Manfred Hanitzsch rettet beim Abriss der Schönhauser Parkbühne ein Schriftstück des Chorleiters

In der Mauer steckt "Post" von 1956

Von Anke Schleusner-Reinfeldt

Die Bühne im Schönhauser Park hatte durch die Flut so großen Schaden genommen, dass sie abgerissen werden musste. Dabei kam ein Schriftstück zum Vorschein, das vor fast 60 Jahren eingemauert worden war.

Schönhausen l Dass das Schriftstück von Alwin Zinke, dem Vorsitzenden des Schönhauser Chores in der Zeit von 1955 bis 1980, nicht auf dem großen Schuttberg verschwunden ist, ist Manfred Hanitzsch zu verdanken. Als vor ein paar Wochen der Abrissbagger anrückte, erinnerte er sich an die Flasche, die 1956 eingemauert worden war. Denn als junger Bursche und Mitglied des Chores war er dabei, als die Bühne in Feierabendarbeit errichtet worden ist. "Fast wäre ich zu spät gekommen. Die Stelle, an der sich die Flasche befand, wurde gleich zu Beginn abgerissen. Doch die Bauarbeiter waren so freundlich und wir haben das Schriftstück auf dem Schutthaufen gefunden", ist der Senior glücklich, ein Stück Schönhauser Geschichte gerettet zu haben.

Und auch der heutige Vereinsvorsitzende Ulrich Sandhof freut sich sehr, die Sammlung über die Geschichte des Chores um ein weiteres Stück vervollständigen zu können. Denn ihm hat Manfred Hanitzsch die sechs Seiten übergeben. Zusammen haben sie sich hingesetzt und in mühevoller Kleinarbeit "übersetzt", was Alwin Zinke einst geschrieben hat. Denn die Flasche muss im Laufe der Jahre undicht geworden sein, so dass Feuchtigkeit eindringen konnte.

Dennoch ist es gelungen, vieles zu entziffern. Auf der ersten Seite steht: "In der Absicht, der Nachwelt etwas über diese Freilichtbühne, welche wir am 23. September 1956 aus Anlaß eines Kreiswettstreites auf kulturellem Gebiet an die Gemeindebehörde übergeben wollen und von uns den Namen "Parkbühne" bekommen soll, weil sie auf dem Parkgelände des durch die Bodenreform enteigneten Fürsten von Bismarck von uns Schönhauser Männern erbaut worden ist, zu hinterlassen, sei dieses Dokument hiermit verfertigt. Liebe Schönhausener Einwohner! Wann immer diese Zeilen einmal auftauchen werden mögen. Wir, die Erbauer dieser Freilichtbühne werden dann schon lange nicht mehr leben..."

Sänger packten nach Feierabend kräftig zu!

Die weiteren Zeilen von Alwin Zinke fasst Ulrich Sandhof so zusammen: Der Grund für den Bau der Bühne war ein von der Kultur-Kreisbehörde anberaumtes Konzert auf einer Holz-Freilichtbühne in Vorbereitung des 100. Jahrestages der Chorgründung im Jahre 1958. Denn 1858 war der erste Männerchor gegründet worden. Vor Baubeginn wurde ein getreues Holzmodell durch die Firma Neubauer angefertigt und in einer Ratssitzung bewertet und begutachtet. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 3200 Mark: 700 Mark von der Kreisbehörde, 300 Mark von der Gemeindebehörde, 1700 Mark freiwillige Arbeitsleistungen und 500 Mark Finanzierung aus Chorkonzerten. Bauleiter war der Maurermeister Hermann Röhle. Die Steine formte die Firma Heinz Maschke. Der Sand und die Erde kamen von der MTS/Manfred Hanitzsch. Ansonsten ist dieser Bau nur von den Mitgliedern des gemischten Chores errichtet worden, hauptsächlich durch: Alwin Zinke, Initiator; Fritz Pütsch, "treuer Helfer"; Ernst Welle, Heinz Brandt, Paul Bremer, Fritz Güldenpfenning, Adolf Zern, Manfred Hanitzsch, Georg Rottenbacher und Rudolf Pfeiffer. Nicht zu vergessen die Mädchen des gemischten Chores, die die Steine putzten. Unterstützung gab es auch vom Bauern Albert Buchholz, der den Part der Feuerwehr übernahm und Wasser bereitstellte.

Mahnung am Ende: Brüder reicht die Hand zum Bunde!

Alwin Zinke schließt seine Niederschrift mit den Worten: "Wenn diese Zeilen einmal gefunden werden, dann denkt zurück an die, die wir dem deutschen Lied, dem deutschen Gesang verfallen waren, dem wir vieles geopfert haben. Mit der Mahnung ,Brüder reicht die Hand zum Bunde`, schließen wir unser Zeitdokument."

Und er merkt auf dem Schriftstück auch noch an: "Zu diesem Zeitpunkt gab es in Schönhausen zwei Fernsehapparate."

In nächster Zeit werden das Original und eine Lesekopie der Niederschrift im Proben- und Vereinsraum des Chores unter dem Dach des Bürgerzentrums einen würdigen Platz finden. Für viele Schönhauser ist es ein Stück Selbstfindung und Kulturgeschichte.

"Wir haben genug Platz für weitere zeitgeschichtliche Dokumente und Erinnerungsstücke, die noch auf Dachböden oder in Schubladen liegen", würde sich Ulrich Sandhof freuen, die Sammlung erweitern zu können.