Hochwasserschutz

Freie Deich-Fahrt für Radler von Klietz bis Jerichow

Die Elbdeichsanierungen im Elbe-Havel-Land sind erneut einen großen Schritt vorangekommen: Jetzt wurde der letzte von fünf Bauabschnitten nahe Hohengöhren vom Landesbetrieb abgenommen.

Von Ingo Freihorst 22.07.2021, 15:56
Vertreter der bauausführenden Firmen und Büros waren bei der Abnahme der Deichbaustelle auf Höhe Hohengöhren durch den Landesbetrieb für Hochwasserschutz anwesend.
Vertreter der bauausführenden Firmen und Büros waren bei der Abnahme der Deichbaustelle auf Höhe Hohengöhren durch den Landesbetrieb für Hochwasserschutz anwesend. Foto: Ingo Freihorst

Hohengöhren - Insgesamt 1650 Meter lang war der letzte Abschnitt, welcher gestern an der Deichabfahrt zum Grundstück Prigge bei Hohengöhren vom Bauherren, dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW), abgenommen wurde. Hier hatte sich zugleich das südliche Ende der mit über fünf Kilometern ziemlich langen Deichbaustelle befunden. Nördliches Ende war auf Höhe des vom alten Klietzer Bahnhof zur Elbe führenden Weges.

Der Deich wurde überall normgerecht saniert. Er wurde entsprechend der Vorgaben im Schnitt um 80 Zentimeter erhöht, entsprechend verbreitert und mit einer befahrbaren Berme auf der Landseite ausgestattet. Gerade hier bei Hohengöhren hatte es 2013 nämlich Probleme gegeben, wegen des überschwemmten Hinterlandes an den abgerutschten Deich zu gelangen. Mit einer Berme ist das nun kein Problem mehr. Diese wurde ebenso wie die Krone asphaltiert oder erhielt eine Betonspurbahn.

Geld kam aus einem europäischen Fonds

Die Arbeiten in diesem Abschnitt hatten im August 2019 begonnen, den Auftrag hatte die Firma Ostbau aus Osterburg bekommen. Wegen ungeplanter Hindernisse war man etwas in Verzug geraten. Insgesamt vier Millionen Euro aus dem europäischen ELER-Fonds wurden in diesen Abschnitt investiert. Für den Naturschutz werden als Ausgleich mehrere Weiden im Deichvorland gepflanzt sowie einige Temporargewässer angelegt.

Marco Schirmer lobte zudem die gute Zusammenarbeit mit den Kommunen und dem Landkreis. Teils hatte das Bauamt Wegebau-Projekte wegen der Deichsanierungen verschoben – denn diese dienten als Baustraße.

Wehrmachts-Stellungen beiderseits des Deiches

Allerhand Arbeit hatten im Vorfeld der Bauarbeiten auch die Kampfmittelräumer, berichtete der LHW-Projektverantwortliche Tobias Koch. Immerhin 13 Male musste die Munition vor Ort gesprengt werden, da sie nicht mehr transportfähig war. Vor allem Panzergranaten und Panzerfäuste waren in den einstigen Stellungen der Wehrmacht gefunden worden. Und zwar beiderseits auf dem Deich: Erst hatten sich die Soldaten gen Westen gegen die Amerikaner verteidigt, danach gegen die vom Osten anrückenden Rotarmisten. Die einstigen Stellungen waren auf Luftbildern zu sehen gewesen.

Seit Mai 2019 wurde hier der Elbdeich saniert

Seit Mai 2019 wurde in dem Bereich gearbeitet, weshalb auch die Radfahrer über die Dammdörfer nach Schönhausen umgeleitet wurden. Jetzt haben sie jedoch zwischen Klietz und Jerichow wieder freie Fahrt auf dem Elbdeich, bis auf einen Kilometer an der Schönhauser Bahnbrücke ist dessen Krone fast durchgehend asphaltiert. Und zwar zweieinhalb Meter breit. Der Weg auf der Berme ist drei Meter breit. Asphaltiert wurde die Krone zwecks besserer Deichverteidigung, aber auch mit Blick auf den Fahrradtourismus.

Für diesen letzten Abschnitt an der Bahnbrücke erfolgte jetzt die Submission, im September sollen dort die Arbeiten beginnen. Sind diese abgeschlossen, ist die gesamte Deichtrasse im Elbe-Havel-Land durchsaniert. Aktuell laufen noch Arbeiten an drei Abschnitten bei Scharlibbe und Schönfeld, informierte LHW-Flussbereichsleiter Marco Schirmer. Teilweise muss auch hier eine Spundwand eingerammt werden. Die beiden Baustellen auf Höhe Scharlibbe schließen unmittelbar an die Schönfelder Baustelle an.