Klietz l Immer wieder bücken sich Navid Mesai und Kamal Larman Charkse nach Kronkorken, Zigarettenstummeln und Papier, als sie nahe dem Festplatz am Sonnabendvormittag in Klietz sauber machen. Auch Chalet Natjareli und Resa Mesai ziehen mit den blauen Plastiktüten durch den Ort. Alle vier kommen aus Afghanistan und leben im „Camp Klietz“, wie sie die Landesaufnahmeeinrichtung nennen. Für sie war es keine Frage, sich an dem Arbeitseinsatz zum Frühjahrsputz zu beteiligen. So wie für insgesamt rund 50 Männer aus dem Camp, die dem Aufruf des DRK gefolgt sind.

„Wir haben Aushänge gemacht und sind sehr erfreut über diese Beteiligung“, sagt Enrico Schmitt vom DRK. Eine Bürgersprechstunde war der Auslöser für diesen Frühjahrsputz. Einwohner hatten beklagt, dass die Flüchtlinge auf ihrem Weg von der Bundeswehrkaserne, in der die Landesaufnahmeeinrichtung untergebracht ist, bis ins Dorf viel Schmutz hinterlassen würden. Mit ihrem Einsatz wollen die Flüchtlinge zeigen, dass sie an einem guten Miteinander mit der Bevölkerung interessiert sind. „Es sind erstaunlich viele Leute die mitmachen“, freut sich der Leiter des DRK-Einsatzes in Klietz. Auch Mitarbeiter des Roten Kreuzes, die im Camp beschäftigt sind, waren mit dabei. In ihrer Freizeit, wohlgemerkt. In drei Gruppen hatten sie sich alle aufgemacht, um den Schmutz zu beseitigen. Einige Flüchtlinge stießen später noch hinzu.

Etliche Säcke mit Müll kamen zusammen. Milchflaschen, Pfandflaschen, Autoabdeckung, Deckel vom Katzenklo, Blumentöpfe aus Plastik gehörten zu den „Fundsachen“ – garantiert stammt nicht alles von den Flüchtlingen. Doch das spielte keine Rolle, es wurde alles aufgesammelt. Vor dem Einkaufsmarkt wurden sogar die Steinbeete von Dreck befreit und die Gosse gefegt. „Das hat viel Spaß gemacht“, findet Mitarbeiterin Grit Woywod. Das bestätigt auch Marina Wienecke aus Havelberg, die nach der Buga nun in Klietz viel Freude an ihrer neuen Arbeit hat.

Bilder

Woll- und Stoffspenden willkommen

Knapp 60 Mitarbeiter kümmern sich vom DRK aus um die zurzeit 530 Flüchtlinge. Fast die Hälfte ist über den Bundesfreiwilligendienst beschäftigt, davon fünf aus dem Kreis der Flüchtlinge, berichtet Enrico Schmitt. Die Arbeit läuft gut. Er berichtet vom Osterfest, als für 120 Kinder Osternester versteckt wurden. Die wurden im Rahmen der Kinderbetreuung vorher gebastelt. Malen, Spielen, Basteln sind beliebte Beschäftigungen. Zum Ballspielen geht‘s jetzt raus aus der Einrichtung. Denn dort ist dass Ballspielen seit einiger Zeit verboten. Zu oft waren Bälle über den Zaun in den Gärten der Anwohner gelandet.

Zweimal pro Woche bietet das DRK für die Erwachsenen ein Nähprojekt an. Das wird nicht nur von Frauen gern angenommen. Es wird genäht und gestrickt. So entstanden zum Beispiel Taschen. Aber es werden auch mal Hosen umgenäht. Bürger hatten vier Nähmaschinen, Stoffe und Wolle gespendet. „Wir sind weiterhin dankbar über solche Hilfe“, so Enrico Schmitt.

Arbeitseinsätze wie am Sonnabend seien öfter denkbar. „Vielleicht auch mal zusammen mit der Bevölkerung“, sagt Grit Woywod. Nach anderthalb Stunden, in denen Wege und Plätze in Klietz und ein Stück des Naturlehrpfades gesäubert wurden, war Treff am Schullandheim. Dort gab es Kaffee, Tee und Wasser. Und ein Erinnerungsfoto. Auf diesem ist auch der jüngste Helfer zu sehen, der fünfjährige Ali, der seinem Papa half. Sie sind von Qamishli in Syrien aus nach Deutschland geflüchtet.