Kamern l Kamern l „In eine solche Schule wäre ich selbst gerne gegangen“, schwärmte Mutti Barbara Hallmann aus Havelberg nach dem Rundgang durch die Einrichtung. Das altersgemischte Lernen, wie es hier praktiziert wird, findet sie toll. Darauf habe sie schon geachtet, als sie ihre Kinder in die Kita brachte. „Die Freie Schule ist ein Abenteuer und wir machen es jetzt mit“, sah es die Mutti, welche hier ein Kind untergebracht hat. „Die Schule steht für den Aufbruch einer ganzen Region im Angesicht des demografischen Wandels – der Untergang ist also abgesagt!“ brachte sie ihre Sicht auf die Dinge auf den Punkt.

Das konnte Schulleiterin Katharina Bensch nur bestätigen. Wegen der Freien Schule sind junge Familien aus dem Berliner Raum extra nach Kamern gezogen, denn in der Hauptstadt sind keine Plätze an solchen Einrichtungen mehr zu bekommen. Die Anmeldeliste für die 1. Klasse im nächsten Schuljahr ist bereits übervoll.

Keine Zensuren für Kinder

Vielleicht liegt es auch daran, dass es in Kamern keine Zensuren gibt. Auch an staatlichen Schulen wird inzwischen darüber diskutiert, in Havelberg an der Grundschule war dies aber erst jetzt von den Eltern abgelehnt worden.

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Die Lehrer sehen sich in Kamern als Lernbegleiter, die 14 Kinder der Klassenstufen 1 bis 3 bilden eine Lerngruppe. Der Unterricht in Blöcken beginnt um 8.15 Uhr und endet um 15 Uhr.

Morgenkreis eröffnet den Tag

Der Schultag beginnt mit einem Morgenkreis. Im ersten Block wird dann der Wochenplan abgearbeitet, bei der Freiarbeit suchen sich die Kinder zudem selbständig eine Aufgabe – auch im Team. Der zweite Block ist Kursen, Werkstätten und Projekten vorbehalten – so gibt es Druck-, Holz- und Umweltwerkstätten sowie das Filzen, das Töpfern soll noch hinzukommen.

Ab dem 3. Schuljahr wird Englisch angeboten, am Montag ist Waldexkursionstag – wo auch schon Pilze gesammelt wurden, donnerstags wird in der Halle Sport getrieben und am Freitag wertet der Lerngruppenrat die Woche aus.

Zwischen den drei Blöcken gibt es Pausen von mindestens 45 Minuten, so kann man auch sein Frühstück in Ruhe verzehren und hat danach noch genügend Zeit für Bewegungsspiele auf dem Schulhof: Steh – Geh, Fangen, Fußball oder Power-Verstecken etwa. Was den Kindern hier so alles zur Verfügung steht, wurde ebenfalls präsentiert. Eine Betreuung ist früh ab 7.45 Uhr abgesichert, längerfristig soll auch ein Hort eingerichtet werden. Als Alternative gibt es den nahen Jugendklub am See.

Dass die Kinder in der vom neugierig-Verein geführten Einrichtung beizeiten selbständig werden, merkte man bei den Führungen durch die Schule. Denn diese übernahmen die Schüler selbst: Die erste Führung absolvierten Herada und Helen, die nächste Athaulf und Martha, die dritte dann Linda und Magdalena.

Wer wollte, konnte auch Masken aus Naturmaterialien basteln oder sich am Kuchenbasar bedienen. Oder sich draußen am Feuer wärmen, einen Rundkurs durch den nahen Wald absolvieren oder am Zielwerfen auf den hohlen Kürbis teilnehmen. Anziehungspunkte waren zudem die Gehege mit Schweinen, Schafen, Hühnern, Kaninchen und Enten – jeder Schüler hat seine Patentiere, für die er verantwortlich ist. Natürlich gibt es auch einen Schulgarten.

„Die Schüler sind hier motivierter als auf anderen Schulen und kommen entspannt nach Hause“, hatte Barbara Hallmann ebenfalls erfahren. Und darum auch schon mal ihre anderen beiden Kinder in Kamern angemeldet.