichkeiten?

„Die meisten Menschen wollen zwar eine Beisetzung, aber nicht die Pflege des Grabs übernehmen“, erzählt Norman Stadler, Bestatter und Inhaber des Bestattungsinstituts Stadler. „Die jüngere Generation braucht nicht mehr den Platz auf dem Friedhof, um zu trauern. Dazu ist die Grabpflege zu aufwendig und die Kosten für ein Grab sind hoch“, begründet er den Trend zu teilanonymen Bestattungen. Deutlich werde aber vor allem die Entwicklung hin zur Feuerbestattung: „Ich verzeichne jedes Jahr rund 300 Bestattungen, davon sind 96 Prozent Feuerbestattungen.“

In Deutschland ist nicht jede Bestattung erlaubt

Aber nicht nur bei den Bestattungen selbst beobachten Norman Stadler und seine Ehefrau Stefanie Fischer einen Wandel. „Von dieser monotonen Rede über den Lebenslauf des Verstorbenen kommen viele freie Redner ab und die Ansprachen werden individueller“, erzählt Stefanie Fischer. Manche Ideen und Wünsche, die von Angehörigen geäußert werden, seien aber in Deutschland schlichtweg nicht erlaubt. „Wenn für das Vorhaben etwas von der Asche entnommen werden soll, dann ist es verboten“, erklärt der Bestatter. „Wir können deswegen zum Beispiel nicht anbieten einen Diamanten aus der Asche pressen zu lassen. Als Alternative bieten wir an, Fingerabdrücke zu nehmen und diese dann auf ein Schmuckstück zu prägen, das ist erlaubt.“

Ein häufig angefragter Bestattungswunsch sei auch in Haldensleben die Wald- oder Baumbestattung. „Es gibt hier im Umkreis einige Friedwälder, aber viele Menschen wollen in der Heimat beerdigt werden oder die Angehörigen wollen nicht immer einen weiten Weg auf sich nehmen“, erklärt Stadler. „Wir würden uns deshalb wünschen, dass es auf unserem Friedhof Baumbestattungen geben darf. Es gibt den Platz dafür und die Nachfrage danach ist groß.“ Platz sei vor allem da, weil Erdbestattungen immer seltener gewünscht werden. Urnengräber sind klein und bei anonymen Bestattungen fallen Gräber weg – dadurch entsteht Platz auf dem Friedhof, der für Baumbestattungen genutzt werden kann. Der geringere Kosten- und Pflegeaufwand seien Argumente, die den Trend zur Baumbestattung erklären.

„Der Tod ist noch ein Tabuthema“

Stefanie Stirnweiß von der Abteilung Stadtmarketing und Kommunikation der Stadt Haldensleben weiß aber, dass die Haldensleber darauf noch warten müssen: „In nächster Zeit sind keine Möglichkeiten für eine Baumbestattungen in Haldensleben vorgesehen.“ Die Friedhofssatzung und die Friedhofsgebührensatzung müsse für eine Baumbestattung geändert werden. Die Kostenkalkulation sei dabei ebenfalls ein Aspekt, warum noch keine konkrete Idee entwickelt wurde. „Es besteht eine Kommunikation mit Kommunen, die bereits Friedwälder oder Baumbestattungen anbieten“, erklärt Stirnweiß. Aber auch wenn es konkrete Ideen gibt, entscheide der Stadtrat letztlich über die Umsetzung.

Der Tod sei noch immer ein Tabu und häufig kein Gesprächsthema in der Familie. Deshalb erlebt der Bestatter häufig Uneinigkeiten über die Art der Bestattung, aber auch über Details der Beerdigung. „Meine Idealvorstellung wäre, dass jeder Mensch eine Vorsorge trifft und damit sowohl den Ablauf der Bestattung als auch die finanziellen Angelegenheiten absichert“, sagt der Norman Stadler. Zu der Trauer über die verstorbene Person komme in 50 Prozent der Fälle die Überforderung der Angehörigen mit Fragen zu der Bestattung, weil nie über die Wünsche gesprochen wurde.

„Wir wollen den Tod als Gesprächsthema enttabuisieren. Kinder beispielsweise werden von Beerdigungen und den Entscheidungen dafür oft ferngehalten“, berichtet Fischer. „Dabei gehen Kinder oft gut mit dem Tod um und sind gar nicht so traurig, wie wir Erwachsenen denken.“ Mit Kinderbüchern und einem Maskottchen will das Ehepaar den Kindern unbekümmert das Thema Tod nahebringen und alltäglich machen. „Kinder sind fast nie dabei, wenn die Kunden zu uns kommen, um über die Beerdigung zu sprechen. Ich denke aber, dass Erwachsene im Umgang mit dem Tod etwas von Kindern lernen können“, erklärt Fischer.