Havelberg l In Kooperation mit der Berufsbildungsakademie Altmark (BBA) werden die Jugendlichen auf Ausbildung oder Arbeitsaufnahme vorbereitet. Zehn Plätze sind dafür vorgesehen. Den jungen Leuten stehen vom Jobcenter Fallmanagerin Elisabeth Gellerich und von der BBA neben Ausbildern auch eine Sozialpädagogin zur Seite.

Ganz wichtig ist die Motivation, eine Ausbildung beginnen oder eine Arbeit aufnehmen zu wollen, sagt die Leiterin des Jobcenters Iris Warnstedt. Das ist der erste Schritt. Dabei wird für jeden Jugendlichen ein persönlicher Perspektivplan entwickelt, um Schritt für Schritt das Ziel zu erreichen. Die Maßnahme läuft über zwölf Monate. Allerdings gibt es immer wieder Wechsel bei den Teilnehmern, weil Jugendliche ausscheiden, wenn sie einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz gefunden haben oder manchmal auch die Anforderungen der Maßnahme, für die sie eine Aufwandsentschädigung von 1,25 Euro pro Stunde erhalten, nicht erfüllen.

Für etliche Teilnehmer, die aus den unterschiedlichsten Gründen noch keine Ausbildung abgeschlossen oder Arbeit aufgenommen haben, ist es von Bedeutung, überhaupt erstmal wieder einen Rhythmus zu finden, Tagesstrukturen zu schaffen und sinnvollen Tätigkeiten nachzugehen, weiß der Bereichsleiter der BBA in Havelberg Henning Peters aus Erfahrung.

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„Die BBA bietet gute Bedingungen. Die Jugendlichen stärken ihre sozialen Kompetenzen, können sich ausprobieren und schauen, wo ihre Interessen liegen“, freut sich Iris Warnstedt über die gute Zusammenarbeit und berichtet von positiven Rückmeldungen von den Jugendlichen. „Sie sehen, dass sie Dinge machen, die auch gut tun.“

Jüngstes Beispiel war der 25. Geburtstag der Förderschule „Am Lindenweg“ in Havelberg. Für das Tabaluga-Musical und die Deko hatte die BBA Holzarbeiten vorbereitet. Zum Beispiel die Delfine, die dann von den Schülern noch bemalt worden sind. Zur Übergabe der Arbeiten kamen junge Leute mit und sahen, wie sich die Kinder freuen. Auch das trägt zur Motivation bei. Sie sehen, dass ihre Arbeit sinnvoll ist.

Holzarbeiten für Kinder

Hauptsächlich sind es Holzarbeiten, die in der BBA erledigt werden. Es gibt aber auch weitere handwerkliche Bereiche. Für Kindergärten und Schulen etwa schneiden die Jugendlichen an den Werkbänken Vorlagen für Bastelarbeiten aus, die in den Einrichtungen fertig gestaltet werden. Auch eine Blumenanzucht für Kindergärten wird vorgenommen.

„Wir wollen entsprechend ihrer Fähigkeiten Ansatzpunkte finden, wie wir die Jugendlichen motivieren können. Nicht für jeden ist es einfach, jeden Tag sechs Stunden zu arbeiten. Da sind wir flexibel, das Durchhaltevermögen ist sehr unterschiedlich. Die sozialpädagogische Begleitung hat einen hohen Stellenwert. Eine Demotivation wäre schlimm“, sagt Henning Peters.

Innerhalb der im Sommer vorigen Jahres gestarteten Maßnahme haben sich sechs Teilnehmer bereits eine berufliche Perspektive erarbeitet. Zwei haben eine Arbeit gefunden, eine Teilnehmerin hat eine Ausbildung zur Verkäuferin begonnen, berichtet Elisabeth Gellerich. Andere gehen in berufsvorbereitende Maßnahmen, um einen Schulabschluss zu erhalten. Vier Teilnehmer steuern derzeit den Hauptschulabschluss an.

Zu dieser AGH gehören auch verschiedene Projekte. Zum Beispiel das zur gesunden Ernährung. In regelmäßigen Abständen wird ein gemeinsames Frühstück vorbereitet und in der Runde verspeist. Es gibt den Tag der Berufe mit Besuchen in Firmen, die Nachwuchs suchen. Zum Beispiel im Pflegebereich. Für den Beruf der Fachkraft für Schutz und Sicherheit stellte ein Unternehmen die Anforderungen vor. Beratungen gibt es auch zu gesundheitlichen Fragen, zu Krankenkassen, Führung eines Haushaltsbuches und zu Schuldenberatung.

Hilfe bei Bewerbungen

„Wir bieten außerdem ein Bewerbertraining an und arbeiten die Unterlagen mit den Jugendlichen aus“, berichtet Henning Peters. Für manche Teilnehmer ist diese AGH eine Art Familienersatz. „Sie haben wieder ein Ziel und eine Struktur im Tagesablauf. Manchmal ist es schon ein Riesenerfolg, wenn der Teilnehmer pünktlich erscheint und sechs Stunden durchhält.“ Dabei halten die Mitarbeiter den Kontakt zu den Jugendlichen, auch wenn sie nicht zur Maßnahme erscheinen. Entweder telefonisch oder mit Besuchen zu Hause. „Steter Tropfen höhlt auch hier den Stein“, weist der Bereichsleiter der BBA darauf hin, dass die Jugendlichen dadurch merken, dass sich jemand kümmert. Es wird ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, das mit dazu beiträgt, dass sie am Erreichen ihrer Ziele festhalten. Und teilweise erziehen sie sich auch gegenseitig.

Mit den zehn Plätzen in der Maßnahme ist der Bedarf für die Region Havelberg gut abgedeckt, schätzt Iris Warnstedt ein. Die Teilnehmer sind zwischen 18 und 25 Jahre alt. Für die Zeit danach bietet das Jobcenter Perspektiven an etwa durch unterstützte Beschäftigung in Betrieben, Praktika oder Reha-Maßnahmen. Über die Arbeitsagentur können Förderungen für Betriebe vereinbart werden. „Hier arbeiten wir eng mit den Berufsberatern zusammen“, sagt Elisabeth Gellerich.

In der Holzwerkstatt der BBA zeichnet Valentin Madiev die Umrisse von Sonnenblumen-Blättern auf die Holzplatten. Marvin Jörs schneidet die Blüten aus dem Holz heraus. Ausbilder Detlef Paehr lobt die beiden für ihre Arbeit und ist sich sicher, dass mit diesen und weiteren Holzarbeiten bald wieder Kindern in der Förderschule, Grundschule sowie Kitas in Havelberg, Sandau und Warnau und dem Hort eine große Freude bereitet wird.