Werkschau

In Havelberg einen Pinsel zum Besteck gereicht

Für Kunstliebhaber ist die „Galerie Stadtinsel“ in Havelberg ab sofort wieder eine gute Adresse. Seit Oktober 2020 hat sie zum ersten Mal ihre Eingangstür geöffnet.

Von Dieter Haase
Die Werke von insgesamt acht Künstlern in der Galerie Stadtinsel zu betrachten, lohnt sich in jedem Fall. Die Inhaber der Galerie Britta Lehmann und Heinz Sporkhorst stehen Besuchern auch gerne für Gespräche zur Verfügung.
Die Werke von insgesamt acht Künstlern in der Galerie Stadtinsel zu betrachten, lohnt sich in jedem Fall. Die Inhaber der Galerie Britta Lehmann und Heinz Sporkhorst stehen Besuchern auch gerne für Gespräche zur Verfügung. Foto: Dieter Haase

Havelberg - „Endlich kann unsere ,Galerie Stadtinsel' in der Langen Straße mit Ausstellungen wieder ihren eigentlichen Zweck erfüllen“, zeigten sich die beiden Inhaber Britta Lehmann und Heinz Sporkhorst am 4. Juni sehr erfreut. Denn an diesem Tag eröffneten sie nach über siebenmonatiger gesetzlich festgelegter coronabedingter Zwangspause hier die Werkschau „Farbe-Pinsel-Stift“. Diese würden sie als Einstieg in das Sommerausstellungsprogramm betrachten, hieß es von ihnen bei der Begrüßung der Gäste. „Es ist heute eine Exposition, zu der wir uns ziemlich spontan entschlossen hatten und zu deren Vorbereitung uns somit nicht viel Zeit blieb“, erklärte es Britta Lehmann den ersten interessierten Besuchern. Aus dem Grund schafften sie es auch nicht, alle knapp 60 ausgestellten Arbeiten auszuzeichnen beziehungsweise eine Gesamtliste davon zu erstellen. Die Ausgestaltung des Ausstellungsraumes wurde wegen zeitlicher Engpässe auch erst am Vortag der Galerie-Öffnung vorgenommen.

Acht Künstler stellen gemeinsam aus

Für die Werkschau angesprochen und mit ins Ausstellungsboot geholt wurden befreundete Künstler wie Anette Klose, Anke Leonhardt, Anne Rothe, Ludgere Höhmann, Magelie Gärtner und Olga Prutt. Fast alle Genannten sind in der näheren Umgebung von Havelberg zu Hause, unter anderem in Berge und in Quitzöbel, oder leben sogar in der Domstadt. Und bis auf die verhinderte Anne Rothe kamen sie auch alle zur Vernissage. Natürlich beteiligten sich Britta Lehmann und Heinz Sporkhorst - mit seinem Künstlernamen Heinz S. - auch selbst an dem absolut sehenswerten Gesamtwerk in ihrem Ausstellungsraum. Malerei, Collagen, Zeichnungen und Radierungen - ganz nach dem erwähnten Thema „Farbe-Pinsel-Stift“- umfasst dank allen Beteiligten die Werkschau. Wer sie sich anschauen möchte, muss sich damit allerdings beeilen. Denn sie wird nur noch am Freitag, Sonnabend und Sonntag dieser Woche gezeigt. Und zwar immer in der Zeit von 15 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

Ein beliebtes Motiv: der Dom

Mit verschiedenen Techniken der Grafikkunst ist Heinz S. vertreten. Hauptsächlich widmet er sich dabei einem seiner Lieblingsmotive: dem Havelberger Dom. Der Künstler zeigt Ansichten des das Stadtbild prägenden Bauwerkes von ganz nah und aus etwas größerer Entfernung. Fast immer von einem anderen Standpunkt aus, wodurch das Ganze fesselnd wirkt. Die Zusammenstellung seiner Bilder erscheint dem Betrachter wie eine große, zu einem Teil farbig gestaltete Ansichtskarte. „Ich habe noch viel mehr davon“, berichtet er im Gespräch mit der Volksstimme, „weshalb ich beabsichtige, an den Ausstellungstagen fast täglich einen Austausch von Zeichnungen vorzunehmen.“ Und auf etwas anderes in der Ausstellung weist Heinz Sporkhorst außerdem noch hin. „An einer Wand hier sind echte Raritäten zu sehen“, sagt er und meint damit insgesamt zwölf mit Rote-Beete-Suppe gemalte Zeichnungen. „Ihre Entstehung war eine recht spaßige Angelegenheit“, erinnert er sich und erzählt die damit verbundene Geschichte.

Den Rest der Suppe zum Malen genutzt

„Bei einem früheren Treffen unserer Künstlergruppe haben wir aus einem in einem Prospekt abgedruckten Rezept einen großen Topf voll mit Rote-Beete-Suppe gekocht. Zum Besteck für jeden ist auch etwas Ungewöhnliches gereicht worden, und zwar ein Pinsel. Für den kleinen Rest von der Suppe, die in jedem Teller blieb, war dieser dann auch bestimmt. Die flüssige Rote Beete diente als Farbe, und jeder hat damit das gemalt, was ihm gerade in den Kopf gekommen ist. Ich empfand das Ganze als wunderbare Idee und zudem auch wert, es einmal in einer Ausstellung zu zeigen. Denn ich kann mich nicht erinnern, etwas ähnliches irgendwo schon einmal gesehen zu haben.“ Ob die Kunstinteressierten die Rote Beete auf den Blättern erkennen werden?

Stimmungsbild vom Weg zur Corona-Zeit

Das größte Bild in der Werkschau stammt von Britta Lehmann. Sie hat es „Seven ways up“ genannt. „Es zeigt meinen Weg, den ich in Berlin, wo ich vor wenigen Jahren noch gelebt habe, immer zu meinem Atelier gegangen bin. Auch im Lockdown, wenn ich zu diesem Zweck nach Berlin gefahren bin. Für mein Bild habe ich mich deshalb viel intensiver mit dem Weg beschäftigt, der für mich so selbstverständlich ist.“ Auf den Straßen herrschte in der schlimmsten Corona-Zeit selbst in der Hauptstadt nicht viel Leben, am Halleschen Tor nicht, in der Hochbahn nicht und auch nicht anderswo. Nur einigen Krähen gefiel es, im Müll herumzustöbern. - Das Bild vermittelt einen Teil von dieser Stimmung.

Skizzen aus Havelberg, viele davon vom Dom. Heinz Sporkhorst hat noch mehr von diesen Arbeiten angefertigt. Sie werden aus diesem Grund an den Ausstellungstagen immer wieder mal ausgetauscht.
Skizzen aus Havelberg, viele davon vom Dom. Heinz Sporkhorst hat noch mehr von diesen Arbeiten angefertigt. Sie werden aus diesem Grund an den Ausstellungstagen immer wieder mal ausgetauscht.
Foto: Dieter Haase