Havelberg l „Ich komme ursprünglich von der Küste und höre öfter den Satz, wohnen, wo andere Urlaub machen. Das trifft auch auf Havelberg und die Umgebung zu“, ist Kristin Tessen zur Ausstellungseröffnung immer noch ganz begeistert von ihren ersten Erlebnissen in der Hansestadt und dem Wow-Effekt. Die Innenarchitektin und Illustratorin gehört zu den sechs bekannten Berliner Architekten, die sich zum sogenannten Urban-Sketching in Havelberg getroffen haben. Architekt Eckhard Feddersen hatte dazu gemeinsam mit Wolf Guenter Thiel und Anke Leonhardt von der Old School eingeladen.

Sonnabendmittag waren alle eingetroffen und schwärmten mit Skizzenblock und Stiften aus, um die Architektur Havelbergs zu entdecken. Schon am Abend konnten die ersten Ergebnisse betrachtet werden. Am Sonntag kamen weitere hinzu. Gerechnet worden war mit um die 30 Zeichnungen, am Ende waren es 60. Und die können sich allesamt sehen lassen, wie der Architekturexperte Gerald Blomeyer zur Ausstellungseröffnung sagte. „Das Skizzenzeichnen hat eine lange Tradition, von Goethe gibt es 2700 an der Zahl, davon 500 von seiner Italienreise. Zeichnen ist eine Art, die Welt zu entdecken.“

Und eine Möglichkeit, in den Dialog zu treten. Das haben die Architekten bereits am Wochenende praktiziert. Immer wieder wurden sie von Menschen angesprochen, die sie beim Zeichnen auf Straßen und Plätzen Havelbergs antrafen. Zu einem nächsten Urban-Sketching sollen dann Kinder und Erwachsene eingeladen werden, mit den Fachleuten ihre Stadt zu zeichnen, damit ein Dialog entsteht, stellte Eckhard Feddersen, der aufs Wohnen für alle Generationen spezialisiert ist, in Aussicht.

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Partnerschaft denkbar

Mit Bürgermeister Bernd Poloski sprachen die Gäste aus Berlin und die Organisatoren aus der Old School über den Leerstand von Geschäften auf der Stadtinsel. Wo sie können, wollen sie helfen, etwa durch Kunst und Kultur die Altstadt zu beleben. Eine weitere geplante Veranstaltung ist etwa eine Diskussion dazu, wie sich die Urbanisierung auf dem Land entwickeln kann. Das plant Eckhard Feddersen gemeinsam mit dem Architekten Sergei Tchoban – Letzterer konnte am Wochenende nicht mit dabei sein, hatte aber Zeichnungen von Havelberg für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Eine zeigt die Skulptur von Zar Peter vor dem Dom. Vor dem geschichtlichen Hintergrund des Treffens 1716 mit dem Preußenkönig in Havelberg wäre eine Partnerschaft mit einer Stadt in Russland denkbar, wo über Kunst, Kultur und Kulinarischem Menschen aus beiden Städten zusammenkommen.

Der renommierte Stadtplaner Ludwig Krause hatte im Vorfeld bereits ein besonderes Panorama von Havelberg gezeichnet. Es ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen, die voraussichtlich bis zum Jahresende in der Old School gezeigt wird. Für Berlin, Dortmund, Magdeburg und Aleppo etwa hat er solche Panoramen abgefertigt. Er ist begeistert von Havelberg und dem Format Urban-Sketching. „Wir können damit einen liebevollen Blick auf die Stadt lenken und den Menschen hier zeigen, ihr habt eine schöne Stadt.“ Das soll auch in die Welt hinaus getragen werden. Denn alle Zeichnungen werden eingescannt und ins Internet gestellt.

Aus Sicht von Kristin Tessen bietet Havelberg mit seiner Umgebung eine gute Basis für weitere Projekte. „Das Naturschutzgebiet ist auch sehr inspirierend.“ Es ist einiges in Bewegung, die Stadt mit Kunst und Kultur zu beleben. Wer die Ausstellung sehen möchte, kann sich unter Telefon 0170/592 37 23 melden.