Schollene l Autor ist Helmut Stein, der 1936 in Schollene geboren wurde und hier bis 1950 die achtklassige Dorfschule besuchte. Gewohnt hat seine Familie in der Mühlenstraße direkt am See, „am Fenster hörte ich die Große Rohrdommel rufen“, berichtete er im Gespräch mit dem Reporter. Dieser musste eine ganze Weile darauf warten, denn der Autor hatte nach der Lesung in der Schollener Kirche zahlreiche Bücher zu signieren.

Etwa 80 Zuhörer hatten sich am Sonnabend eingefunden, nachdem sie sich am Eingang wegen der Pandemie erst einmal in eine Liste eingetragen hatten. Begrüßt wurden sie von Gastgeberin Birgit Lewerenz, der Vorsitzenden des Kirchspiels Molkenberg-Schollene.

Wie ein Neubeginn

Verleger Dr. Harry Ziethen aus Oschersleben zeigte sich erleichtert, dass sich zum Neustart nach der mehrmonatigen Corona-Zwangspause gleich so viele Interessenten eingefunden hatten: „Man hat ein Gefühl wie bei einem Neubeginn.“ Zugleich erfolge hier die Premiere der Lesungen für dieses druckfrische Buch – was eigentlich für April geplant war.

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Der Autor war vor etwa einem Jahr bei ihm erschienen und hatte ihm angesichts des 75. Jahrestages ein Manuskript zum Kriegsende in Schollene angeboten. Der Verleger war sehr angetan, doch reichte das Material nicht für ein Buch. So reichte Helmut Stein ein weiteres Manuskript mit seinen Kindheits- und Jugenderlebnissen nach.

Seine ersten 14 Lebensjahre hatte er in Schollene verbracht. Eine vorgetragene Geschichte handelte von der achtklassigen Dorfschule, wo damals von der strengen Lehrerin noch eifrig der Rohrstock benutzt worden war. Der Delinquent musste sich bäuchlings auf die erste Schulbank legen, mit dem Stock wurde ihm dann der Hintern versohlt. Der Autor selbst musste diese schmerzhafte Erfahrung nur einmal sammeln, andere „Spezialisten“ kamen öfters dran. Er konnte der Schule nicht viel abgewinnen, freute sich lediglich auf Biologie und die Deutsch-Aufsätze – schon damals schrieb er leidenschaftlich gern.

Nebenbei Schreibkurse besucht

Helmut Stein studierte nach dem Schulabschluss in Berlin und Leipzig, als Fernmelde-Ingenieur war er anschließend bei der Deutschen Post der DDR und nach der Wiedervereinigung bei der Telekom tätig. Nebenbei besuchte er Schreibkurse, bei Klassentreffen brachte er alte Schnurren aus der Schulzeit zu Gehör. Als Rentner wollte er seinen Enkeln etwas Dauerhaftes über sich und seine Zeit hinterlassen, weshalb er seine Erinnerungen zu Papier brachte.

Der etwas sperrig wirkende Titel „Nun wär‘t aber Tied, du schaffst et wä nich, kumm jetzt!“ stammt aus einer Geschichte, welche seine Ahnen aus den Anfängen des vorigen Jahrhunderts überliefert hatten. Damals wurde eine halbe Stunde vorm Gottesdienst vorgeläutet, was die Oma nicht hörte. Die Tochter machte sie drauf aufmerksam, doch maß die Oma dem keine Bedeutung bei und verrichtete weiterhin ihre Hausarbeit. Letztendlich kam sie zu spät zum Gottesdienst – mit dem Hinweis der Tochter, welcher es nun auf den Buchtitel schaffte. Das Titelbild stammt von Edgar Musow, dem Schulfreund des Autors, der auch im Buch erwähnt wird.

Der Grundstein für ein andere Hobby wurde ebenfalls in Schollene gelegt: Der Landarzt Dr. Johannes Kummer nahm die Schüler öfter zu Vogelberingungen mit, weshalb sich Helmut Stein entschloss, ebenfalls Ornithologe zu werden. Damals war der Schollener See noch ein Naturparadies mit tausenden brütenden Lachmöwen. Nur wenige sind geblieben und auch die Rufe der Rohrdommel sind inzwischen verstummt.

Wie gut, dass es noch solch wichtige Bücher mit Lebenserinnerungen gibt – und solche Menschen wie Helmut Stein.

Erhältlich ist das Buch im örtlichen Geschäft „Nah und Gut“ sowie im Heimatmuseum (bei Erika Gorges anrufen).