Jerichow/Wust l Ganz feierlich sollte sie am Sonntag ihre Ernennungsurkunde beim Festgottesdienst im Kloster erhalten. Doch in Zeiten von Corona musste die Übergabe bei Superintendent Kleemann ganz unspektakulär mit Abstand im Büro erfolgen.Die feierliche Zeremonie in Jerichow ist aufgeschoben. Aber nicht aufgehoben.

So ein freudiges Ereignis, eine Pfarrstelle wieder zu besetzen, soll würdig begangen werden und nicht nur mit der Überreichung der Urkunde – ohne Handschlag! Umso herzlicher waren die Worte der Begrüßung von Superintendent Michael Kleemann, als er die Pfarrerin vor wenigen Tagen in seinem Stendaler Büro begrüßte. Eine bisher nie dagewesene Situation. „Wir machen das Beste daraus. Und wir sind nach wie vor präsent – wenn auch nur am Telefon oder mit Abstand“, so Michael Kleemann, der als Beispiele die Radiogottesdienste nennt.

Zunächst nur am Telefon

Rebekka Prozell hat gemischte Gefühle. Zunächst freut sie sich sehr, dass sie am Donnerstag mit ihrer Partnerin ins renovierte Pfarrhaus einziehen kann, „vielen Dank an die Handwerker und Kirchenmitglieder für die Mühe!“ Zu gern hätte sie jetzt die Gemeinden kennengelernt – das muss nun statt von Angesicht zu Angesicht vom Schreibtisch aus erfolgen. „Etliche Dinge wie Karfreitag und die Osternacht waren vorbereitet – schade und auch kaum vorstellbar, dass wir Ostern nicht zusammen feiern können.“ Auch wenn sie keine Gottesdienste halten oder an Türen klingeln kann: „Ich bin für die Menschen da und telefonisch jederzeit erreichbar. Rufen Sie mich gern an, ich habe ein offenes Ohr für jeden“, ermutigt sie zum Kennenlernen. Sie möchte am Telefon nicht nur Hallo sagen, sich vorstellen und sich die Sorgen der Menschen anhören, sondern im Pfarrhaus auch Koordinationsstelle sein für Hilfe beispielsweise für ältere Menschen beim Einkaufen oder beim Arztbesuch. „Oder einfach nur für die, die ein Wort loswerden möchten. Scheuen Sie sich nicht, mich anzurufen. Ich höre gern zu.“

Auch wenn es vorerst keinen persönlichen Kontakt geben kann, so plant Rebekka Prozell doch einige Aktionen, zu Ostern wird es zum Beispiel eine Überraschung für jedes Gemeindemitglied geben.

Kein Abschied

Rebekka Prozell ist 34 Jahre alt. Die gebürtige Magdeburgerin wählte in der 9. Klasse – statt für ihre Familie eigentlich selbstverständlich Ethik – den Religionsunterricht. „Meine Sehnsucht, mehr zu wissen und zu erleben, wuchs zunehmend. Beim Zeitungaustragen sonntags bin ich um die Kirche geschlichen, habe mich aber nicht getraut, rein zu gehen“, hatte sie beim Vorstellungsgottesdienst unlängst in Wust der versammelten Gemeinde berichtet. Eines Tages hat sie den Schritt dann doch gewagt und ist auf einen Pfarrer getroffen, der sie herzlich eingeladen hat. Sie findet Heimat in der Kirche, lässt sich taufen. Die Bibel bezeichnet sie als einen Schatz in ihrer Hand. Nach der Schule entscheidet sich Rebekka Prozell für ein Gemeindepädagogik-Studium in Berlin. Danach findet sie Anstellung in Schwerin. Doch sie will mehr, „die Menschen auf ihrem Weg begleiten“. Deshalb bewirbt sie sich um ein Vikariat, quasi die Ausbildung zur Pfarrerin. Das bekommt sie in Schlagenthin. Nach dieser Zeit geht sie in den dreijährigen Entsendungsdienst – also ihre erste Pfarrstelle, nach Genthin und Biederitz. Für den Jerichower Bereich wird nach dem Weggang von Frederike Bracht ein Nachfolger gesucht. Sie bewirbt sich und wird einstimmig vom Gemeindekirchenrat gewählt. Nun ist es soweit. Sie hält die Berufungsurkunde für ein lebenslanges Pfarrdienstverhältnis in Händen. Dass sie sich von ihrer alten Gemeinde nicht persönlich verabschieden konnte, bedauert sie sehr, „es fehlt etwas, es gibt eine Lücke zwischen Aufhören und Ankommen“. Dennoch macht sie das Beste aus der Situation und sie freut sich auf die Zeit der persönlichen Kontakte und wenn sie ihren ersten Gottesdienst halten kann.

Hoffen auf Interesse an Schönhausen

22 Pfarrbereiche gehören zum Kirchenkreis Stendal. Nicht besetzt ist eine Stelle in Stendal, eine für die Jugendarbeit und nach dem Weggang von Ralf Euker die in Schönhausen, die zur Hälfte gekoppelt ist an die Ehrenamtsarbeit. Auf die erste Ausschreibungsphase für Schönhausen hat sich kein Interessent gemeldet. Im April erfolgt die erneute Ausschreibung deutschlandweit.

Zu erreichen ist die Pfarrerin unter Tel. 039343/256 oder 0176/4781 43 00.