Havelberg l Glückliche Kinder bedeuten für Bärbel Preß Glück und Freude. 45 Jahre war sie Hortnerin, davon 43 in Havelberg. 20 Jahre hat sie den städtischen Hort geleitet. Nun geht sie in den Ruhestand. „Am 1. Februar 1975 habe ich meinen ersten Arbeitstag in Havelberg gehabt. Mein Mann und ich kamen von Lübs in Mecklenburg-Vorpommern hierher. Er hatte Bauwesen studiert und, wie es damals so war, wurde er nach dem Studium delegiert. In Havelberg gab es bei der ZBO eine Stelle“, denkt sie zurück.

Die Fliedertreppe ist ihr übrigens seither ein Begriff. Ihr wurde damals gesagt, dass sie zur Marchlewski-Schule diese Treppe hochgehen soll. Doch fand sie diese nicht und nur über einen anderen Aufgang den Weg. „An dieser einzügigen Schule gab es ein ganz tolles Kollegium, das mich in meiner Arbeit geprägt hat, dafür bin ich heute noch dankbar“, sagt Bärbel Preß am Tag ihrer Verabschiedung am Mittwoch. Viele Gäste begrüßte sie dazu im Hort. Nicht nur Kinder, Eltern, Elterkuratorium, Horterzieher und Lehrer aus der Grundschule nutzten die Gelegenheit, ihr alles Gute für den Ruhestand zu wünschen, sondern auch der Bürgermeister, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Mitglieder des Kultur- und Sozialausschusses des Stadtrates. „Wir verlieren mit Bärbel Preß nicht nur eine tolle Hortleiterin, sondern auch ein Stück Gesicht des Hortes“, dankte Bürgermeister Bernd Poloski. Und wirklich, wer vom Havelberger Hort spricht, verbindet ihn mit dem Namen Bärbel Preß.

Das Wohl der Kinder stand für sie immer an vorderster Stelle. Kein Wunder also, dass es am Mittwoch viele „schwitzige Augen“ gab. So auch bei Ruby Matus, die mit ihrer Mama extra vorbeischaute, obwohl sie krank war. „Sie ist lustig und immer lieb zu uns“, sagt die Drittklässlerin. Ihre Mama und ihr Papa waren bei ihr auch schon im Hort. In manchen Fällen hat sie sogar schon drei Generationen einer Familie als Hortnerin betreut.

Kreative Hobbys

„Alles hat seine Zeit und ich wünsche mir eine tolle Rente 30 Jahre lang“, macht die 63-Jährige deutlich, dass sie sich auf den Ruhestand freut. „Ich habe in meinem Leben noch nie Langeweile gehabt und freue mich auf Zeit für meine kreativen Hobbys“, berichtet sie von der Staffelei im Keller und der Nähmaschine, „die schon so lange auf mich wartet“. Und dann sind da der Garten am Haus, Besuche bei Tochter und Sohn, viele Reisen an die Ostsee...

„Man kann noch so einen Stresstag haben, mit Kindern hat man immer was zu lachen. Klar gibt es auch Schwierigkeiten, aber wenn man in die Augen der Kinder schaut, wird es schnell leichter“, beschreibt sie, weshalb sie ihren Beruf so gern ausgeübt hat. Sie war stets mit großem Engagement dabei, damit es die Kinder schön haben im Hort. Viele Spielmöglichkeiten wurden selbst gebaut, Stühle neu aufgepolstert, Schränke farblich aufgepeppt. Dabei kamen ihr ihre kreativen Ideen und handwerkliches Geschick ebenso zugute wie etwa die langjährige große Hilfe durch Manfred Behnert, der über verschiedene Maßnahmen im Hort beschäftigt war und unendlich viele Stunden ehrenamtlich leistete, um etwa Puppenhäuser zu bauen. Viele erinnern sich auch noch an die Märchenspiele der Hortkinder, wo die Kostüme und Kulissen die Handschrift von Bärbel Preß trugen.

Ihrem Nachfolger Sebastian Bergande hat sie vieles mit auf den Weg gegeben. Er übernimmt am 1. April den Hort, den aktuell gut 160 Kinder besuchen.