Havelberg l Im Pflegeheim des Havelberger Wohnparks „Am Camps“ blickte Anneliese Zabel am Mittwoch auf 90 Lebensjahre zurück. Neben der Familie gehörten die Leiterin der Einrichtung, die Pflegedienstleiterin, das Pflegepersonal, Bewohner und auch Havelbergs Bürgermeister Bernd Poloski zu den Gratulanten.

Im Nitzower „Dorfkrug“ gab es dann von den Mitgliedern des Chores des Havelberger Heimatvereins, dem Anneliese Zabel seit 2000 angehört, einen musikalischen Blumenstrauß, den sich das Geburtstagskind im Vorfeld selbst zusammenstellen durfte. In der Gaststätte hatten sich auch ehemalige Kollegen, Freunde und Bekannte zum Gratulieren eingefunden. „Ich hoffe, Sie bleiben unserem Chor noch lange treu“, wünschte sich der Vorsitzende des Heimatvereins, Hans-Jürgen Nisch.

Anneliese Zabel erblickte in Wulkau das Licht der Welt und besuchte dort sechs Jahre lang die Schule, in der sie von ihrem Vater unterrichtet wurde. „Meine Mutter ist leider sehr früh verstorben und so stand mein Vater allein mit uns drei Kindern da“, erinnert sie sich an eine nicht so schöne Zeit. In der Pestalozzi-Oberschule machte Anneliese Zabel ihr Abitur und bekam einen Studienplatz in Frankfurt/Oder. „Aber die Russen waren schneller da und wir mussten wieder abziehen.“ Um ihre Geschwister mit zu ernähren, nahm Anneliese Zabel zunächst eine Tätigkeit bei einem Bauern auf und erst später begann sie in Genthin eine Ausbildung zur Lehrerin. 1947 läuteten die Hochzeitsglocken, mit ihrem Mann lebte sie in Vehlgast. 1952 begann Anneliese Zabel mit vielen anderen Havelberger Lehrern ein Fernstudium. „Zu dieser Zeit habe ich aber schon nach einer bestandenen Prüfung in Vehlgast unterrichtet“, erzählt das Geburtstagskind. Als sie 1960 ihr Haus in Toppel zurückbekamen, zogen Zabels dort hin und Anneliese Zabel begann als Lehrerin an der Zentral-Schule Havelberg, wo Ehemann Conrad als Mathelehrer tätig war, zu unterrichten. Aus ihrer Ehe gingen zwei Kinder hervor, an einer bösen Krankheit verstarb im Jahr 1988 ihre Tochter. Ihr Sohn Hans-Ulrich ist als Professor an der Universität Halle beschäftigt und schaut regelmäßig bei seiner Mutter vorbei.

Anneliese Zabel freute sich an ihrem 90. Geburtstag besonders darüber, dass die ganze Familie – zwei Enkel und drei Urenkelkinder gehören mit dazu – zusammen war. Bis zum Eintritt in das Rentenalter und sogar noch einige Monate länger war sie mit Leib und Seele Lehrerin und ebnete so vielen Schülern einen glücklichen Weg in die Zukunft.