Havelberg l Gespräche mit Eltern und ihren Kindern, Einräumen von Unterrichtsmaterial, Saubermachen, Löcher in Wände für Bilder und Mikroskope bohren, die Werkstätten komplettieren – die Aufgaben sind vielfältig, die beim Verein „neugierig“ in Kamern derzeit anstehen. Bis zum 11. August 2018 soll die Freie Schule Elbe-Havel-Land fertig sein. Denn dann findet die Einschulungsfeier statt und am Montag darauf beginnt für die Schüler und Lehrer dort der Unterrichtsalltag.

Pädagogen bereiten Unterricht vor

Mit 13 bis 15 Schülern, davon fünf Erstklässler, rechnet Stefanie Wischer zum Schulstart. Manche Eltern haben sich doch noch für eine andere Schule entschieden, andere müssen noch bestimmte Dinge klären oder schicken ihre Kinder erst ab dem nächsten Schuljahr in die private Grundschule in Kamern, wenn sie zum Beispiel aus Berlin hierher gezogen sind. Es hat einfach zu lange gedauert, bis das Landesschulamt die Zusage zum Betrieb der Schule erteilt hatte. Wie berichtet, erreichte den neugierig-Verein erst am 29. Juni, dem zweiten Tag der Sommerferien, das entsprechende Schriftstück. Der Verein bedauert, dass er Eltern nicht eher Sicherheit zur Schul­eröffnung geben konnte. Doch ist nun die Freude groß, endlich starten zu dürfen. „Wir können nun mit dem Unterricht beginnen. Die Lehrer sind vollständig, wir sind ein gutes Team“, sagt Stefanie Wischer.

Klassenlehrerin und stellvertretende Schulleiterin ist Karin Corrie. Sie unterrichtet Mathematik, Sprache, Sport und Englisch. Außerdem gibt es Lehrer für Sachkunde, Kunst, Religion, Musik, Werkstätten, eine Sonderschulpädagogin und eine Erzieherin. Fünf Frauen und Männer gehören dem Pädagogenteam aktuell an. Katharina Bensch aus Havelberg ist die Schulleiterin, sie befindet sich derzeit noch in der Elternzeit.

Die Vorbereitungen für die Einschulungsfeier am Sonnabend, 11. August, von 10 bis 12 Uhr und den Unterrichtsbeginn am Montag laufen auf Hochtouren. Neben dem Pädagogenteam unterstützen Vereinsmitglieder dabei, die Räumlichkeiten, die sich im Erdgeschoss der früheren Sekundarschule in Kamern befinden, einzurichten. Vieles ist seit etlicher Zeit schon eingerichtet, wie zum Beispiel die Druckwerkstatt. Doch manches konnte erst bestellt werden, nachdem die Freie Schule genehmigt war.

„Wir sind eine Ganztagsschule, die morgens um 7.45 Uhr öffnet und bis 15 Uhr geht. Wir unterrichten jahrgangsübergreifend in drei Blöcken von 8.30 bis 10 Uhr, 10.45 bis 12.15 Uhr und 13.30 bis 15 Uhr“, erklärt Karin Corrie. Sie hat das Montessori-Diplom und setzt diesen reformpädagogischen Ansatz um. Er ist Teil des Schulkonzeptes, das die Freie Schule mit ihren fünf Säulen Individuelles Lernen, Inklusion, Kosmische Erziehung mit ganzheitlichem und fächerübergreifendem Lernen, Werkstätten, Naturwissenschaft und Handwerk sowie Tiergestütztes Lernen/Lehrbauernhof anbietet.

Lange Zeit musste der Verein um die Anerkennung des besonderen pädagogischen Interesses kämpfen, zog dafür auch vor Gericht, das dies als gegeben angesehen hat. Ende Mai hatte das Verwaltungsgericht Magdeburg ein entsprechendes Urteil gefällt. Vier Wochen später kam dann die Zusage vom Landesschulamt.

„Wir sind erleichtert, dass wir nun endlich starten können“, sagt Nancy Jagott, die mit ihrem Mann den Lehrbauernhof der Schule betreut. Unter dem Motto „Wir machen Schule“ hatte „neugierig“ regelmäßig in die Schule eingeladen. Nun können die Kinder ernten, was sie im Frühjahr gesät hatten.

Individuell für jedes Kind

Die Möglichkeit, auf jedes Kind individuell eingehen zu können, nennt Karin Corrie als entscheidenden Vorteil der Reformpädagogik. „Und die Kinder lernen, selbstständig zu arbeiten“, sagt sie und berichtet von ihren eigenen Kindern, von denen zwei eine staatliche Schule und eine eine Montessori-Schule besuchten. „Die Jüngste kann sich sehr gut selbst organisieren.“

Grundlage für die Arbeit ist wie in staatlichen Schulen der Lehrplan Sachsen-Anhalts. „Die Art und Weise, das Ziel zu erreichen, ist bei uns allerdings anders“, sagt die Klassenlehrerin und beschreibt es so: „Man soll die Schnelleren nicht bremsen und die Langsameren nicht jagen.“ Neben dem normalen Schul­material kommt Montessori-Unterrichtsmaterial zum Einsatz. Vom Greifen zum Begreifen ist das Motto dieser Pädagogik. Die Lehrer und Erzieher begleiten die Kinder bei ihren Lernprozessen.

Zu denen, die sich freuen, dass die Schule endlich genehmigt ist, gehört eine Familie aus Schollene. „Das Konzept dieser Schule hat uns überzeugt. Das Lernen ist individueller, man geht auf die Fähigkeiten der Kinder ein und kann sie besser fördern.“