Gesamtkonzept Elbe dient als Handlungsgrundlage für den Fluss

Die Bundesministerien für Verkehr und für Umwelt hatten 2010 die Initiative für die Erarbeitung eines Gesamtkonzeptes Elbe (GKE) von Bund und Ländern von der deutsch-tschechischen Grenze bis zum Wehr Geesthacht bei Hamburg ergriffen. Dieses soll als Handlungsgrundlage dienen und dabei Synergien nutzen, welche die umweltverträgliche verkehrliche Nutzung der Binnenelbe und die wasserwirtschaftlichen Notwendigkeiten mit der Erhaltung des wertvollen Naturraums in Einklang bringen. Wert wird auf die Zusammenarbeit mit Interessenvertretungen gelegt.

Weil mit dem GKE noch nicht alle langfristigen Zukunftsfragen beantwortet werden konnten, wurde ein gemeinsamer Handlungsrahmen für die Entwicklung der Elbe in den kommenden 20 bis 30 Jahren definiert.

In das Gesamtkonzept für eine Entwicklung der Schifffahrtsstraße Elbe fließen die unterschiedlichen Ansprüche an die Elbe gleichberechtigt ein.

Zu den Grundsätzen der Zusammenarbeit gehört die Entwicklung einer Strategie für die Binnenelbe, die die bisherige eher abschnittsweise Denk- und Handlungsweise ersetzt. Ziel ist die gleichrangige Betrachtung der erforderlichen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der verkehrlichen Nutzung und der Anforderungen an den Gewässer-, Auen- und Naturschutz.

Berücksichtigung finden auch Bereiche wie Hochwasserschutz, Energiegewinnung, Fischerei, Land- und Forstwirtschaft, Industrie, Siedlung und Bebauung sowie Tourismus.

Quelle: Gesamtkonzept Elbe – Strategisches Konzept für die Entwicklung der deutschen Binnenelbe und ihrer Auen

Havelberg l Fasanenholz heißt eine Insel an der Elbe bei Havelberg, die aktuell über einen Damm von der Elbstraße aus zu erreichen ist. Das soll sich ändern. Der Altarm der Elbe im Möwenwerder soll wieder durchströmt werden – so, wie es früher einmal war. Eine alte Karte zeigt, dass der Elbarm bis 1830 durchlässig war. Im Ausschuss für Ordnung, Umwelt und Tourismus stellten Rocco Buchta, Leiter des Nabu Institutes für Fluss- und Auenökologie Rathenow, und Projektbetreuerin Bianca Loos das Renaturierungsvorhaben vor. Es ist zunächst eine Projektskizze, die dazu dient, Fördergelder zu beantragen.

Im Zuge des Gesamtkonzeptes Elbe (GKE) sind verschiedene Maßnahmen vorgesehen, die darauf abzielen, einerseits bessere Bedingungen für die Schifffahrt zu schaffen und andererseits durch begleitende Maßnahmen etwas für den Naturschutz zu unternehmen. Der Naturschutzbund Nabu gehört dem Beirat an, erklärte Rocco Buchta. Im Bereich Havelberg und in Sandau an „Müllers Hafen“ sind zwei Altarm­anschlüsse angedacht. Die Altarme würden irgendwann verlanden und als Lebensraum verschwinden. „Wenn sie wieder angeschlossen sind, gewinnen wir Lebensraum und ein Stück natürlichen Fluss zurück“, erklärte Rocco Buchta. Als Beispiel nannte er den Maifisch, dessen Rückkehr in die Elbe durch solche Altarmschlüsse unterstützt wird.

Erste Gespräche hat es bereits mit Landkreis, Bürgermeister, Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt sowie Landwirt und Anglern als Nutzer der Bereiche gegeben. Das Fasanenholz würde durch den Rückbau des Dammes zur Insel werden und wäre nur noch per Boot zu erreichen. Um die Zugänglichkeit weiter zu gewährleisten, müsste eine Brücke errichtet werden, so die Forderung der Stadt als Eigentümerin der Fläche und des Landwirtes als Pächter. Auch die sogenannte Eichenschlenke soll erreichbar bleiben.

Der Altarm wäre ganzjährig durchströmt. Zudem würden zwei Flutrinnen entstehen, die bei Mittelwasser durchströmt werden. Ein Vorteil bei Hochwasser – die Überströmung der Aue würde sich verbessern, so Bianca Loos. Sie stellte im Detail das Vorhaben in Havelberg vor und riss Müllers Hafen bei Sandau nur an. Aufgrund der Corona-Auflagen galt es, die Sitzungsdauer so kurz wie möglich zu halten.

Förderantrag wird gestellt

Bedingungen für das Projekt sind neben der weiteren Erreichbarkeit der Fasanenholz­insel und der Eichenschlenke, dass die Renaturieungsmaßnahme keine negativen Auswirkungen auf die Gierseilfähre Räbel etwa durch Strömungsveränderungen hat.

Zum Zeitplan berichtete Bianca Loos, dass die Projektskizze mit Partnern zeitnah abgestimmt wird. Im ersten Quartal 2021 soll die Förderskizze eingereicht werden. Kommt die Bewilligung dann bis Ende des Jahres, würden die Planungsleistungen im Jahr darauf ausgeschrieben und vergeben. Nach Entwurfs- und Genehmigungsplanung sowie Genehmigungsverfahren inklusive intensiver Abstimmung mit der Stadt könnte 2028 die Ausführungsplanung fertig sein und der Bau beginnen. Dafür sind vier Jahre jeweils in den Monaten Juli bis März vorgesehen.

„Wir schlagen eine Maximalvariante vor, um ausreichend Fördergelder erhalten zu können. Im Zweifel wird es günstiger und nicht teurer“, sagte Rocco Buchta und verwies auf die Maxime des Nabu, „dass die Maßnahmen zielführend, machbar und gewollt sind“.

So verfahre das Institut, das das Großprojekt Havelrenaturierung betreut, seit 2005. Es werde nichts zur Genehmigung eingereicht, das nicht gewollt ist. Zu dem sehr langen Zeitraum bis zur Umsetzung des Planes erklärte der Institutsleiter, dass die Elbe als schnell fließendes Gewässer im Gegensatz zur Havel keinen Fehler verzeiht. Deshalb sind im Vorfeld zahlreiche Abstimmungen und Untersuchungen erforderlich.

Deutlich machte er zudem, dass der Nabu für Regulierungen und Verbote in Schutzgebieten – Stichwort Natura 2000 – nicht verantwortlich sei. „Wir gestalten.“

Landwirt Hark Arfsten vom „Gut Müggenbusch“ nutzte die Sitzung für einige Fragen. Der Pächter der Fasanenholzinsel machte deutlich, dass er die Sicherheit haben müsste, „das Leben meiner Tiere auch bei Hochwasser schnell retten zu können“. Bisher sei immer eine einvernehmliche Lösung auch mit den Nutzern gefunden worden, sagte Rocco Buchta.