Schönhausen/Wust l Nun nur noch ein mündlicher Test – dann ist die Schule vorbei. Auch für Johanna Buchholz aus Schönhausen und Renée Paschek aus Wust.

„Ja, war ganz ok.“ Gerade haben sie die Geschichts-Prüfung hinter sich gebracht. Als sie sich zum Volksstimme-Gespräch auf die Bank unter den Linden auf dem Schulhof des Tangermünder Gymnasiums setzen, sind Johanna aus Schönhausen und Renée aus Wust froh, diese vorletzte Hürde genommen zu haben. Sie hatten sich entschieden, diese erste Runde mit den schriftlichen Prüfungen im Mai zu nutzen, andere Mitschüler sind erst im Juni dran. Bei denen der ersten Runde steht im Juni nur noch die mündliche Prüfung an und dann sind zwölf Jahre Schule um.

Die goldenen Zwanziger

Allerdings anders, als sie es sich erträumt hatten. Denn ob sie zum Abiball am 11. Juli im Tangerhütter Kulturhaus ihre im Schrank hängenden Kleider anziehen können, ist fraglich. Noch ist nicht entschieden, ob der Ball wirklich stattfinden kann oder ausfällt. „Das wäre wirklich Schade!“ Denn die Zwölftklässler – die „Goldenen Zwanziger“ – mussten schon auf die gut vorbereitete Motto-Woche und auch den letzten Schultag, von dem man wohl sein Leben lang erzählt, wehmütig verzichten. Mit Waffelverkauf auf dem Weihnachtsmarkt, Kuchenbasaren und monatlichen Überweisungen auf das Abiball-Konto haben sie Geld für den großen Tag gesammelt.

Bankkauffrau und Erzieherin

„Wir wissen auch nicht, wie das mit der Zeugnisausgabe wird. Wenigstens haben wir unsere T-Shirts und Pullover und auch eine Abi-Zeitung, die an unseren Jahrgang 2020 erinnert.“ Darin enthalten auch Fotos von der Abschlussfahrt, die in der 11. Klasse nach Wien geführt hatte – „schön, dass wir das zusammen erleben konnten“. Noch hegen Johanna, Renée und ihre rund 40 Mitschüler die vage Hoffnung, dass der Abiball wenn auch kleiner als geplant stattfinden kann, „oder wir holen ihn nach. Aber das wird wohl auch schwierig, wenn wir dann durch Ausbildung und Studium überall verstreut sind“. Renée beginnt im August eine Ausbildung zur Bankkauffrau in Magdeburg, demnächst bezieht sie dort ihre Wohnung, „so habe ich Zeit, mich einzuleben“. Johanna, die Gitarre und Klavier spielt, möchte sich mit einem freiwilligen sozialen Jahr im Kindergarten auf die Ausbildung zur Erzieherin vorbereiten.

Corona setzt den Schlusspunkt

Wenn die Freundinnen zurück auf die acht gemeinsamen Schuljahre blicken, schmunzeln sie. „Wir waren irgendwie so ein Katastrophen-Jahrgang. Es ging schon gleich am ersten Schultag los, dass wir wegen eines Unfalls auf der Elbbrücke nicht mit dem Bus nach Hause kamen, sondern mit dem Zug über Stendal fahren mussten.“ Dann die Flut 2013, die beide Familien extrem traf. Und zum Abschluss setzt Corona den Schlusspunkt. Beide hoffen, dass die Vorbereitung auf die Prüfungen zu Hause gut genug war, „mit richtigem Unterricht wären wir sicher besser vorbereitet gewesen“. Denn das ganze Hin und Her, wie das mit den Prüfungen überhaupt wird, hat zusätzlich an den Nerven gezerrt.

Den Abiturienten 2020 ist zu wünschen, dass Fotos von einer feierlichen Zeugnisausgabe und von einem – wenn auch kleinen – Abiball sie auf ihrem weiteren Weg begleiten.