Havelberg l Sie fühlen sich gut vorbereitet auf die schriftlichen Prüfungen, die am 11. Mai beginnen. Das berichten Jenny Brecht, Sophie Schmok, Josy Berger und Sarah Borowski, als sie am Donnerstag zum ersten Mal nach gut fünf Wochen wieder in der Sekundarschule „Am Weinberg“ in Havelberg lernen dürfen. Gerade hatten sie in der ersten Stunde eine Informationsrunde in der Aula. Dort ist ausreichend Platz für alle, so dass der Abstand gewahrt werden kann. Übrigens auch zu den schriftlichen Prüfungen. „Wir haben die Aula ausgemetert und es haben 40 Schüler Platz. Die Lehrer sitzen dann auf der Bühne“, berichtet Schulleiterin Kathrin Klara.

Einfach war die Zeit nicht. „Als die Nachricht kam, dass die Schule ausfällt und auch die Kitas geschlossen werden, war ich schockiert“, denkt Jenny Brecht an Mitte März zurück. Doch jetzt schätzt sie ein, dass doch alles ganz gut funktioniert hat. „Ich hatte viel zu tun, denn ich habe auch noch auf meine beiden Geschwister aufgepasst, weil meine Eltern arbeiten“, berichtet die Sandauerin. Zudem hatte sie gerade mit der Fahrschule angefangen. Das Wissen erarbeitet sie sich nun auch im Selbststudium. Sie hat versucht, täglich sechs Stunden Schule zu machen, manchmal auch mehr. Um sich auszutauschen, stand sie mit Freundinnen im Kontakt und auch mit Klassenlehrer Rico Kowalkowski. Jennys Geschwister, drei und acht Jahre alt, spielten draußen auf dem Hof oder durften auch mal Fernsehen gucken, wenn sie lernen musste. Sich nun wieder morgens in den Bus setzen zu dürfen, um zur Schule zu fahren, findet sie gut. „Nicht allein zu Hause die Aufgaben zu lösen, sondern direkt mit dem Lehrer sprechen und Fragen stellen zu können, ist doch was anderes.“

Auch Sophie Schmok aus Garz freut sich, Mitschüler und Lehrer wieder zu sehen. Wenn sie nicht lernte, ging sie nachmittags raus, verbrachte Zeit mit ihrem zehnjährigen Bruder. In den Osterferien hatte sie eine Lernpause eingelegt. Sehr aufwendig waren die Aufgaben in Deutsch, berichten die Mädchen. Drei Prüfungen aus zurückliegenden Jahren und ein Aufsatz waren zu schreiben.

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Manchmal mit Überstunden

In den ersten ein, zwei Wochen hat Josy Berger die Schule zunächst ein bisschen vernachlässigt. „Um so mehr hatte ich dann zu tun. Zu den Aufgaben habe ich mich mit Freunden ausgetauscht. Ansonsten ist es bei uns auf dem Dorf ja gut möglich, auf Feldwegen spazieren zu gehen, um Ruhe zu finden, und wir waren auch viel im Garten“, erzählt die Schollenerin. Auch wenn sie sich im Prinzip gut auf die Prüfungen vorbereitet fühlt, hat sie schon ein wenig Angst, ob alles klappt. „Denn auch wenn es die Angebote von den Lehrern gab, waren wir ja doch auf uns allein gestellt.“ Es ist einfach was anderes, schnell im Unterricht eine Frage zu stellen oder erst eine Mail oder WhatsApp zu schreiben, um eine Antwort zu bekommen.

Auch Sarah Borowski berichtet, dass sie in der ersten Zeit der Schulschließung nicht diszipliniert genug war und viel Sport gemacht hat. „Aber dann habe ich meinen Tagesablauf festgelegt und konzentriert Schule gemacht. Mit Überstunden, da kamen dann auch mal acht, neun Stunden zusammen.“ Die Freude auf wieder Schule war groß. „Allein zu Hause war es doch recht eintönig.“

Da seit Donnerstag die Maskenpflicht in Bussen gilt, waren die Fahrschüler alle ausgestattet. Empfangen wurden sie von den Lehrern in Havelberg, die ebenfalls Masken tragen. Einfach, um noch mehr Sicherheit zu geben. Das Abstandhalten muss sich noch einspielen. Damit das gut funktioniert, hat die Schule Vorkehrungen getroffen. Etwa mit einem Einbahnstraßenverkehr vom Eintritt in das Schulgebäude bis hin zum Verlassen der Schule. Zu den Räumen geht‘s im Gänsemarsch. Die beiden 10. Klassen sind in vier Gruppen aufgeteilt, die Hauptschüler bilden eine Gruppe. Von den 21 Lehrern sind 15 für den Unterricht einsatzbereit, sechs gehören zur Risikogruppe und kümmern sich um andere Aufgaben. Zum Beispiel die Pausenaufsicht und Büroarbeiten, aber auch die Toilettenaufsicht, denn es darf immer nur eine Person dorthin. „Dafür können die Schüler nun aber auch während des Unterrichts zur Toilette gehen“, berichtet die Schulleiterin.

Wie die Hygienevorschriften eingehalten werden, erklärt der stellvertretende Schulleiter Ulrich Gruber. Schutzmasken und Desinfektionsmittel sollen vom Landesschulamt aus über den Landkreis ankommen. Noch ist allerdings nichts da, weshalb die Schule am Mittwoch erstmal acht Seifenspender beim Drogerie-Discounter gekauft hat – mit dem Verweis auf den Schulbedarf, um nicht als Hamsterer da zu stehen. Nachfüllseife ist vorhanden. Mit der Reinigungsfirma ist abgesprochen, dass sie die Räume, die jetzt nur genutzt werden, intensiver säubert und zum Beispiel auch Tische und Schalter regelmäßig putzt.

Viel improvisiert

„Wir haben uns sehr viel selber kümmern müssen und improvisiert. Bis hin zum Mundschutznähen. Wichtig ist, dass Schüler und Lehrer geschützt sind. Wir haben das beste draus gemacht“, so Ulrich Gruber. Mit erstmal nur wenigen Schülern die Corona-Vorgaben umzusetzen, ist noch recht einfach. Wie das werden soll, wenn alle Schüler wieder da sind, kann noch keiner sagen. Fakt ist aber, dass alle Schüler auf der Internetseite der Schule ihre Aufgaben finden und mit jedem Lehrer per Mail in Kontakt treten können. Allerdings fehlen dafür manchem gute technische Voraussetzungen oder schlichtweg ein gutes Internet. Es besteht aber auch die Möglichkeit, sich die Aufgaben von der Schule ausdrucken zu lassen und nach Terminabsprache abzuholen.

Die Abschlussjahrgänge dieses Schuljahres müssen auf vieles verzichten. Die Mottowoche war schon durchgeplant. Das Programm zum letzten Schultag in der Aula muss ausfallen. Abgesagt ist auch die Abschlussfeier, die die „10a“ in Sandau feiern wollte. Wie die Zeugnisausgabe erfolgt, wird noch geklärt. Einheitliche Shirts zum Abschluss wollen sich die Zehntklässler aber anfertigen lassen. Um wenigstens eine kleine gemeinsame Erinnerung zum Abschluss zu haben. Für die Zeit danach haben Sophie als Verwaltungsangestellte in Wusterhausen/Dosse, Josy als Bestatterin in Havelberg und Jenny als Bankkauffrau in Stendal ihre Ausbildungsverträge in der Tasche. Sarah möchte Notfallsanitäterin werden. Wegen Corona sind im Moment aber Einstellungstests und Vorstellungsgespräche auf Eis gelegt.