Ausbildung

Die BBA in Havelberg bietet Jugendlichen Berufsberatung mal anders an

Von Andrea Schröder
Die Regionalbereichtsbeamten Guido Schulz (rechts) und Axel Ritter berichteten über die Zugangsvoraussetzungen für eine berufliche Laufbahn bei der Polizei.
Die Regionalbereichtsbeamten Guido Schulz (rechts) und Axel Ritter berichteten über die Zugangsvoraussetzungen für eine berufliche Laufbahn bei der Polizei. Foto: Andrea Schröder

Havelberg

In drei Monaten beziehungsweise 520 Stunden zum Rettungssanitäter – dieses Angebot für den Schritt ins Arbeitsleben hat bei einigen Jugendlichen, die in der Berufsbildungsakademie Altmark (BBA) in Havelberg an der Berufsvorbereitung teilnehmen, Interesse entfacht. Schließlich wären dies keine langen Lehrjahre und man könne schnell feststellen, ob der Beruf der richtige ist.

Vanessa Kaminski zum Beispiel könnte sich eine solche Ausbildung vorstellen, über die Christian Wulfänger beim ersten „Tag der Berufe“ an der BBA berichtet hatte. Der Sandauer selbst lernt im dritten Lehrjahr Notfallsanitäter und ist bei der Johanniter Unfallhilfe in Havelberg schon voll mit in die Einsätze integriert. Während der Notfallsanitäter – früher Rettungsassistent – ein Ausbildungsberuf ist, ist das der Rettungssanitäter nicht. Aber diese Ausbildung könnte die Basis für den Schritt sein, doch noch Notfallsanitäter werden zu wollen.

Voraussetzungen für die Ausbildung zum Rettungssanitäter sind unter anderem der Hauptschulabschluss, der Führerschein der Klasse B, um dann noch die C1 zu erreichen, und ein Polizeiliches Führungszeugnis. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre, berichtete Christian Wulfänger.

Oftmals weite Wege zu den Berufsschulen

Der Auszubildende gehörte am Donnerstag zu denjenigen, die in der BBA über ihre Berufe berichteten. Weil derzeit keine oder kaum Betriebspraktika möglich sind, hatte Nancy Mühlenberg, Bereichsleiterin des Bildungszentrums in Havelberg, mit ihrem Team Firmen und Institutionen eingeladen und ein Konzept erarbeitet, das die Berufsvorstellung unter Corona-Bedungen ermöglichte. Zudem ist es auch für Betriebe derzeit nicht leicht, Jugendliche anzusprechen. Augenmerk legte sie dabei auch auf nicht so typische Berufe. Und so gehörte das Bestattungshaus Schmiedl zu denen, die in die BBA gekommen sind. Aus Schönhausen kam Kaminbauer Frank Döring in die Hansestadt. Er suche bereits seit vier Jahren einen Auszubildenden. Ein möglicher Hinderungsgrund, dass sich Jugendliche nicht für eine solche Ausbildung entscheiden, könnte der weite Weg zur Berufsschule sein, die sich in Thüringen befindet. Dass junge Leute oft weite Wege zur Berufsschule in Kauf nehmen müssen, weiß Nancy Mühlenberg. „Das hat sich auch heute wieder bestätigt.“

Wer eine Laufbahn bei der Polizei anstrebt, muss zur Fachhochschule in Aschersleben. Über die Zugangsvoraussetzungen und Ausbildungs- sowie Studienmöglichkeiten informierten die beiden Regionalbereichsbeamten Guido Schulz und Axel Ritter die Teilnehmer der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme BVB. Neben verschiedenen anderen Zugangsvoraussetzungen wie das Mindestalter von 16 Jahren und der Realschulabschluss für die zweieinhalbjährige Ausbildung in der Laufbahngruppe 1 oder Abitur für das dreijährige Studium in der Laufbahngruppe 2 zählt eine Mindestgröße von 160 Zentimetern dazu.

Chancen für Ausbildung stehen gut

Apotheker Gerald Friedl aus Havelberg berichtete über die Ausbildungsmöglichkeiten zum Pharmazeutisch-Technischen Assistenten und Pharmazeutisch-Kaufmännischen Angestellten. Toralf Gennermann von der Physiotherapie Lemme stellte die Vielfalt seines Berufes vor. Warum er mit Augenoptiker den richtigen Beruf gewählt hat, berichtete Alexander Möbius mit großer Begeisterung. Der 22-Jährige aus Schönhausen lernt im zweiten Lehrjahr bei Annica Bernhardt in Havelberg diesen Beruf. Mindestens den Hauptschulabschluss sollte man haben. Die 13 Lernfelder werden in der dreijährigen Lehrzeit an der Berufsschule in Magdeburg unterrichtet. Nach anderthalb Jahren erfolgt die Gesellenprüfung 1. Sein Ergebnis kennt Alexander Möbius noch nicht, aber er hat ein gutes Gefühl, wie er sagt. Gute Kenntnisse in Physik und Mathematik sollte mitbringen, wer sich für den Beruf des Augenoptikers entscheidet, ebenso sollte man sich gut ausdrücken können und ein Gespür für modisches Verständnis besitzen, „damit wir den Stil des Kunden mit der Brille gut ergänzen können“, machte er darauf aufmerksam, dass es nicht nur ums gute Sehen geht.

Dass teilweise Betriebe ihre Auszubildenden zum „Tag der Berufe“ geschickt haben, war eine sehr gute Idee, findet Nancy Mühlenberg. Für die jungen Leute in der BVB, die zum Teil gerade ihren Hauptschulabschluss vorbereiten, andere ihren Realschulabschluss schon in der Tasche haben, geht es darum, sich für eine Ausbildung zu entscheiden. Die Chancen seien gut, angesichts des Fachkräftemangels wird Nachwuchs gesucht, weiß sie aus Erfahrung. Wichtig sei, dass die Jugendlichen bereit sind und den Mut haben, die Herausforderung anzunehmen. Anregungen haben sie bekommen. So fand Benjamin Kloß die Vorstellung des Berufes des Augenoptikers interessant. Tony Hochschild gefallen die Berufe des Physiotherapeuten und Rettungssanitäters.

Alexander Möbius erlernt den Beruf des Augenoptikers.
Alexander Möbius erlernt den Beruf des Augenoptikers.
Foto: Andrea Schröder
Christian Wulfänger informierte die Jugendlichen über die Möglichkeiten, im Rettungsdienst zu arbeiten. Er wird Notfallsanitäter.
Christian Wulfänger informierte die Jugendlichen über die Möglichkeiten, im Rettungsdienst zu arbeiten. Er wird Notfallsanitäter.
Foto: Andrea Schröder