Umweltschutz

Für jede neue Fahrerlaubnis ein Baum

Weil Fahrschulen große Kohlendioxid-Schleudern sind, will der Havelberger Nico Liebsch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Von Dieter Haase

Havelberg l Es ist in den vergangenen Wochen noch nicht so medienwirksam dargestellt worden. Aber wie alle anderen öffentlichen Schulen sind auch die Fahrschulen aufgrund der Festlegungen des Corona-Lockdowns zum Pausieren gezwungen. Jedenfalls in Sachsen-Anhalt. „Seit Mitte Dezember sitze ich alleine in den Räumen meiner Havelberger Fahrschule“, berichtet Nico Liebsch. „Und damit auch auf den laufenden Kosten für Miete, Heizung, Kraftfahrzeuge, Kredite und anderes mehr. Ich musste bereits an meine Ersparnisse“, erklärt der junge Mann, der im Nitzower Ortsteil Dahlen zu Hause ist.

Dass er finanziell dennoch nicht ganz am Ende ist, liegt an seiner Zweigstelle in Bad Wilsnack. Diese befindet sich im Land Brandenburg. „Dort gibt es diese Einschränkung für Fahrschulen nicht. Das ist mein Glück. Denn so kann ich dort wenigstens noch mit Fahrschülern aus dieser Gegend theoretischen und praktischen Unterricht abhalten.“ Theoretischen Unterricht übrigens mit maximal fünf Schülern gleichzeitig.

Im Oktober 2020, gerade unmittelbar vor dem November-Lockdown, hatte er sich einen großen Wunsch erfüllt: Mit seiner Fahrschule war er in der Domstadt an einen neuen Standort umgezogen: in ein Gebäude in der Wilsnacker Straße. „Das Platzangebot hier ist so, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Ich denke, hier werde ich nun auch für immer bleiben.“ Der große Raum für den theoretischen Unterricht lässt mit der Anordnung der Schulbänke und Stühle einen besonders großzügigen Abstand zwischen den Fahrschülern zu. Dennoch darf hier derzeit kein Unterricht stattfinden. Denn Havelberg befindet sich nun mal im Land Sachsen-Anhalt. „Ich hoffe, dass es auch hier bald weiter gehen kann. Immer wieder rufen Fahrschüler und solche, die es werden möchten, bei mir an, um sich nach dem aktuellen Stand zu erkundigen. Mit einer konkreten Antwort kann ich dann leider nicht dienen, denn das ist ein politisches Thema, auf das ich keinen Einfluss habe. Auch als stellvertretender Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Sachsen-Anhalt habe ich den nicht.“

Die zum Teil freie Zeit hat Nico Liebsch genutzt, um eine neue Aktion für seine Fahrschule zu entwickeln, die er mittlerweile auch über Facebook publik macht. „Deine Fahrerlaubnis ist uns einen Baum wert“, hat er sie genannt. Jeden Baumkauf will er auch selbst finanzieren. „Der Hintergrund ist, dass meine Fahrschulfahrzeuge täglich eine große Menge Kohlenstoffdioxid ausstoßen und damit die Umwelt belasten. Mit den Baumpflanzungen möchte ich meinen Beitrag dazu leisten, dieses, so gut es geht, auszugleichen. Wenn das auch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Ich habe recherchiert, dass ein 60 Jahre alter Baum bis zu einer Tonne Kohlenstoffdioxid im Jahr speichern und somit unschädlich machen kann. Bei jüngeren Bäumen ist es entsprechend weniger.“ Was absolut der Wahrheit entspricht: Bäume sind die einzigen extrem günstigen und kinderleicht vermehrbaren CO2-Speicher. Sie entziehen der Atmosphäre über Jahre Kohlenstoffdioxid und binden dieses langfristig.

Mit seinem Vorhaben dürfte Nico Liebsch, was Fahrschulen betrifft, ein Vorreiter im Land Sachsen-Anhalt sein. Wie er sich den Ablauf vorstellt? „Ich rechne mit 150 bis 200 bestandenen Fahrprüfungen in einem Jahr. Das macht dann 150 bis 200 zu pflanzende Bäume. Immer zu einem Termin im Frühjahr werde ich die neuen Führerscheininhaber dann allesamt einladen mit der Bitte, ihre Bäume gemeinsam an einem Ort zu pflanzen. Jeder soll diese Möglichkeit erhalten – die Jugendlichen genauso wie die Frauen und Männer.“ In Absprache mit der Stadt Havelberg und in Kooperation mit dem Havelberger Rotary-Club „ist mir bereits eine Fläche für die Bäume angeboten worden“. Die erste große Pflanzaktion plant Nico Liebsch übrigens für das Frühjahr 2022. Darauf freue er sich schon jetzt sehr. „Das Frühjahr ist immer ein guter Zeitpunkt für derlei Aktionen. Was die Baumsorte betrifft, will ich mich demnächst noch fachmännisch beraten lassen.“