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Denkmal "Goldene Krone" soll nicht verfallen

Den Tag des offenen Denkmals nimmt Holger Schulz zum Anlass, über ein Denkmal in Havelberg zu berichten, um das er sich sorgt.

Von Andrea Schröder 07.09.2017, 01:01

Havelberg l Die Lange Straße 7 ist ein Einzeldenkmal und steht irgendwie auch offen. Offen ist es Wind, Regen, Frost ausgesetzt. Das Haus wurde um 1700 erbaut. Sieht es von vorn, in der Langen Straße auf der Havelberger Stadtinsel, noch halbwegs vernünftig aus, zeigt sich der desolate Zustand besonders auf der Hofseite von der Uferstraße aus. Da steht das Gebäude offen und ist seit Jahren allen Wetterunbilden ausgesetzt.

Als „Goldene Krone“ ist der traufständige barocke Fachwerkbau in die Geschichte eingegangen. Der Gasthof war durch seine wertvolle Stuckdecke bekannt, die er erhalten haben soll, als um 1716 ein englischer Gesandter bei seiner Reise durch Havelberg gestürzt sei und dort Quartier fand. Wegen der lang andauernden Genesung des Gesandten sei auf Kosten der englischen Regierung das Gasthaus renoviert, die Stuckdecke angebracht und in einer Ecke die blattvergoldete englische Krone eingearbeitet worden – sie soll dem Gasthof den Namen gegeben haben.

Soll. Denn als Restauratoren 2009 die Stuckdecke aufgrund ihrer Bedeutung zur Sicherstellung ausbauten, stellten sie fest, dass die erste Farbschicht keine goldene war. Die Decke wurde von der Stadt sicher eingelagert, bis sich ein Ort findet, wo sie wieder eingebaut werden kann. Verschiedene Varianten waren im Gespräch, seit einigen Jahren herrscht Ruhe zu dem Thema.

Und leider passiert auch nichts in Bezug auf das gesamte Gebäude, bedauert Holger Schulz. „Das Nachbarhaus, die Nummer 6, wurde schon bis auf ein Stück Fassade im Erdgeschoss abgerissen, soll das auch mit der Nummer 7 passieren?“ Die Sorge um das Haus treibt ihn schon länger um. Als kurz vor der Buga 2015 die Nummer 6 abgerissen wurde, rief er zu einer Mahnwache für das ebenfalls als Einzeldenkmal eingestufte Haus auf.

In Bezug auf die Nummer 7 startete er Anfang dieses Jahres seine Aktivitäten, um wenigstens die Sicherung des Hauses vor weiterem Verfall zu erreichen. Er rief bei der Eigentümergemeinschaft an, der der Komplex inklusive Töpfergasse gehört, und informierte sich bei der Stadtverwaltung. „Die zuständige Sanierungsgesellschaft aus Hamburg sagte mir, dass sie kein Interesse habe, die Stadt argumentierte damit, dass der Eigentümer für das Haus verantwortlich ist.“

Holger Schulz wandte sich an die obere Denkmalschutzbehörde im Landesverwaltungsamt und schilderte dort die Fakten. Im Mai erhielt er eine umfangreiche Antwort. Die beinhaltet neben der denkmalrechtlichen Bewertung des Gebäudes auch Angaben zu den Vorhaben des Eigentümers.

Auf dem zur Uferstraße hin befindlichen Areal sollte in den 1990er Jahren das „Domhotel“ entstehen, die Lange Straße 7 mit einbezogen werden. Deshalb wurden Nebengebäude abgebrochen, archäologische Grabungen begonnen und umfangreiche Gründungsarbeiten teilrealisiert. Zum Bau des Hotels kam es nie.

Den Ausbau und die Einlagerung der Stuckdecke hatte die Hansestadt 2009 übernommen. Zudem auch Maßnahmen zur Sicherung der Bauhülle. Als 2016 die Nummer 6 abgebrochen wurde, übernahm der Landkreis Stendal dringende Sicherungen am Fachwerkgiebel und ergänzte ebenfalls Dachziegel. Weitere denkmalrechtliche Sicherungsarbeiten waren durch die untere Denkmalschutzbehörde geplant.

Weil bis Mitte Juni noch immer nichts erkennbar war, wandte sich Holger Schulz an den Landrat. Mit der Forderung: „Das Haus muss an der Giebelfront und auf der Rückseite gegen Verfall und Witterung gesichert werden.“ Im Juli erhielt der Wöplitzer dann die Nachricht, dass es einen Vororttermin gemeinsam mit dem Eigentümer gegeben hat.

Dabei wurden notwendige Maßnahmen für den Erhalt der Gebäudesubstanz besprochen, die da sind: die Überprüfung des Fachwerkes, das Anbringen eines Wetterschutzes auf den Lehmausfachungen, das Entfernen des baumartigen Wildwuchses vor der Traufwand, die Instandsetzung der Dachentwässerung und Wegleitung des Regenwassers vom Gebäude, die Reparatur der Dachhaut im hofseitigen Traufbereich und das Verschließen offener Gefache, Tür- und Fensteröffnungen.

Die Behörde steht mit den Eigentümern dazu im Kontakt und behält die Ausführung der Arbeiten im Blick, versicherte  Dirk Michaelis, Leiter des Amtes für Bauaufsicht und Denkmalschutz in Stendal, am Mittwoch auf Volksstimme-Nachfrage.

Holger Schulz, der sich derzeit mit Ulrich Gruber ehrenamtlich in ungezählten Stunden um den Erhalt der Mauer des Stadtfriedhofes kümmert, bedauert, dass für denkmalgeschützte Häuser manchmal nur noch der Abriss bleibt, weil zu lange dem Verfall zugesehen wurde. Die Villa am Camps und die Innere Mission nennt er als Beispiele. „Warum muss immer eine Nutzung dahinter stehen, wenn es um Fördergelder geht? Wichtig ist doch auch der Erhalt von wertvollen Gebäuden.

Hier müssten sich Denkmalschutz und Stadt stärker engagieren und Initiativen ergreifen.“ Für die Lange Straße 7 hätte er sogar selbst an der Sicherung des Gebäudes mitgewirkt, indem er etwa versucht hätte, Sponsoren zu finden.