Havelberg l Über fünf Jahre ist es wohl schon her, seit der Empfang im Havelberger Rathaus nicht mehr besetzt ist. Zugezogene Jalousien sind seither das gewohnte Bild. Wer zu den Sprechzeiten ins Rathaus kommt, findet eine geöffnete Eingangstür vor, besucht seinen Ansprechpartner in der Stadtverwaltung. Das hat sich nun geändert. Wegen des Coronavirus wird das Rathaus zwar nicht geschlossen, jedoch ist es zu den ganz normalen Sprechzeiten eingeschränkt geöffnet.

Im Empfang hat die Sekretärin des Bürgermeisters, Simone Vinco, nun ihr Büro eingerichtet. Sie begrüßt Bürger, die in das Rathaus wollen und koordiniert die Besuche. Der Eingangsbereich ist ohnehin nur im vorderen Flurbereich zu den Büros des Einwohnermeldeamtes und des Standesamtes zugänglich. Vor der Treppe und dem hinteren Flur weisen Schilder darauf hin, dass es dort nicht weitergeht und sich die Bürger am Empfang melden sollen, um einen Termin zu vereinbaren.

„Wir machen das in erster Linie nicht für unsere Mitarbeiter, obwohl wir natürlich auch für ihren Schutz verantwortlich sind und darauf bedacht sind, die Verwaltung am Leben zu erhalten, um auch die öffentliche Daseinsfürsorge während dieser Krisenzeit realisieren zu können“, erklärt Bürgermeister Bernd Poloski. Doch geht es auch um die Gesundheit der Bürger. Damit sich keine Schlangen etwa vor dem Einwohnermeldeamt bilden, werden nicht alle Interessierten gleichzeitig ins Rathaus herein gelassen, sondern eben nur einige. Die Stühle in der Wartezone stehen weiter auseinander. Wer nicht gleich herein kann wird gebeten, zu einem späteren Zeitpunkt wiederzukommen.

Überhaupt bittet der Bürgermeister alle Einwohner darum, genau zu überlegen, was im Moment tatsächlich direkt im Rathaus erledigt werden muss oder ob eine Verschiebung auf später möglich ist. Bestimmte Formulare sind entweder in zentralen Portalen des Bundes, des Landkreises oder auf der Stadtinternetseite abrufbar. Die Stadt will nach und nach weitere einstellen. Etwa zur An- oder Abmeldung eines Hundes, zur Einwilligung des Sepa-Lastschriftverfahrens oder Gewerbeformulare. „Wir sind zurzeit dabei, alles zusammenzutragen, was wichtig ist“, so der Bürgermeister.

Noch niemand in Quarantäne

Er fährt aktuell jeden zweiten Tag ins Landratsamt zur Abstimmung mit dem Landrat und den anderen Bürgermeistern. Ansonsten gibt es Konferenzschaltungen, die bessere Abstimmungen ermöglichen.

Neu ist laut der Verordnung der Landesregierung vom Dienstag unter anderem, dass ab Mittwoch die Bürger- und Dorfgemeinschaftshäuser geschlossen. Veranstaltungen jeglicher Art dürfen dort vorerst nicht mehr stattfinden.

Nicht mehr benutzt werden dürfen ab Mittwoch auch die Spielplätze. Während sich Montag und Dienstag bei herrlichstem Sommerwetter noch etliche Kinder mit ihren Eltern auf dem beliebten Areal an der Landzunge auf der Stadtinsel tummelten, ist das nun vorbei. Der Spielplatz ist abschließbar, andere sind das nicht. Der Bürgermeister setzt auf das Verantwortungsbewusstsein der Eltern, dass sie das Verbot einhalten. Denn bei allen Entscheidungen geht es darum, Ansammlungen von Menschen zu vermeiden, um Infektionsketten zu unterbrechen. Das ist auch der Grund für Veranstaltungsabsagen, die nun auch für Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen gelten. Für weniger als 50 gelten Auflagen. Vorsorglich hat die Stadt für den Stadtrat am Donnerstag, 26. März, die Sitzung beim Landkreis beantragt. Womöglich erteilt das Gesundheitsamt dafür Auflagen. Der Bürgermeister rechnet aber damit, dass eine Öffentlichkeit auf jeden Fall gewährleistet ist. Sollten jedoch sehr viele Bürger an der Sitzung teilnehmen wollen, könnten nur wenige Vertreter einer Gruppe, die ein allgemein wichtiges Thema vortragen wollen, hereingelassen werden.

Einen Quarantänefall gibt es derzeit im Bereich Havelberg noch nicht.