Havelberg l Zwei Tagebücher aus Havelberg sind es zum Beispiel, die die Nachwelt die Geschehnisse des Ersten Weltkrieges nachvollziehen lassen. Das eine stammt vom Lehrer im Ruhestand Adolf Werner, der vom Ausbruch des Krieges im August 1914 bis zu seinem Tod im September 1915 den Aufbau des Lagers und des Lazarettes für Kriegsgefangene in Havelberg als neugieriger Zaungast dokumentiert hatte. Das andere von einem Havelberger, der über seine Gefangenschaft in Frankreich und das Leben in einem solchen Lager geschrieben hat.

„Diese Tagebücher waren bisher nicht in der Wanderausstellung zu sehen. Wir zeigen sie hier in Havelberg neben vielen weiteren regionalen Exponaten“, berichtet Museologin Sabine Ball. Sie ist seit der vergangenen Woche mit der Leiterin des Prignitz-Museums Antje Reichel, Rosemarie Knape vom Museumsverband Sachsen-Anhalt und Hausmeister Detlef Preetz dabei, die Wanderausstellung „Heimat im Krieg 1914/18. Spurensuche in Sachsen-Anhalt aufzubauen. Weil es so viele Exponate sind, wurde neben dem östlichen Kreuzgang auch der südliche mit hinzugenommen und die Siedlungsgeschichte ausquartiert.

Es ist sehr viel Material auch von den anderen Leihgebern der Wanderausstellung vorhanden, dass die Vitrinen knapp werden und genau geguckt werden muss, wo was am besten präsentiert werden kann. Während im östlichen Kreuzgang – dem Raum für Sonderausstellungen – hauptsächlich die Exponate zu sehen sind, die sachsen-anhalt-weit den Ersten Weltkrieg dokumentieren, sind im südlichen Kreuzgang vor allem die regionalen Dokumente zu sehen.

Bilder

Ein Schwerpunkt bilden das Lazarett und das Gefangenenlager, die gleich zu Beginn des Krieges in Havelberg entstanden waren. Neben den beiden Tagebüchern gibt es zahlreiche Fotografien. „Wir haben sie vergrößert, um den Blick zu schärfen. So sind viel mehr Details zu entdecken“, sagt Sabine Ball.

Der damalige Leiter des Havelberger Krankenhauses, Dr. Richard Hartwich, war zugleich Museumsleiter und sammelte im Laufe des Krieges Fotografien von Verwundeten, Gefangenen, Wachleuten und Einheimischen.

Großformatige Fotos schärfen Blick

Er sicherte auch die Tagebücher. Viele der Fotos stammen aus der Kamera des Havelberger Fotografen Reinhold Steffen, der an der Westfront verwundet worden war und den Krieg überlebt hatte. Zudem gibt es ein Album des Lagerfotografen Louis Assler, der in der Schulstraße zu Hause war.

Schriftstücke zum Leben im Lazarett, Spielzeug, Geschirr, ein Kupferkessel aus der Biedermeierzeit, Deutsch-Russische Wörterbücher, die Kamera von Reinhold Steffen und anderes mehr sind in der Ausstellung zu sehen. Die Havelberger waren damals aufgefordert, Sachen für die Menschen in Lazarett und Lager zu spenden. Vieles davon gelangte später in den Besitz des Museums. Sie haben auch selbst Dinge hergestellt im Lager. So entdeckte Sabine Ball anhand eines Fotos, dass Hocker, die im Museum genutzt wurden, offensichtlich von den Gefangenen angefertigt worden waren. Wie das Kriegsgefangenenlager in Havelberg aufgebaut war, ist anhand des Tagebuches von Adolf Werner gut nachvollziehbar. Er hatte Zeichnungen angefertigt. Mit der Hinzunahme von Fotos konnte ein Modell gebaut werden, das ebenfalls gezeigt wird.

„Das Tagebuch gibt auch Auskunft darüber, wie die Havelberger den Krieg gesehen haben, welche Meinung sie hatten etwa zu den spärlichen Nachrichten von der Front und zur Propaganda. Es bietet eine Reflexion der Stimmung in dieser Zeit“, sagt Sabine Ball.

Die Wanderausstellung, die in Zusammenarbeit des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt mit dem Institut für Geschichte der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und weiteren Partnern entstanden ist, ist über die Jahre gewachsen. Die Idee war, die regionale Geschichte jener Zeit zu dokumentieren, die Heimat im Krieg darzustellen. „Das war am Anfang richtig schwierig. Wir sind auf Objektsuche gegangen. Waren es am Anfang 80 Exponate, so sind es heute 300. Davon hat das Prignitz-Museum viele beigesteuert, es verfügt über einen unwahrscheinlich großen Fundus“, berichtet Rosemarie Knape. Sie hat als Leiterin der Luthergedenkstätten Eilsleben rund 100 Ausstellungen organisiert und hatte 2013 vom Museumsverband die Aufgabe bekommen, die rund 50 Leute für die Wanderausstellung unter einen Hut zu bringen. Das war nur für ein Jahr gedacht. Doch ist sie immer noch dabei und opfert viel Freizeit, um die Ausstellung etwa bei jedem Ab- und Aufbau zu begleiten.

Zur Eröffnung am Sonnabend, 1. Dezember, sind Besucher um 15 Uhr im Prignitz-Museum willkommen.