Schönhausen l Eigentlich würde Nicola Fehle-Kricheldorf heute früh um 8 Uhr ihr Frisör- studio am Schönhauser Bismarckpark freudig aufschließen und zusammen mit ihre beiden Mitarbeiterinnen die Kunden begrüßen. Waschen, schneiden, färben, fönen. Doch Kamm und Schere bleiben liegen, der Fön aus.

Die Entscheidung, das Geschäft in dieser Woche wegen der wachsenden Gefahr der Corona-Ansteckung freiwillig zu schließen, hat die Bundesregierung am Sonntagabend mit der Allgemeinverfügung Nicola Fehle-Kricheldorf und ihren Berufskollegen abgenommen. Vorerst für zwei Wochen müssen Friseurläden geschlossen bleiben – Kontaktverbot! „Das muss ich erst einmal sacken lassen“, sagt sie am Montagmorgen, als sie die Tafel am Eingang neu beschriftet und ihrer Kundschaft wünscht „Bleibt schön gesund!“

Ungewissheit macht es schwer

Das Geschäft hat sich in Schönhausen etabliert, die Stammkunden kommen gern und genießen die gemütliche, entspannte Atmosphäre. „Am meisten schmerzt, meine beiden Angestellten in Kurzarbeit null Stunden zu schicken. Ich hoffe, die versprochenen finanziellen Zahlungen erfolgen auch wirklich und vor allem zeitnah! Wir sind ein tolles Team, machen unsere Arbeit jeden Tag gern. Es gab in der vergangenen Woche auch keinen Kunden, der abgesagt hat. Und doch war die wachsende Sorge vor den Konsequenzen, die all die Einschränkungen im Alltag mit sich bringen, und bei den Älteren natürlich auch vor Ansteckung allgegenwärtig“, schildert die Friseur- meisterin gegenüber der Volksstimme die Situation. Auch, dass das Thema Flut, die 2013 ebenfalls alles auf den Kopf stellte, nun wieder hochkocht. Das Wort „Zukunftsangst“ fällt im Gespräch. Denn auch Ehemann Henri Fehle ist mit seinem Betrieb stark betroffen. Als Fisch- und Feinkosthändler hat er wegen der geschlossenen Restaurants nun kaum noch Abnehmer. „Wenn die Zeit überschaubar bleibt, kann man das überbrücken. Und die Kunden werden, sobald wir öffnen dürfen, ja auch wieder da sein. Aber es weiß eben niemand, ob es bei den verordneten zwei Wochen Schließung bleibt – diese Ungewissheit macht es so schwer.“ Unter normalen Umständen würde es der Schönhauserin nicht schwer fallen, die Freizeit zu gestalten. Reiten ist ihr Hobby, das nächste Fohlen ist in Planung, Stute „Queen Samba“ soll wieder Nachwuchs kriegen. „Aber alles, was man macht, wird von dem Gedanken an Corona überschattet, selbst beim Spaziergang akriegt man den Kopf nicht wirklich frei.“

So wie der Schönhauserin geht es auch anderen Berufskollegen.

Keine Hausbesuche mehr

Monique Worm aus Fischbeck beispielsweise. Auch wenn sie als mobile Friseurin keinen zu schließenden Laden hat, ist sie von der Verfügung betroffen. Denn sie kann beim Hausbesuch den vorgeschriebenen 1,5-Meter-Abstand natürlich nicht einhalten. Etliche ihre Kunden leben in Altersheimen, die für Besucher geschlossen sind. Also bleiben Kamm und Schere für die kommenden Tage erst einmal unangerührt. Auch Ehemann Silko hat die Arbeit in seiner KfZ-Werkstatt stark eingeschränkt, übernimmt nur noch dringende Reparaturen, um sich selbst und seine Familie zu schützen. Worms waren vor sieben Jahren beim Deichbruch von der Flut stark betroffen, „auch wenn da alles anders war, fühlen wir uns zurückversetzt und diese Zeit, als erst einmal niemand wusste, wie es weitergeht“. Aber Worms mit Tochter Vivien, die nicht zur Schule kann, bleiben optimistisch gestimmt und versuchen sich im ungewohnten Alltag von den Sorgen abzulenken.

Auch Kosmetikstudios sind betroffen

„Vorübergehend geschlossen“ steht auch an der Eingangstür des Kosmetik- und Nagelstudios von Claudia Alexander am Klietzer Kirchplatz. „Die Kunden haben Verständnis für die Terminabsagen, die Gesundheit geht vor. Schwierig wird es, wenn es dann hoffentlich bald wieder los geht, allen zeitnah einen Termin anzubieten. Dann werde ich anfangs, bis alles aufgeholt ist, wohl auch länger oder mal sonnabends das Geschäft öffnen.“

Froh ist Claudia Alexander, dass sie keine Verantwortung für eine Angestellte tragen muss. „Ich hoffe nur, dass die in Aussicht gestellten Hilfen des Bundes zumindest die Fixkosten wie Miete und Krankenversicherung decken.“ Ihr Mann ist auf dem Bau beschäftigt und hat somit Arbeit und Einkommen.