Haldensleben l Auf dem Gelände des Betriebshofs des Eigenbetriebs Straßenbau und -unterhaltung bietet sich in die Lagerhalle mit dem Streusalz aktuell ein sehr beeindruckender Anblick: Die ganze Halle ist voll mit insgesamt 1000 Tonnen Streusalz. Die gleiche Menge befindet sich noch in Reservelagern. Das beeindruckt auch Landrat Martin Stichnoth, der sich kürzlich vor Ort ein Bild davon gemacht hat. Das Streusalz ist also da, aber wie laufen die Winterdienste ab? Die Mitarbeiter des Betriebshofs erzählen.

Für den Winterdienst seien ungefähr 20 Leute mit 12 Fahrzeugen auf 600 Kilometern Kreisstraßen im Einsatz, erklärt Betriebsleiterin Karin Neuendorf. Unterstützung bekämen die Mitarbeiter des Betriebshofs im Süden des Landkreises noch von drei Fremdfirmen, die auf weiteren 200 Kilometern im Winter für sichere Straßen sorgen. „Zurzeit werden bereits Kontrollfahrten und auch schon Winterdiensteinsätze gefahren“, berichtet Neuendorf.

Vor den Multicars kommt man sich als Mensch wie ein Zwerg vor. Um die riesigen Fahrzeuge mit einer Überbreite von zwei Metern führen zu können sei ein Lkw-Führerschein notwendig. Für die Multicar-Fahrzeuge gibt es zwei verschiedene Bedienpulte: Eins für Mäharbeiten und eins für den Winterdienst. „Wie teuer ist so ein Fahrzeug?“, fragte Martin Stichnoth beim Vor-Ort-Termin. Bei den Multicars mit allem Zubehör für Mäharbeiten und für den Winterdienst könne man mit 400.000 Euro rechnen, erklärte Norman Illgas der Techniker des Betriebshofs. Der Bordcomputer messe eigenständig das notwendige Streusalz ab und vermische dieses mit der Sole. „Die Sole ist wichtig, damit das Streusalz auch liegen bleibt“, erörtert Illgas. Herausfordernd sei es für die Fahrer, da sie neben dem Lenkrad auch noch den Pflug und die Streuung steuern müssen.

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Arbeitsbeginn ist um 3 Uhr

Los geht es für das Winterdienst-Team unter der Woche um 3 Uhr morgens. Am Wochenende und an Feiertagen fahren sie erst eine Stunde später los, erklärte Frank Holzauer, der zuständige Straßenmeister des Landkreises. „Bis vor ein paar Jahren habe ich noch selbst Touren gefahren“, erzählte er. Im Notfall würde er das auch jetzt noch machen. „Aber unbedingt brauch ich das jetzt nicht mehr“, sagte er.

Extreme Wetterbedinungen sind seien schon auf dem Arbeitsweg zum Betriebshof die größte Herausforderung: „Mir ist es schon mal passiert, dass es viel Schnee hatte und ich deswegen einen kleinen Unfall hatte“, berichtete Norman Illgas. Das könne immer passieren. Die Autofahrer seien bei Wintereinbrüchen oft unvernünftig und werden sogar aggressiv, ergänzte Frank Holzauer. Es gebe immer wieder Unverständnis für die Mitarbeiter des Winterdiensts. Holzauer meinte: „Autofahrer wollen immer schwarze Straßen. Wir können aber nicht überall gleichzeitig sein.“

Die Arbeitsweise im Winter sei immer vom Wetter abhängig, wie Frank Holzauer erklärte: „Bei Frost streuen wir nur.“ Wenn es dann wirklich einmal viel Schnee gibt, ist der Pflug für die Fahrzeuge innerhalb von ungefähr 20 Minuten angebracht. In richtig extremen Wintern mit viel Schnee komme dann auch eine Schneeschleuder, die den Schnee dann auf freie Flächen neben der Straße schleudere, zum Einsatz.

Ein weiteres Problem gebe es manchmal mit Anwohnern an Kreisstraßen. „Mal beschweren sie sich, dass wir zu wenig streuen und mal zu viel. Solche Klagen kommen teilweise sogar aus denselben Straßen“, berichtete Holzauer. Hinzu käme noch das falsche Räumen der Fußgängerwege. Viele würden den Schnee einfach auf die Straße schippen. Richtig sei es, den Schnee an der Kante des Fußwegs zu häufen, erklärt Holzauer. Immerhin funktioniere das jedoch bei gefühlten 98 Prozent der Anwohner gut, so der Straßenmeister.