Havelberg l  Es ist ein trauriges Kapitel deutscher Geschichte, das derzeit im Prignitz-Museum Havelberg im Mittelpunkt steht. Doch ist die Ausstellung „Heimat im Krieg“ auf jeden Fall einen Besuch wert, weil sie anhand vieler regionaler Zeitzeugnisse die Geschehnisse im Ersten Weltkrieg widerspiegelt. Briefe und Postkarten von der Front und an die Front, Fotos, Zeichnungen, Tagebücher, Fotoalben, Plakate, Zeitungsausschnitte, Kochbücher und anderes mehr geben in der Ausstellung „Heimat im Krieg 1914/18 – Spurensuche in Sachen-Anhalt“ einen bewegenden Einblick in die Zeit des Ersten Weltkrieges. Die 2014 eröffnete Wanderausstellung ist nach 18 Stationen noch bis zum 31. März im Havelberger Prignitz-Museum zu sehen.

„Eine Ausstellung, die für sich spricht und die eindeutige und zentrale Botschaft enthält: Nie wieder Krieg beziehungsweise Krieg ist das Ende von allem! Werdet euch bewusst, was wir haben. Die Schicksale, das Leid jedes Einzelnen, haben mich als Besucher sehr berührt... Auch in der Gewissheit, alles nur an der Oberfläche erfahren zu können“, hat eine Besucherin aus Magdeburg in das Gästebuch zur Ausstellung geschrieben. Es ist der bisher einzige Eintrag – völlig ungewöhnlich, normalerweise gibt es mehrere Einträge von Besuchern, berichtet Museologin Sabine Ball, die maßgeblich zum Havelberger Teil der Ausstellung beigetragen hat.

Zeitzeugnisse willkommen

Viele Besucher haben sich bereits die Ausstellung angesehen. Leider noch keine Schüler. Anmeldungen von zwei Schulklassen aus Havelberg liegen aber vor. Soldaten des Panzerpionierbataillons Havelberg haben das Angebot zu Führungen gern wahrgenommen. Vielleicht der Beginn einer weiteren Zusammenarbeit mit der Kaserne. Verschiedene Themen sind denkbar, zum Beispiel zur Garnisonsgeschichte.

Bilder

In der Ausstellung, für die die Dauerausstellung zur Siedlungsgeschichte vorübergehend ausgezogen ist, sind es vor allem die Fotos, vor denen die Besucher länger verweilen. Das Prig­nitz-Museum konnte aus dem großen Fundus von Reinhold Steffen viele Motive auswählen, die das Leben der Einwohner, der verwundeten Soldaten im Lazarett und der Gefangenen im Internierungslager darstellen. Weil es viele Fragen dazu gab, erhielten die Fotos noch Bildunterschriften, berichtet Sabine Ball. „Man merkt, dass das Thema in der Erinnerung der Leute noch präsent ist. Vor allem Ältere denken an Dinge, die sie von ihrer Familie noch haben oder fragen sich, wie ging es ihrer Familie im Krieg, was hat sie erlebt“, sagt Museumsleiterin Antje Reichel.

Ergänzt wurde die Ausstellung um eine Leihgabe von Erika Kügler aus Wulkau mit Zeichnungen von Fritz Duckstein. Der Dessauer war 13, 14 Jahre alt, als seine Zeichnungen entstanden. Er interessierte sich für den Krieg und war vom Soldatenleben beeindruckt. „An Witzzeichnungen in Zeitungen scheint er Spaß gehabt zu haben und hat sie wahrscheinlich abgezeichnet“, so Sabine Ball. „Wir sind grundsätzlich an allem interessiert, was aus dieser Zeit stammt. Das nehmen wir gern“, macht sie darauf aufmerksam, dass nichts weggeworfen werden sollte. „Wir sind durch die Ausstellung auch selbst auf Spurensuche gegangen und der Wert mancher Exponate ist uns dadurch so richtig bewusst geworden“, nennt Antje Reichel zum Beispiel die Tagebücher zweier Augenzeugen.

Wer wissen möchte, wer zu jener Zeit in Havelberg gewohnt hat, der sollte einen Blick in das „Eiserne Buch“ werfen, das auch in Kopie in der Ausstellung liegt. Dort trugen sich alle Spender ein, die sich an der reichsweiten Geldsammlung zur Versorgung der Hinterbliebenen und Verwundeten des Krieges beteiligten. Denn die staatlichen Sozialfonds reichten nicht aus. Havelberg hatte diese Sammlung mit einer Feier vor dem Rathaus am 30. Januar 1916 eingeleitet. Für Spenden zwischen einem und zehn Euro wurden verschiedenfarbige Nägel in eine hölzerne Hindenburg-Figur geschlagen. Zu sehen sind zudem Kriegswahrzeichen beziehungsweise Nagelbilder aus anderen Orten, wie sie von Wien aus ihren Weg auch nach Deutschland fanden.