Flutsanierung

Idylle in Neuwerben ist bald vorbei

Bis 2020 will die Landesregierung alle Deiche sanieren. An der Elbe zwischen Havelberg und der Landesgrenze kommt man gut voran.

Von Ingo Freihorst

Neuwerben l Wer die Ruhe sucht, ist in Neuwerben genau richtig. Die meisten der acht Häuser sind darum Ferienhäuser. Doch ab dem 18. September ist es mit der Idylle vorbei: Baufahrzeuge werden anrücken, der Elbdeich wird auf anderthalb Kilometern Länge normgerecht saniert. Diese Woche fand die Bauanlaufberatung statt, Planer Daniel Wolkenstein aus Neuruppin informierte über Einzelheiten.

Bereits bei der Flut im August 2002 hatte es hier Probleme gegeben. Nach dem Extrem von 2013 wurden die Deichhöhen neu berechnet: Der Wall, auf dem die Kolonie steht, ist demnach fast einen Meter zu flach. Im Bereich der Kolonie ist nur wenig Platz, weshalb der Deichkörper auf der Wasserseite um etwa fünf Meter verbreitert und entsprechend der Vorgabe erhöht wird. Die Straße bleibt erhalten, daneben steht nach Ende der Arbeiten dann ein etwa ein Meter hoher begrünter Wall. Dazwischen entsteht zudem eine Gosse. Natürlich erhält der Wall auch eine Dichtung aus Ton.

Der zweite Abschnitt befindet sich zwischen der Kolonie und dem Spülfeld vor der Wehrgruppe. Hier wird auf der Landseite des Deiches eine Berme samt 2,5 Meter breitem Asphaltweg angebaut, damit man das Areal auch bei höherem Wasserstand erreichen kann. Denn auf der anderen Seite des Deiches befindet sich die Havel – führt diese Hochwasser, steht hier auch das Hinterland unter Wasser.

Vorhandene Kabel wie jenes vom Wasserstraßenamt müssen dazu umverlegt werden. Eine Dichtung beziehungsweise Deckwerkspflaster und -steine sind in dem Bereich bereits vorhanden, nach 2002 wurde dort schon mal saniert. Im Vorfeld fanden erste Holzungen statt, der Rest folgt im Herbst. Archäologen hatten zudem das Areal des Lagerplatzes untersucht.

Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) als Bauherr hat Gesamtkosten von etwa vier Millionen Euro eingeplant. Da es eine Flutschadensbeseitigung ist, bezahlt der Staat. Die Firma Ostbau aus Osterburg hatte die Ausschreibung gewonnen, geplantes Bauende ist im Oktober kommenden Jahres. Für den Stützkörper des Deiches werden 38.000 Kubikmeter Material benötigt, insgesamt 6200 Quadratmeter werden asphaltiert.

Damit sind die Arbeiten in dem Bereich noch lange nicht beendet. Der LHW will ab nächstem Jahr das Einlasswehr Neuwerben komplett sanieren, die Brücke wurde vor kurzem erst fertiggestellt. Zuerst werden die Schütztafeln sowie der Zulauf- und Abströmbereich erneuert.

Die wenigen Einwohner werden rechtzeitig informiert, sollte eine ihrer Zuwegungen nicht passierbar sein. Für die Radler auf dem Elberadweg bedeutet dies, dass dieser auch in diesem und im nächsten Jahr wegen der Bauarbeiten gesperrt ist. Die Umleitung führt über Nitzow und Havelberg.