Zertifizierung

Für den Havelberger Stadtwald ist Totholz wichtig

Der Havelberger Stadtwald hat im März eine bis November gültige Zertifizierung erhalten. Nach PEFC-Standards, die für nachhaltige Waldbewirtschaftung stehen.

Von Dieter Haase
Amtsleiter André Gerdel (von links), Revierförster Stefan Swiderski und Sachgebietsleiter Dieter Härtwig vor der etwa 300 Jahre alten Eiche im Mühlenholz. Foto: Dieter Haase

Havelberg. Bereits in früheren Jahrhunderten wurde die Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft als wichtiger Aspekt angesehen. Dementsprechend ist der Wald nicht allein als Rohstoffquelle anzusehen, sondern auch als schützenswerter Lebensraum. Insofern regelt die Nachhaltigkeit die Bewirtschaftung des Waldes in ökologischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Die Fähigkeit des Forstes, seine Verjüngungsfähigkeit und Vitalität beizubehalten, ist klares Ziel der forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeit. Diese wird auch für den Havelberger Stadtwald praktiziert. Nach PEFC-Standards - PEFC steht für Programme for the Endorsement of Forest Certifikation schemes. Auf Deutsch: Programm zur Bestätigung von Forst-Zertifikations-Systemen - für insgesamt 754 Hektar.

Holzeinschlag ist ein Schwerpunkt

Für die Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung des Stadtwaldes trägt der zuständige Revierförster Stefan Swiderski große Verantwortung. „Es geht unter anderem darum, für die betreffenden Waldgebiete eine Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion zu gewährleisten“, erklärt er im Gespräch mit der Volksstimme. Einer der Schwerpunkte dabei sei die Vorbereitung auf den Holzeinschlag und der Holzeinschlag selbst, was über zu diesem Zweck beauftragte Firmen abgewickelt werde, die sich zuvor im Rahmen einer Ausschreibung um diese Arbeiten beworben hätten.

Regelmäßige Kronenpflege

Aber, so gibt er zu bedenken: „Wir können natürlich auch nur so viel Holz ernten, wie wir nachwachsen lassen“, weshalb auch der Wahl der Pflanzen eine große Bedeutung zukomme. Dieses Thema spiele immer wieder bei der Beratung mit Fachleuten eine wichtige Rolle. „Aber auch der Pflege der Bestände wird sehr große Bedeutung beigemessen, zum Beispiel der Kronenpflege der Bäume, damit diese nicht zu eng zusammenstehen“, fährt der Revierförster fort.

Wichtiger Lebensraum

Zudem schreibe das PEFC-Reglement fest, dass alles, was für die Nachhaltigkeit in einem Wald steht, auch so naturnah wie möglich erfolgen soll. Ein Beispiel: Der Wald im Mühlenholz sieht für den Laien nicht gerade aufgeräumt aus. Wohin der Betrachter auch schaut. Fast überall fallen umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste ins Blickfeld. „Dabei handelt es sich ausschließlich um Totholz beziehungsweise Biotopholz“, klärt Stefan Swiderski auf. „Dieses muss unbedingt im Wald bleiben. Denn es bietet verschiedenen Insekten und auch Vogelarten einen Lebensraum.“

Schon vorher alle Standards umgesetzt

Der Revierförster möchte in dem Zusammenhang noch anmerken, dass eine naturnahe Bewirtschaftung des Stadtwaldes für ihn und für die Stadt Havelberg auch schon vor der Zertifizierung eine Selbstverständlichkeit gewesen ist. „Die PEFC-Standards sind im Vorfeld bereits alle umgesetzt worden.“

Motorsägenschein ist Pflicht

Stefan Swiderski verweist aber auch noch auf eine ab sofort von Personen für die Brennholzwerbung zu beachtende Neuregelung. „Diese Leute müssen jetzt einen Motorsägenschein vorweisen, denn das gehört zu den Maßgaben der Zertifizierung. Wer einen solchen Schein nicht besitzt, darf im Stadtwald kein Brennholz mehr machen.“

Prächtige Eiche im Mühlenholz

„Es ist das erste Mal, dass die Stadt eine solche Zertifizierung erhalten hat“, ist von André Gerdel, Amtsleiter für Ordnung, Kultur und Soziales, im Havelberger Rathaus zu erfahren. Ganz persönlich liegt ihm unter anderem besonders der Erhalt der alten Eichen im Mühlenholz am Herzen. „Besonders prächtig ist die fast 300 Jahre alte Eiche hier anzusehen, vor der sich ein kleiner Rastplatz befindet. Ziel ist es, diesen demnächst weiter zu gestalten“, erklärt er.

Allerdings in sicherer Entfernung von dem riesigen Baum, von dem auf Grund seines Alters auch immer wieder mal ein abgestorbener Ast abbrechen könnte. Aus dem Grund sei dessen direktes Umfeld auch kein geeigneter Spielplatz für Kinder. Und er bekräftigt, dass ihm die nachhaltige Bewirtschaftung des Stadtwaldes schon immer sehr am Herzen gelegen hat. Dabei vor allem auch die Erhaltung des Biotopholzes für den Tier- und Insektenschutz.

Mehr Förderungen sind möglich

Die Zertifizierung macht für die Stadt aber auch so einiges möglich, wozu der Blick in Fördertöpfe zählt. „So können wir uns jetzt zum Beispiel beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft um die Bundeswaldprämie bewerben. Oder auch um Fördermittel für die Waldbewirtschaftung“, nennt André Gerdel Vorteile von PEFC-zertifiziertem Wald.