Sandau l Genau sind es 567.000 Euro, die aus dem Programm zur „Förderung städtebaulicher Maßnahmen in kleineren Städten und Gemeinden“ für das Rathaus in Sandau fließen. Diese Zahl trug Sachsen-Anhalts Bauminister Thomas Webel (CDU) am Mittwoch ins städtische Gästebuch ein, bevor er seinen Besuch mit seiner Unterschrift besiegelte und natürlich auch den Fördergeldbescheid an den Sandauer Bürgermeister Henry Wagner übergeben hatte. Dieser hatte ihn allerdings nicht lange in seinen Händen. Verbandsbürgermeisterin Steffi Friedebold bekam ihn. Die Verwaltung erledigt schließlich auch alles, um die Sanierung des Rathauses in die Wege zu leiten und zu begleiten.

Mit gut zwei Millionen Euro Kosten rechnet das Elbestädtchen für die Sanierung insgesamt. Mit der Finanzierung soll Sandau aber auch künftig nicht allein gelassen werden. Der Minister kündigte an, dass von Seiten des Landes weitere Fördermittel eingeplant sind. Henry Wagner geht von einer Bauzeit von drei Jahren aus. Das 300 Jahre alte Gebäude, dessen Bau in den Jahren 1713/14 begann und 1718 vollendet wurde, soll von grundauf saniert und modernisiert werden. Er rechnet damit, dass sich im Verlaufe der Arbeiten noch die eine oder andere bauliche Überraschung zeigen wird. Bei solch einem alten Gebäude keine Seltenheit.

Geld durch Landverkauf

Die Sanierung des ortsbildprägenden und denkmalgeschützten Hauses ist längst überfällig. Zwar gab es in den zurückliegenden hundert Jahren immer wieder Arbeiten, doch hätten die nicht unbedingt zur Verbesserung beigetragen und die Statik ins Wanken gebracht. Das Stadt­oberhaupt verwies auf die Besonderheit des Gebäudes: das Mansarddach als eines der ältesten dieser Art, die es in Deutschland gibt. Benannt ist es nach dem französischen Architekten François Mansart und dessen Großneffen Jules, die diese Dachbau-Technik in Paris populär gemacht hatten. Durch die im unteren Bereich abgeknickten Dachflächen lässt sich auch das Dachgeschoss gut als Raum nutzen. Im Sandauer Rathaus wurde dieser Bereich lange Zeit für Büroräume genutzt, bis das Dachgeschoss dann als erste Notsicherung des Gebäudes 2013 leergeräumt und entkernt wurde. Welche Schäden manche Holzbalken dort aufweisen, zeigte Henry Wagner gestern dem Minister. Mit dabei war auch Landtagsabgeordneter Chris Schulenburg (CDU). Allerdings ist ihm als Sandauer Stadtrat das Haus natürlich bekannt.

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„Die Sanierung des Rathauses stellt uns vor eine riesengroße Aufgabe“, sagte Henry Wagner. Ein glücklicher Umstand ist es für die in Konsolidierung befindliche Stadt, dass sie aufgrund der Deichrückverlegung Land verkaufen konnte und somit den Eigenanteil für die Sanierung gesichert hat.

Das Rathaus soll nach Sanierung und Umbau, die die Barrierefreiheit mit berücksichtigen, nicht nur wieder das Bauamt der Verbandsgemeinde, die Touristinfo und das Bürgermeister-Büro beherbergen. Es soll vielmehr ein Haus der Begegnung für die Elbestädter und die Einwohner der Region werden. Auch eine moderne Arztpraxis soll Platz finden.

Ort der Begegnung

Diese vielfältige Nutzung mit Ausstrahlung auf die Region ist genau das Ziel des Förderprogramms, aus dem die 567.000 Euro fließen, sagte der Minister. Es ist gedacht für Kommunen, die wie Sandau nicht in die Dorferneuerung oder Städtebauförderung fallen. Gerade im ländlichen Raum sei es wichtig, Orte der Begegnung zu schaffen, damit die Menschen sich treffen können.

„Wir freuen uns, dass wir mit Hilfe von Fördergeldern in der Region etwas bewegen können“, sagte Steffi Friedebold. Wohin die zwölf Mitarbeiter des Bauamtes während der Bauphase ziehen werden, soll der Verbandsgemeinderat Anfang des neuen Jahres beschließen. Zwei Objekte stehen in engerer Auswahl. Welche das sind, wollte sie noch nicht sagen. Dass die Verwaltung nach der Sanierung wieder ins Rathaus einzieht, stehe fest. „Die Zweigstelle von Schönhausen ist Teil der Verbandsgemeindevereinbarung und daran wird auch nicht gerüttelt.“

2018 ist es genau 300 Jahre her, dass der erste Bürgermeister in das neue Rathaus eingezogen ist. Es wird wohl auch das Jahr sein, in dem ein Bürgermeister auszieht – zumindest befristet. Im Nebengebäude, in dem sich jetzt die Arztpraxis befindet, ist Platz für das Stadtoberhaupt. Das in den 1990er Jahren teilsanierte Haus hat auch einen Versammlungsraum, in dem der Stadtrat während der Bauphase tagen könnte.