Schönhausen l In welchem Jahr ist der Speicher neben der Schule abgebrannt – 1993 oder 1994? Ein Blick in die Chronik der Schönhauser Feuerwehr gibt Aufschluss. Denn die Chronik ist nun fertiggestellt. Karl-Heinz Pick, seit knapp zwei Jahren im Wehrleiter-Ruhestand, hat sich die Mühe gemacht und alles Wissenswerte der letzten Jahre zusammengetragen.

1993 hatte der damalige Bürgermeister Norbert Tanne der Wehr zu ihrem 100. Geburtstag die Chronik geschenkt – mit vielen leeren Seiten. Die füllten sich fortan bis 2004. Zunächst hat er selbst die wichtigsten Daten und alle Einsätze eines Jahres vermerkt, dann übernahm Doreen Koch diese Aufgabe und auch Mario Pultermann gehört zu den Chronik-Schreibern. Aber 2004 schlief das dann ein, die Chronik blieb unangerührt im Versammlungsraum des Gerätehauses liegen. Karl-Heinz Pick, seit 1999 Wehrleiter, führte lediglich die Protokollbücher – und das sehr akribisch. Dass aber die Chronik nicht weitergeführt wurde, nagte doch an ihm. „Irgendwann“ wollte er sich daran setzen. Aber während seiner aktiven Jahre, in denen er auch noch als Gemeindewehrleiter Verantwortung für alle Wehren im Elbe-Havel-Land trug, bot sich dafür einfach keine Zeit.

Arbeitszimmer zeugt von seinem Hobby

Die hat er nun. Und die Feuerwehr liegt ihm natürlich weiter am Herzen. Er ist Gründungsmitglied des Fördervereins und auch zweiter Vorsitzender, natürlich Mitglied der Ehrenabteilung. „Und ich interessiere mich selbst ja sehr für Geschichte, nicht nur für die der Feuerwehr“, begründet er seine Initiative. Sein Arbeitszimmer zeugt von seinem Hobby. Hier gibt es unendlich viele Erinnerungen an seine Feuerwehrzeit. Denn immerhin schon als 15-Jähriger ist er, in Scharlibbe aufgewachsen, im Jahr 1969 Mitglied der dortigen Wehr geworden; mit dem Umzug nach Schönhausen 1976 wechselte er auch die Wehr und bildete sich stets weiter, bis er irgendwann so viel Wissen erlangt hatte, dass er Verantwortung übernehmen konnte.

Ab 2004 war also alles nachzutragen. Wegen der Protokollbücher, in die Karl-Heinz Pick auch Volksstimme-Beiträge von den größten Einsätzen klebte, war das zwar nicht schwierig, aber doch zeitaufwendig. „Zehn Stunden pro Jahr kamen da schon zusammen. Es muss ja auch alles sauber und ordentlich und vor allem richtig in so einem Werk stehen.“

Die meisten Seiten nimmt natürlich das Jahr 2013 ein. Denn die Flut, die auch das Gerätehaus in der Breitscheidstraße einen halben Meter unter Wasser setzte, verlangte den Kameraden viel ab. Etliche von ihnen quartierten sich im Obergeschoss ein, unternahmen von hier aus Einsatz- und Kontrollfahrten. Unter anderem mussten immer wieder Tiere gerettet werden. Vermerkt sind 38 Einsätze, aber es waren über die etwa zwei Wochen, in denen das Wasser stand, weitaus mehr, „die Kleinigkeiten haben wir gar nicht aufgeschrieben“.

Kriegszeit fehlt

Es gibt auch noch eine alte Schönhauser Chronik, die ab der Gründung 1893 bis 1952 von den Wehrleitern geschrieben wurde. Die Seiten der Jahre 1943 bis 1945 fehlen allerdings – herausgerissen von Unbekannt. Nicht ganz leicht ist es, darin zu lesen, denn gerade in den Anfangsjahren ist die Schrift Sütterlin, „da hatte mir kurz vor der Flut noch der bald darauf verstorbene Hans Paulsen bei der Übersetzung geholfen“. In den dann folgenden DDR-Jahren ist die Chronik spärlich geführt. Das ändert sich dann erst wieder mit dem 100. Geburtstag.

Neben der Chronik, die er nun vollendet seinem Wehrleiter-Nachfolger René Köhler übergeben wird, bleiben die Protokollbücher für Karl-Heinz Pick wichtiges Zeugnis der Schönhauser Feuerwehr-Geschichte. „Die führe ich auch erst einmal weiter. Die Daten liefert mir der Wehrleiter.“ Wer die Chronik, für die noch ein neues Buch anzuschaffen ist, dann weiter schreibt, ist in den Reihen der Aktiven noch festzulegen. Vielleicht gibt es ja 2023 zum 130. Geburtstag der Schönhauser Feuerwehr wieder ein Buch mit vielen leeren Seiten zum Beschreiben ...

Der Brand des Speichers in der Bismarckstraße war übrigens im Oktober 1994.