Zobbenitz l Hirten vertrauen Hunden ihre Herden seit Tausenden von Jahren an. Vier Kaukasische Hütehunde beschützen die 500 Schafe der Rasse Suffolk (Fleischschaf), die in der Nähe von Zobbenitz grasen. Herdenschutzhunde gelten als besonders furchtlos, zuverlässig und ausdauernd – egal, aus welcher Bergregion die Rasse ursprünglich stammt.

„Wir hoffen natürlich, dass die Hunde die Wölfe von unserer Herde fern halten. Seit 2016 haben wir die Schutzhunde. Bisher hat es funktioniert. Aber so richtig Ruhe haben wir nie – trotz der Hunde“, sagt Kruse. „Bevor wir die Hunde hatten, gab es bei uns 32 Wolfsrisse“, sagt sein Sohn und ergänzt: „Wenn die Wölfe sich weiter ausbreiten können, dann haben wir schlechte Karten.“

Die Anschaffung der Hunde sei teuer. Noch mehr Schutzhunde könne sich die Schäferfamilie nicht leisten. „Das Land Sachsen-Anhalt will ja die Unterhaltungskosten. Aber da müssen wir mal gucken, ob das wirklich so kommt“, blickt Vater Kruse skeptisch in die Zukunft. Die neun Herdenschutzhunde wollen ordentlich fressen – das kostet! Futtergeld aber gibt es bislang nicht. Im Unterhalt würde jeder Hund aber mehr als 1000 Euro im Jahr kosten. „Für den Herbst 2020 ist zumindest schon einmal angekündigt, dass es Futtergeld geben soll.“

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Das Land würde die Anschaffungskosten tragen. „Wir hatten unsere Hunde zu dieser Zeit schon“, erklärt Christian Kruse. Außerdem könne so ein Schutzhund nicht einfach irgendwo eingekauft werden. Die Welpen wachsen meist schon in der Schafsherde auf. Und selbst wenn ein Schäfer einen dieser Hunde kaufen möchte, sie würden keinen ihrer Hunde abgeben. „Die Hunde sind 24 Stunden am Tag bei den Schafen und müssen allein Entscheidungen treffen“, schildert Torsten Kruse.

Schon vor Jahrhunderten schützten sie als Hirtenhunde ihre Herden vor Bären und Wölfen. Auf der Koppel machen die Wachhunde einen entspannten Eindruck. Shango lässt sich vor den Schafen nieder, beobachtet hellwach das Treiben. Shango ist der Leithund. Seine Herde, seine Hirten, deren Familie und Besitz sind ihm heilig. Ihnen ist er treu und liebevoll ergeben. Gegenüber allen Fremden sind er und seine Artgenossen misstrauisch und zögern nicht, bei irgendeinem Zeichen, das sie als feindlich interpretieren, zuzuschlagen.

„Die Leute sollen die Hunde gar nicht ansprechen, sondern einfach ignorieren, dann passiert auch nichts“, weiß Christian Kruse.

Plötzlich taucht ein Spaziergänger mit Hund auf. Das heißt für die vierbeinigen Wächter Alarm. Dabei hat jeder Hund seine Aufgabe. Trotz der scheinenden Bedrohung von einer Straßenseite aus, schauen sie zeitlich und gut organisiert auch an allen anderen Seiten der Weide nach dem Rechten. Unruhig werden sie vor allem beim Kontakt mit Radfahrern. „In erster Linie sollen die Hunde die Wölfe verbellen, damit die sich zurückziehen. Die Herdenschutzhunde sind kompromisslos, wenn es darum geht, ihre Herde zu verteidigen“,sagt Torsten Kruse. Schließlich sollen sie im Ernstfall selbst vor einem Rudel Wölfe beschützen können. Und so ein Hund unterscheide nicht zwischen Wolf, Haustier oder Spaziergänger. „Wer in die Nähe einer Schafherde kommt, sollte möglichst viel Abstand halten und seinen eigenen Hund unbedingt anleinen“ , betont Christian Kruse.

„Wir ziehen im Winter von Weide zu Weide. Jetzt geht es in Richtung Uthmöden. Zuhause werden sie geschoren und dann kriegen sie ihre Lämmer“, erklärt Christian Kruse. Schon öfter haben die Schäfer Kratzspuren der Wölfe am Zaun entdeckt.

Schwer verletzt und blutüberströmt fanden die Schäfer im Mai 2019 einen ihrer Hunde am Elbdeich Höhe Neuer Wiehl vor. Zunächst hatte Schäfer Kruse einen Wildschweinangriff vermutet. Aber als der Tierarzt die Stelle am Hals frei schor, stand fest, dass es ein Wolf war. Das bestätigte auch das Wolfskompetenzzentrum in Iden. „Die Polderflächen sind nur 20 Meter breit. Die Wölfe und die Hunde haben die Schafe so in Wallung gebracht, dass sie sich gegenseitig rausgedrückt haben. Die Wölfe haben diese Schafe natürlich getötet“, berichtet Vater Kruse.

Die beiden Schäfer fordern, dass alle Schäden, die durch den Wolf angerichtet werden, beglichen werden. „Wenn das Land den Wolf hier duldet und sich ausbreiten lässt, muss es auch alles Vorhandene schützen. Und der Einsatz der Hunde muss finanziert werden“, betonen die Schäfer, die nun weiter hoffen, dass alle ihre Schäfchen nach hause bringen können und die Hunde unverletzt bleiben.