Haldensleben l Der Haldensleber Franziskus Wilkening hat nicht nur beim Kreisentscheid, sondern auch beim Landesentscheid Sachsen-Anhalts des Vorlesewettbewerbs gesiegt. Der Vorlesewettbewerb ist einer der größten bundesweiten Schülerwettbewerbe. Er soll bei Sechstklässlern die Lust am Lesen wecken. Bei Franziskus Wilkening war das gar nicht nötig.

Lesewettstreit der Sechstklässler

Denn der 12-Jährige ist ein richtiger Bücherwurm, Lesen ist ein fester Bestandteil seines Lebens: „Ich lese jeden Abend, mindestens ein Kapitel, aber öfter mal doch mehr.“ Woher diese Leidenschaft käme? „In unserer Familie ist es Tradition, abends vorzulesen, und zwar so früh wie möglich. Als Franziskus in die Grundschule kam, wollte er dann selbst lesen. Seitdem liest er für sein Leben gern“, erzählt seine Mutter Christine Wilkening schmunzelnd.

Beim Lesen kann Franziskus seiner Fantasie freien Lauf lassen: „Ich liebe es, richtig in die Geschichte einzutauchen. So sehr, dass ich nach viel Lesen erst mal Zeit brauche, bis ich wieder in der echten Welt bin.“ Von Fantasy über Krimi-Geschichten liest er alles querbeet. Aktuell hat es dem Jungen die Percy Jackson-Reihe um einen Halbgott und den Sohn Poseidons angetan.

Doch auch ernste Geschichten mag er: „Eines meiner Lieblingsbücher ist über ein jüdisches Kind namens Anton, das nach einem Autounfall behindert ist und von anderen Kindern gemobbt wird. Es ist eine wahre Geschichte und spielt in der Nazizeit.“ Auch wenn es brutal gewesen sei, findet Franziskus es gut, auch solche Bücher zu kennen. „Mein Schrank ist voller Lieblingsbücher. Ich habe zwei Bücherregale, teilweise mit drei Reihen.“

Familie ist lesebegeistert

Im Gespräch drückt sich Franziskus sehr bedacht aus, er weiß, wie er mit Worten umgehen kann und könnte stundenlang über Bücher sinnieren. Doch er hat noch andere Hobbys: So nimmt er Gesangsunterricht, spielt Klavier und Tennis oder fährt mit seiner Familie gern Fahrrad.

Franziskus legte eine steile Vorlese-Karriere hin: Vom Klassenentscheid las er sich erfolgreich bis zum Landesentscheid. Mit dem Sieg im Landesentscheid habe Franziskus gar nicht gerechnet: „Ich war einfach total baff.“ Denn die Konkurrenz war groß. Mutter Christine Wilkening ist sehr stolz auf ihren Sohn: „Franziskus hat beim Landesentscheid wirklich gut gelesen.“ Das habe er sicherlich Herta Springborn von der Stadt- und Kreisbibliothek Haldensleben zu verdanken. Sie habe sich mit ihm zusammengesetzt und ihm wichtige Tipps gegeben.

Finale am 20. Juni in Berlin

Nun dürfen Franziskus und die Sieger der anderen Bundesländer am 20. Juni zum Bundesfinale nach Berlin fahren. Dort wird der beste Vorleser Deutschlands gekürt. Anders als bei den vorherigen Entscheiden, suchen sich die Teilnehmer ihr Vorlesebuch erst am Vortag des Entscheides unter circa 30 Neuerscheinungen aus. Neben intensivem Üben lernen sich alle kennen und unternehmen gemeinsame Aktivitäten wie eine Stadtrallye. Die Klasse von Franziskus darf den Haldensleber sogar nach Berlin begleiten, unterstützend als Fanclub. Der Schüler lernt am internationalen Gymnasium Pierre Trudeau.

Für alle Teilnehmer des Vorlese-Bundesausscheides gibt es Urkunden und Bücher als Preise. Der Bundessieger erhält eine Medaille, einen Bücher-Scheck von über 50 Euro und wird zum nächsten Finale in die Jury eingeladen. Der Bundessieger gewinnt für die eigene Schule einen Wanderpokal, den Besuch eines Autors und ein umfangreiches Buchpaket für die Schulbibliothek.

Der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels findet bereits zum 59. Mal statt. Er wird jährlich vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Zusammenarbeit mit Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen und anderen kulturellen Einrichtungen veranstaltet. 567 000 Sechstklässler aus 6904 Schulen haben sich am Wettbewerb 2017/18 bundesweit beteiligt.