Geschäftsidee

Im Doppeldecker von Scharlibbe bis nach Mallorca

Ein Gigant der Lüfte ist nun auf dem Kleinflugplatz Scharlibbe zu sehen. Flugplatzinhaber Peter Richter möchte mit der Antonov AN2 eine Geschäftsidee verwirklichen.

Von Dieter Haase
Ein Mensch sieht vor der Antonov eher wie ein Zwerg aus. Der Doppeldecker ist immerhin 4,16 Meter hoch und verfügt über eine Spannbreite von 18,18 Meter.
Ein Mensch sieht vor der Antonov eher wie ein Zwerg aus. Der Doppeldecker ist immerhin 4,16 Meter hoch und verfügt über eine Spannbreite von 18,18 Meter. Foto: Dieter Haase

Scharlibbe - „Einige Leute haben zu mir gesagt: ,Du musst verrückt sein!' Vielleicht bin ich das ja auch wirklich“, schmunzelt Peter Richter. Denn mit der Antonov AN2 hat er sich den weltweit größten Doppeldecker aus Altenburg nach Scharlibbe geholt. „Gute Kontakte haben mir das ermöglicht“, freut er sich. Zugleich hat er sich mit dem Flugzeug auch das schönste Geschenk zu seinem 65. Geburtstag gemacht, den er am 18. Mai begeht. „Ich werde diesen Tag dann zusammen mit der Antonov feiern“, meint er scherzhaft. „Ich denke, dass das völlig coronakonform ist.“

Jeden Tag wird die russische Sprache geübt

Erst einmal ist so ein großer Doppeldecker auch für Peter Richter völliges Neuland. „Über meinem Flugplatzgelände habe ich mit dem Flugzeug schon mal einige kleine Runden gedreht. Aber trotzdem gibt es erst einmal viel Neues zu beachten. So übe ich zum Beispiel im Cockpit jeden Tag, die dort vorherrschende russische Beschriftung zu verstehen.“ Denn die Antonov ist im Jahr 1958 in der damaligen Sowjetunion gebaut worden. „Ein Oldie hat sich somit zu einem Oldie gesellt, womit ich mich meine. Wir haben alle beide schon ein bewegtes Leben hinter uns“, scherzt der Pilot. „Insgesamt gibt es nur 1800 von diesen Maschinen“, hat er sich schlau gemacht. Ein ganzer Teil davon würde auch heute noch in Russland und auf Kuba im Einsatz sein.

Einweisung durch Flugkapitän

Peter Richter rechnet noch ungefähr mit zwei bis drei Wochen, bis er alles Notwendige erlernt hat. Zu diesem Zweck ist ein Flugkapitän aus Altenburg bei ihm zu Gast, der ihn umfassend an der AN2 einweist. „Von A bis Z“, wie der Scharlibber Flugplatzbetreiber erklärt. Parallel dazu erfolgt eine technische Überprüfung des Doppeldeckers, wozu am 17. Mai ein Mechaniker anreist.

Zu Reisezielen in Europa

Welche Pläne er mit der Antonov, die es im Landkreis Stendal nur einmal gibt, verfolgt? „Sie wird hauptsächlich als Verkehrs- und als Transportflugzeug genutzt. So stelle ich mir das für die Zukunft auch hier in Scharlibbe vor. Und zwar innerhalb eines vor Ort noch zu gründenden Luftfahrtunternehmens mit mehreren Piloten.“ Spezielle Reisen für Angler und Jäger sollen unter anderem in die polnischen Masuren oder nach Norwegen angeboten werden. Auf Wunsch geht es aber auch zu anderen Reisezielen, wenn das zum Beispiel ganze Familien wünschen. „Ich könnte mir unter anderem vorstellen, dass es auch einmal nach Mallorca gehen könnte.“ Für neun Passagiere stehen bequeme Sitzplätze zur Verfügung. Und Peter Richter möchte die AN2 auch Fallschirmspringern für Absprünge anbieten. Bis zu einer Höhe von 3000 Metern kann er mit dem Doppeldecker aufsteigen.

Bis das alles soweit ist, gibt es an dem Flugzeug aber noch einiges zu tun. „Vor allem möchte ich das Innenleben noch etwas aufhübschen“, nennt Peter Richter ein nächstes Vorhaben.

Eine Tankfüllung: 1200 Liter

Interessant sind auch folgende Angaben zur AN2. So, dass in ihr 1000 Pferdestärken (PS) stecken und dass sie für eine Tankfüllung 1200 Liter Flugbenzin benötigt. Außerdem ist ein 90-Liter-Tank für Motorenöl vorhanden – drei bis vier Liter Öl werden in jeder Betriebsstunde verbraucht. Das maximale Abfluggewicht sollte 5,5 Tonnen nicht überschreiten. Ohne Ladung beträgt das Gewicht etwas über drei Tonnen.

Keine Lackierarbeiten mehr in Scharlibbe

Für Rundflüge steht auf den Kleinflugplatz Scharlibbe aber nach wie vor auch noch eine Cessna zur Verfügung. Aufgegeben hat Peter Richter dagegen einen anderen Betriebszweig: das Lackieren und Aufbessern von Kleinflugzeugen. „Der Design-Lack ist wahnsinnig teuer geworden und auch der Holzpreis ist inzwischen auf das Dreifache angestiegen“, begründet er diese Entscheidung.

Pilot Peter Richter im Cockpit des Doppeldeckers. Bei Flügen wird dieses künftig mit einem Piloten und einem Copiloten besetzt sein.
Pilot Peter Richter im Cockpit des Doppeldeckers. Bei Flügen wird dieses künftig mit einem Piloten und einem Copiloten besetzt sein.
Foto: Dieter Haase