Klimaschutz

Wie Haldensleben seinen Beitrag zum Pariser Abkommen leisten will

Als Kommune möchte auch die Stadt Haldensleben helfen, die Klimaschutzziele der Bundesrepublik zu erfüllen. Ein entsprechendes Konzept hat der Stadtrat bereits beschlossen und kürzlich ergänzt. Für die Umsetzung der darin festgeschriebenen Projekte braucht es nun einen Klimaschutzmanager.

Von Jens Kusian
Sonnenaufgang am Mittellandkanal: Damit solche Momente auch in der Zukunft nicht der Vergangenheit angehören, engagiert sich Haldensleben stark für den Klimaschutz.
Sonnenaufgang am Mittellandkanal: Damit solche Momente auch in der Zukunft nicht der Vergangenheit angehören, engagiert sich Haldensleben stark für den Klimaschutz. Foto: Heiko Klingbeil

Haldensleben - Die Klimaschutzziele hat die Bundesregierung klar vorgegeben: Angestrebt wird die Senkung der Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um mindestens 55 Prozent, bis zum Jahr 2050 sogar um bis zu 95 Prozent gegenüber dem Jahr 1990. Um das zu erreichen, ist auch die Unterstützung von Seiten der Kommunen her gefragt. Haldensleben ist dabei keine Ausnahme - ganz im Gegenteil: ein im Stadtentwicklungskonzept integriertes Klimaschutzkonzept ist bereits im Juni 2019 beschlossen worden.

Das hat der Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung noch einmal ergänzt und so die Voraussetzung geschaffen, auch Fördermittel für die Umsetzung des Klimaschutzkonzepts in Anspruch nehmen zu können. Damit hat der Stadtrat auch den Weg für einen Klimaschutzmanager geebnet, der die im Konzept verankerten Projekte umsetzen soll.

Klimaschutzmanager gesucht

Die dafür notwendige Stelle in der Verwaltung ist nun ausgeschrieben worden. Besetzt werden soll sie nach Möglichkeit und nach Bewilligung der Fördermittel zum Jahresende 2021. Ob dies gelingen wird, ist noch nicht absehbar - aktuell sind bundesweit rund 300 Kommunen und Unternehmen auf der Suche nach einem Klimaschutzmanager.

Die Stelle ist zunächst auf den Förderzeitraum von drei Jahren befristet. „Das heißt aber nicht, dass das Thema danach für uns erledigt ist. Der Klimaschutz wird uns auch in den nächsten Jahrzehnten noch beschäftigen“, ist Stadtbauamtsleiter Holger Waldmann überzeugt. Denn die 25 Punkte, die das städtische Klimaschutzkonzept beinhaltet, seien nur ein erster Schritt und in nur drei Jahren wohl auch nicht zu realisieren sein. „Das kann nur ein Anfang sein und wird sich weiterentwickeln“, sagt er.

Energetische Standards für Neubauten

Die Projekte, die der Klimaschutzmanager in Haldensleben umsetzen soll, sind vielfältig. Auch wenn die Vorhaben von der Verwaltung auf den Weg gebracht werden, so haben sie doch auch Auswirkungen auf die Haldensleber selbst. Zum Beispiel beim Hausbau. Hier sieht das Klimaschutzkonzept vor, in Bebauungsplänen künftig energetische Standards für Neubauten festzuschreiben. Das könnte bedeuten, dass auf Bauland, das der Stadt gehört, künftig nur noch Effizienz- oder Passivhäuser gebaut werden dürfen. Der Klimaschutzmanager soll hier als Bindeglied zwischen Kommune und Bürger fungieren und beraten.

Als „Leuchtturmprojekt“ ist die Mustersanierung eines Ein- oder Mehrfamilienhauses geplant. Damit soll öffentlichkeitswirksam dargestellt werden, welches Potenzial die Sanierung von Wohngebäuden für den Klimaschutz bietet. Ob für diese Sanierung ein Wohnhaus im städtischen oder gar im privaten Eigentum genutzt werden soll, wird während der Projektvorbereitung entschieden. Zudem ist eine Sanierungsoffensive für öffentliche Gebäude vorgesehen.

Photovoltaik rückt in den Mittelpunkt

Auch vorhandene und zukünftige Gewerbeansiedlungen sollen beim Klimaschutz mit eingebunden werden. So sieht das Konzept vor, industrielle Abwärme besser zu nutzen und sie möglicherweise ins bestehende Nahwärmenetz einzuspeisen. Diese Möglichkeit auszuloten und auch umzusetzen ist ebenfalls ein Punkt im Klimaschutzkonzept.

Einen großen Stellenwert wird die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien einnehmen, wobei besonders die Solarenergie in den Fokus rückt. Zum Einen ist vorgesehen, ein Solarkataster zu erstellen, das Auskunft darüber geben soll, welche Flächen im Stadtgebiet und in den Ortsteilen besonders für den Einsatz von Photovoltaikanlagen - sowohl privat als auch gewerblich - geeignet sind. Zum Anderen sieht das Klimaschutzkonzept eine Photovoltaik-Offensive vor, um das Solarenergiepotenzial auf den Dächern kommunaler Gebäude auszuschöpfen. Sie soll gleichzeitig eine Vorbildfunktion für Privatleute und Unternehmen einnehmen.

Neben den Vorhaben, die vom Klimaschutzmanager in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen, verfolgt die Stadt - zum Teil bereits seit geraumer Zeit - erste Maßnahmen in Sachen Klimaschutz. Dazu zählen die flächendeckende Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik, die Entwicklung und Umsetzung eines Radverkehrskonzepts für Haldensleben sowie die Beschränkung versiegelter Flächen im Stadtgebiet.