Neues „Spatzennest“ löst den Altbau von 1956 ab

Ein letzter Gang durch den alten Schönhauser Kindergarten

Auch wenn sie mitten im größten Umzugstrubel stecken – das Schönhauser Kita-Team nahm sich die Zeit, um sich mit Ehemaligen vom alten Kindergarten zu verabschieden.

Von Anke Schleusner-Reinfeldt
Ein letzter Gang über den Flur des Kindergartens. Hier stehen die Geladenen vor dem Bauernhof-Wandbild, das in den 90-er Jahren von Thomas Mißfeld angefertigt worden war.
Ein letzter Gang über den Flur des Kindergartens. Hier stehen die Geladenen vor dem Bauernhof-Wandbild, das in den 90-er Jahren von Thomas Mißfeld angefertigt worden war. Foto: Anke Schleusner-Reinfeldt

Schönhausen - Hier haben sie einst schöne Arbeitsjahre verbracht. Als Christa Jacobs, Edelgard Rose, Ingrid Raeder, Doris Köppen und Brunhilde Rinke von Kita-Leiterin Anja Marschall-Skuppin und ihrer Stellvertreterin Anika Dertz durchs Haus schlendern, werden viele Erinnerungen wach – es tauchen all die schönen Bilder von einst wieder im Kopf auf und lassen ein wenig Wehmut aufkommen. Denn gestern spielten zum letzten Mal 34 Krippenkinder in dem Haus, das 1954 erbaut worden ist. Der Einzug ins neue Nest steht bevor.

Unter Federführung von Friedhelm Huth und Manfred Lüder und der Mithilfe vieler Helfer in Feierabendarbeit war der Kindergarten gebaut worden, Eltern packten beim Spielplatz- und beim Zaunbau zu. Schon bald reichte der Platz nicht mehr und mit dem Anbau gab es nicht nur einen zusätzlichen Gruppenraum, sondern auch eine Zentralheizung, die die alten Kachelöfen in den Gruppenräumen ablöste. Rasant stieg die Kinderzahl und Ende der 80-er Jahre wurde nebenan ein Neubau gesetzt, der durch einen Zwischenbau beide Gebäude verband. „Zeitweise waren wir bis zu 140 Kinder, es gab drei älteste Gruppen mit Kindern, die zur Schule wechselten“, erinnert sich Edelgard Rose. Sie war nicht nur bis 2012 Erzieherin im „Spatzennest“ (Namensgeberin war übrigens Anfang der 90-er Jahre Ingrid Raeder), sondern sie spielte hier 1955 selbst schon als Kind. Zu diesem Zeitpunkt war Herta Scholz Leiterin – mit 19 Jahren die Jüngste im Kreis Havelberg. In die Liste der Leiterinnen reihten sich unter anderem Wilma Könnecke, Christa Jacobs, Ines Wille, Angela Hensche und seit 2014 Anja Marschall-Skuppin ein.

Mit dem Handwagen zum Einkauf

In Schönhausen noch gut bekannte Namen der Erzieherinnen wie beispielsweise Ingrid Bachmann, Hanna Reinhard, Ingrid Rehfeld, Dagmar Schulze und Elke Krüger fallen beim Schwelgen in Erinnerungen. Und so viele Details fallen den Ehemaligen ein, die sich über die Einladung und das Beisammensein sehr gefreut haben. So erzählen sie, wie die Küchenfeen täglich losgezogen sind zum Konsum, um Milch, Brot, Butter und alles, was sie zum Kochen des Mittagessens brauchten, einzukaufen. „Wir hatten die schönen robusten Ledertaschen von Ernst Elling, da passte ordentlich etwas rein. Im Winter ging es mit dem Schlitten los. Von der LPG bekamen wir Kartoffeln und Äpfel geschenkt“, erzählt Christa Jacobs. Gleich nach der Wende kamen die Krippenkinder dazu – ihr Haus nebenan wurde als Grundschule gebraucht.

„Wenn Neues kommt, muss Altes weichen“, sehen die Ehemaligen es ganz pragmatisch, dass der Kindergarten von nun an leer steht und auch zu einem späteren Zeitpunkt abgerissen wird. „Der Zustand wäre wohl besser, wenn frühzeitig etwas am Dach gemacht worden wäre. Aber so regnete es immer durch und wir hatten Probleme mit Feuchtigkeit und Schimmel“, erzählt Christa Jacobs an der Kaffeetafel. Dafür hatten Kirsten Mika und Christina Behrend Kuchen gebacken.

Einweihung am 11. September

Auf den Rundgang durch das neue Nest freuen sich die Ehemaligen schon. Am 11. September, wenn Einweihung gefeiert wird, sind auch sie eingeladen, sich ein Bild zu machen.

Bis dahin bleibt viel zu tun: Heute und morgen packen alle Erzieherinnen, Hausmeister und Gemeindearbeiter zu, um die letzten Möbel und vor allem auch die Geräte aus der Küche umzuräumen. Alles Entbehrliche ist schon in den letzten zwei Wochen ins neue Haus gebracht worden.

Dank den Eltern und dem Team

Weil jede helfende Hand gebraucht wird, bleiben alle Kinder an beiden Tagen zu Hause, „vielen Dank den Eltern für ihr erneutes Verständnis“. Anja Marschall-Skuppin weiß auch, wie viel dem gesamten Team nun zum Abschluss der Bauzeit noch einmal abverlangt wird. „Es waren zusätzlich mit den Corona-Einschränkungen harte Monate für alle. Nun noch ein letzter Kraftakt und dann können wir am Montag unsere Kinder willkommen heißen.“ Ein großes Dankeschön schickt sie auch nach Klietz, wo das „Storchennest“ seit September ein sehr guter Gastgeber war.

Christa Jabobs und ihre ehemaligen Kolleginnen freuen sich über die Einladung und dankten Leiterin Anja Marschall-Skuppin und ihrem Team mit kleinen Präsenten.
Christa Jabobs und ihre ehemaligen Kolleginnen freuen sich über die Einladung und dankten Leiterin Anja Marschall-Skuppin und ihrem Team mit kleinen Präsenten.
Foto: Anke Reinfeldt
Die Erzieherinnen nutzten in den zurückliegenden zwei Wochen  jede freie Minute, um Spielzeug und andere Utensilien   ins neue Nest zu bringen – hier Anke Fackendahl und Jana Liestmann.
Die Erzieherinnen nutzten in den zurückliegenden zwei Wochen jede freie Minute, um Spielzeug und andere Utensilien ins neue Nest zu bringen – hier Anke Fackendahl und Jana Liestmann.
Foto: Anke Reinfeldt